Remscheid: Das Handwerk wirbt um Nachwuchs

Ausbildung in Remscheid: Das Handwerk wirbt um Nachwuchs

Das Handwerk braucht dringend frisches Blut. Neben aktiver Werbung wie beim „Tag des Handwerks“ setzt die Remscheider Kreishandwerkerschaft auf ein durch Bundesmittel gefördertes Projekt.

Kreativität und Innovation sind im Handwerk gefragt, nicht nur bei der Ausübung diverser Gewerke, sondern vor allem bei der Anwerbung von Azubis. Denn der Fachkräftemangel setzt Betriebe immer stärker unter Druck, sagt Kreishandwerksmeister Hans-Jürgen Althaus, Inhaber des gleichnamigen Unternehmens für Kanaltechnik.

Im Fall seiner Branche, der Sanitär- und Heizungstechnik, müssten Kunden im Schnitt zwischen sechs und acht Wochen auf einen Termin warten, „weil wir nicht genügend Personal haben“. Dieses Problem ziehe sich durch alle Innungen, bestätigt Kfz-Meister Alexander Schmidt, Lehrlingswart der Kfz-Innung. „Wir suchen händeringend nach ausbildungsfähigen und -willigen Azubis und ausgebildeten Gesellen.“ Um seinen Beruf für Jugendliche interessant zu machen, wirbt Schmidt für die neueste Technik in Sachen „Augmented Reality“ (AR). Über Handy und Spezialbrille lässt sich das Schrauben am Auto, der Austausch eines Getriebes oder einer Kupplung, in einer virtuellen Werkstatt im Vorfeld üben. Einzelteile können sich die Lehrlinge in der erweiterten Realität genauer anschauen und besser als auf jedem Foto. „Wenn solche Technik im Berufskolleg zum Einsatz käme, könnte man den Unterricht viel interessanter und anschaulicher gestalten“, argumentiert Schmidt.

Überhaupt bieten virtuelle Werkstätten, wie sie das Programm Vocanto von der Firma Lucas-Nülle zur Verfügung stellt, viele Vorteile, verrät Martijn Vincken, Produktmanager des Unternehmens. Aktuell haben sie sieben Ausbildungsberufe im Portfolio. Im Kfz-Bereich bietet sich die virtuelle Realität etwa auch bei gefährlichen Arbeiten an, wie bei Hybridfahrzeugen, die unter der Haube hohe Spannungen verbergen. „Da dürfen Azubis eigentlich nicht alleine ran, weil es gefährlich ist“, erklärt Vincken. Vom Sicherheitsaspekt bei AR-Programmen profitiert auch die Fachinnung für Metall, die dank einer virtuellen Werkstatt erstmals beim „Tag des Handwerks“ interessierten Jugendlichen Schweißarbeiten näherbringen konnte. „Die Resonanz war super“, sagt Schweißfachingenieur Markus Marré. Und auch Uwe Wiegand, Obermeister der Fachinnung für Metall, freut sich darüber, den ein oder anderen „talentierten Jugendlichen“ gesichtet zu haben. „Es gab auch einige, die sich für Praktika und Ausbildung interessiert haben.“

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Zusätzlich zur Messe ist die Kreishandwerkerschaft in diesem Jahr auch gemeinsam mit dem Berufsbildungszentrum der Industrie (BZI) aktiv geworden, um das Potenzial, das junge Flüchtlinge bieten, für das Handwerk zu gewinnen. Der erste Kursus der Berufsorientierung von Flüchtlingen (BOF) läuft bereits seit Januar, aktuell mit zwölf Teilnehmern (zwischen 22 und 29 Jahre). Innerhalb von sechseinhalb Monaten erhalten die jungen Geflüchteten Einblicke in die Berufsfelder der Metallverarbeitung sowie des Elektro- und Malerhandwerks.

Ahmed An-Gbory (24), vor drei Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet, nimmt an der Berufsorientierung teil und hat besonders viel Gefallen an der Metallverarbeitung gefunden: „Wir haben Werkstücke an der Maschine gedreht und gefräst und am Ende einen kleinen Fernsehturm gebaut“, erzählt der junge Mann, der in seiner Heimat Geografie studiert hat und nun nach der Berufsorientierung gerne eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker machen würde.

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