Remscheid: Das „Hairzstück“ des Brücken-Centers

Remscheider Innenstadt : Das „Hairzstück“ des Brücken-Centers

Seit Anfang April führt Belinda Lenhard den Friseursalon „Hairzstück“ im Brücken-Center an der Presover Straße. Dass das einmal so sein würde, hätte sich die 50-Jährige drei Wochen zuvor nicht vorstellen können.

Im Gespräch wirkt Belinda Lenhard zufrieden. Sie lacht viel und ist entspannt. Kaum zu glauben, dass hinter der Remscheiderin eine Zeit liegt, in der, wie sie selbst sagt, „die Nerven zwischenzeitlich blank lagen“.

Seit dem 9. April ist Lenhard Inhaberin des Friseursalons „Hairzstück“ im Brücken-Center an der Presover Straße. Dass das einmal so sein würde, daran hätte die 50-Jährige drei Wochen zuvor nicht gedacht. Da war die Friseurmeisterin an gleicher Stelle noch als Betriebsleiterin einer Filiale einer Friseur-Kette tätig gewesen. Dann stellte sich heraus, dass das Hauptunternehmen den auslaufenden Mietvertrag in den Räumen nach zehn Jahren nicht verlängern würde. Wie sollte es also weitergehen?

Freitags hatte Belinda Lenhard von den Plänen erfahren, am Wochenende wälzte sie ihre Gedanken hin und her – und am Montag machte sie einen Vorschlag, der über ihre und die Zukunft ihres Teams entscheiden sollte. „Wir sind seit zehn Jahren hier. Also machen wir es ab jetzt eben selbst“, formuliert die Remscheiderin den Entschluss.

Wohlwissend, dass sie sich auf ihr Team verlassen kann. „Als die Idee ausgesprochen war, wusste ich: Da stehe ich voll und ganz hinter“, sagt Nicole Steffens, mit der Lenhard zehn gemeinsame Berufsjahre verbinden. Und auch daran, dass Salar Alomar mit an Bord sein würde, bestand kein Zweifel. Als Azubi im zweiten Lehrjahr erweitert er das Angebot des Salons um Rasur und Bartpflege. „Außerdem lieben ihn die Kunden viel zu sehr, als dass ich ihn hätte gehen lassen“, erklärt Chefin Lenhard. Apropos Kunden: Auch an die habe sie bei der Entscheidung, mit einem eigenen Friseursalon an gewohnter Stelle weiterzumachen, gedacht. „Wir haben 80 Prozent Stammkunden und der Standort ist für einen Friseur optimal“, sagt die Remscheiderin.

Sie muss es wissen, hatte sie es nach einigen Stationen als Angestellte doch nach der Meisterschule Mitte der 2000er-Jahre schon einmal in der Selbstständigkeit versucht. Doch ihr Salon an der Lenneper Straße floppte. „Der Standort war schlecht. Und es war die Zeit, in der die Billig-Friseure überall aus dem Boden schossen“, erinnert sich Lenhard. Diesen Weg wollte sie nicht mitgehen. Aus Überzeugung.

„Wir arbeiten hier an Menschen. Das muss man wollen“, beschreibt die 50-Jährige. Sie wollte – und zwar schon als Kind. „Damals habe ich meinen Puppen immer die Haare geschnitten. Auch wenn das manchmal Ärger mit meinen Eltern gab“, sagt Lenhard.

Bei allem Optimismus für die Zukunft will sie aber nicht verhehlen, dass die gerade einmal drei Wochen vom Zeitpunkt der Entscheidung bis zur Eröffnung von „Hairzstück“ „einem Marathon“ geähnelt hätten.

Ein neuer, über fünf Jahre laufender Mietvertrag wurde ausgehandelt, Werbeflyer wurden produziert, das noch neuwertige Inventar dem Vorgänger abgekauft und Renovierungsarbeiten vorgenommen. „Als die Maler rauswaren, haben wir mit Föhnen versucht die Farbe an den Wänden schneller trocknen zu lassen“, berichtet Belinda Lenhard von den Bemühungen und dem Zeitdruck, unter dem sie und ihr Team standen.

Dank der Hilfe von Mitarbeitern, Freunden und Verwandten sei der Friseursalon im Zuge des Übergangs nur an einem Tag geschlossen gewesen. Das Geschäft im Brücken-Center sei eine Herzensangelegenheit für alle. Ein echtes „Hairzstück“ eben.

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