Remscheid: Das vernachlässigte Millionenprojekt

Politik in Remscheid : Das vernachlässigte Millionenprojekt

Die Trasse des Werkzeugs vom Hasten zum Hauptbahnhof bietet in Teilen einen traurigen Anblick. Beim Versuch, dies zu ändern, fühlen sich Ehrenamtler und Politiker von der Verwaltung alleingelassen.

Otto Mähler gehört nicht zu den Leuten, die sich von Hindernissen so schnell beirren lassen. Beim Bemühen, die Trasse des Werkzeugs, die vom früheren Bahnhof Hasten (jetzt steht dort ein Nahversorgungszentrum) zum Hauptbahnhof führt, wiederzubeleben und aufzuwerten, ist er allerdings „kurz davor, die Lust zu verlieren“, sagt der SPD-Bezirksbürgermeister für Alt-Remscheid.

Seit Jahren schon setzt sich Mähler dafür ein, dass der von der Stadt vernachlässigte Rad- und Wanderweg angepackt wird. Eine Stoßrichtung dabei: Endlich über Schilder und Wegweisung eine Verbindung schaffen zum Deutschen Werkzeugmuseum, das vom Endpunkt der Trasse in Hasten nur einige Gehminuten entfernt ist. Aktuell ist der Eingangsbereich vor allem ein von der Stadt geduldeter Parkplatz, auf dem nichts darauf hinweist, dass hier ein vom Land einst mit viel Geld geförderter Rad- und Wanderweg mit engem Bezug zur Stadthistorie beginnt.

Mit dem von der Landesregierung neu aufgelegten „Heimatfonds“ mit einem Gesamtvolumen von 150 Millionen Euro scheint ein Weg gefunden, die Trasse, die seit der Eröffnung sehr an Attraktivität eingebüßt hat, mit Landesgeldern aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Erste Pläne dafür liegen vor, sagt Mähler. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums am Hasten, hat Eckpunkte für eine Neukonzeption erarbeitet. Die Ideenliste ist lang. Sie umfasst unter anderem moderne, interaktive Informationsstationen. Über mit Solarkraft betriebene Leuchten könnte die Trasse auch in den Abendstunden genutzt werden, sagt Mähler. Insgesamt rechnet er mit Kosten von rund 20.000 Euro. Über das Förderprogramm Heimat-Zeugnis sind Förderungen bis 100.000 Euro möglich, wenn zehn Prozent Eigenmittel da sind.

Der Förderverein des Werkzeugmuseums steht bereit, um als Antragsteller zu fungieren, weil eine Bedingung des Heimatfonds ist, dass nicht die Verwaltung das Geld beim Land beantragt, sondern private Initiativen. Man braucht aber Hilfe aus dem Rathaus. Dort werde das Thema aber nicht angepackt, sagt Mähler. „Ich bin sehr enttäuscht.“

Bei einem Spaziergang zeigt Stadtführer Klaus Schmidt, wie das zwei Millionen Euro teure Vorzeigeprojekt der Regionale 2006 über die Jahre an Glanz eingebüßt hat. So können die drei speziell eingerichteten Aussichtspunkte von Spaziergängern nicht genutzt werden, weil die dafür geschaffenen Blickachsen zugewachsen sind. Die Werkzeugpiktogramme auf dem Trassenboden sind zum Teil verblasst oder weggebrochen. Die von Werkzeugfirmen gesponserten Bänke entlang des Weges mussten wegen Vandalismus zum großen Teil entfernt werden. Die verbliebenen sind mit Sprühfarbe verunstaltet. „Wer sich hier mal hinsetzen möchte, um auszuruhen, hat ein Problem“, sagt Schmidt.

Lichtblick: Der Spielplatz wurde mit Hilfe des Vereins „Hasten für Hasten“ renoviert. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Sitzbänke sind Mangelware, die verbliebenen meist verschmiert. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die Verwaltung habe das Projekt auf dem Schirm und werde es auch weiter positiv begleiten, sagte Baudezernent Peter Heinze auf Nachfrage der BM. Ihm fehle aber das Personal, um „das zu projektieren“. Die Idee von Wallbrecht, Werkzeugmuseum und Werkzeugtrasse im Rahmen eines überarbeiteten Konzepts zusammen zu denken, sei der richtige Weg.

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