Remscheid: Das Haus Cleff braucht starke Magneten

Ansichtssache in Remscheid : Das Haus Cleff braucht starke Magneten

Die Zukunft des Historischen Zentrums sollte von innen nach außen geplant werden. Erst Inhalt, dann Fassade. Sonst entsteht ein Rohrkrepierer.

Denkmalschützer verstehen sich als Lordsiegelbewahrer der Vergangenheit. Ihr Traum ist es, das Charakteristische eines alten Gebäudes oder Ensembles über die Zeit zu retten. Es sind geborene Konservative, die jede Veränderung scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Aber der Denkmalschutz wurde nicht erschaffen, um Auflagen festzusetzen, die eine spätere wirtschaftliche und publikumswirksame Nutzung eines Gebäudes wie Haus Cleff unmöglich machen. Diesen Eindruck gewinnt man nach den jüngsten Ausführungen der obersten Denkmalschützerin des Landschaftsverbandes Rheinland. Was nutzt der Stadt und den Bürgern eine wunderbare Schieferfassade, frisch geweißelte Fensterrahmen, wenn drinnen im übertragenen Sinne keine Musik gespielt werden darf? Nichts. Die Zukunft des Hauses Cleff sollte von innen nach außen geplant werden. Erst der Inhalt, dann die Fassade. Sonst entwickelt sich das Historische Zentrum zu einem Ort, an dem sich nur noch Mitglieder des Bergischen Gesichtsvereins über Remscheids Vergangenheit austauschen. Das wäre die vielen Millionen an Investitionen nicht wert, wenn in Hasten ein musealer Rohrkrepierer entsteht. Es muss erlaubt sein, dem Denkmalschutz seine Grenzen aufzuzeigen.

Für einen Normalsterblichen ist nicht gleich nachvollziehbar, wieso ein Trakt aus Glas, der auf smarte Weise das Werkzeugmuseum mit dem Haus Cleff verbindet, nicht genehmigt wird. Richtig ist, der solitäre Charakter des Hauses würde aufgehoben. Das passt den Denkmalschützern nicht. Aber es gehört zu den bisher tragfähigsten Ideen von Museumsdirektor Dr. Andreas Wallbrecht, beide Häuser architektonisch zu verbinden. Werkzeugmuseum und Haus Cleff bilden eine Einheit. Dabei sollte es bleiben. Die neuen Arbeitsgruppen, die ein Konzept für das Haus entwickeln, sollten diese Idee nicht einfach abschreiben.

Apropos Musik – ist es wirklich so eine glückliche Idee, die Räume hauptsächlich mit Werken von Hasenclever, Arntz, Teo Otto und mit Wechselausstellungen zu bespielen? Die Remscheider Künstler haben eine Repräsentation in der Stadt verdient. Aber eines ist klar: Ihre Anziehungskraft reicht nicht aus für starken Publikumsverkehr. Das Haus Cleff braucht Magneten. Ohne die lohnt sich die Sanierung nicht.

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