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Remscheid: Das erfundene Leben eines Mörders

Buchveröffentlichung in Remscheid : Das erfundene Leben eines Mörders

In „Zeuge Waldeck“ beschreiben Viola Meike und Sarah Baldy die unglaubliche Geschichte des Rolf vom Busch.

Viola Meike, Leiterin des Stadtarchivs, wäre Rolf vom Busch gerne mal persönlich begegnet. Vier Jahre lang hat sie sich zusammen mir Sarah Baldy in das Leben dieses Remscheiders vertieft. Vier Jahre sammelte sie Puzzlesteine einer Biographie, die an Wendungen, Brüchen, Abenteuern, Abscheulichkeiten und Lügen kaum zu überbieten ist.

Rolf vom Bruch war in seinem Leben vieles: Totschläger, Kinderschänder und Hochstapler. Dieses Gemisch an krimineller Energie und genialischer Kunst der Verstellung übte auf Meike eine brennende Faszination aus. „Dieser Mann hat selbst an seine erfundenen Geschichten geglaubt“, sagt Meike. Er hat nicht nur seine Zeitgenossen getäuscht, sondern auch sich selbst.

Ein Schmunzeln lässt sich nicht verkneifen, wenn man die Grabrede liest, die ein Trauerredner am 12. Juli 1971 in der Neustifter Friedhofskapelle in Wien vortrug. Dort ist von einem Menschen „von höchstem Adel“, aus „alten Fürstenhäusern“, mit zwei Doktortiteln und „schöpferischer Genialität“ die Rede. Geschrieben hat dieses Grabrede eine Lebensgefährtin von Rolf vom Busch. Vom wahren Leben dieses Mannes hatte sie wohl keine Ahnung.

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⇥Foto: Radtke
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Das Buch mit dem Titel „Zeuge Waldeck“ erzählt nicht nur diese in weiten Teilen unglaublich zu nennende Geschichte. Sie will Lust machen auf Recherche in einem Stadtarchiv. Archivarbeit ist Detektivarbeit. Archivare werden zwar gerne als Menschen gesehen, die in alten Wolljacken schmallippig Bücher und Akten hin- und hertragen. Doch für Meike und Baldy bietet das Archiv einen Schatz an Geschichten über Menschen und Schicksale, von denen niemand etwas weiß.

Kommissar Ernst Gennat gehört zu den Mordkommissaren in den 20er-Jahren in Berlin, der aufgrund neuer Ermittlungsmethoden viele spektakuläre Fälle aufklärte, unter anderem den Mord an dem 16-jährigen Kurt Schöning. Er brachte den 28-jährigen Remscheider, der sich zugleich als Hotelpage und Aristokrat ausgab, hinter Schloss und Riegel. 1936 musste sich der Verbrecher vor dem berüchtigten Volksgerichtshof verantworten, wegen „Verleumdung des Führers“. Rolf vom Busch hatte behauptet, mit Adolf Hitler homosexuelle Kontakte unterhalten zu haben und in der Lage zu sein, das Genital des Führers zu beschreiben.

Mit verurteilten Homosexuellen machten die Nationalsozialisten in er Regel kurzen Prozess. Rolf vom Busch landete aber im Zuchthaus und am Ende im Konzentrationslager Mauthausen. „Mauthausen war eines der schlimmsten Konzentrationslager der Nazis“, sagt Meike. In den Akten taucht der Freiherr vom Busch-Waldeck aber als ein angesehener Arzt auf, von dem viele Aufzeichnungen über den Alltag im KZ existieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tritt er sogar als Zeuge vor Gericht im Dachauer Prozess auf.

Die beiden Autorinnen haben akribisch gearbeitet. Sie montieren die Versatzstücke eine Lebens glaubhaft aneinander und lassen viele Quellen sprechen. So verbindet sich eine wahre Kriminalgeschichte mit vielen Hinweisen auf die Zeitgeschichte. Man könnte diesen Mann für eine literarische Erfindung halten. Die Archiv-Recherche holt ihn ans Licht als Stoff, aus dem Horrorgeschichten gewebt werden.