Remscheid: Das Ende eines Umweltprojekts

Schule in Remscheid : Das Ende eines Umweltprojekts

Die bundesweite Aktion „500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“ wird zum 30. Juni eingestellt. Seit Ende 2014 waren an der Alexander-von-Humboldt-Realschule (AvH) Plastikverschlüsse gesammelt worden.

Die Remscheider Alexander-von-Humboldt-Realschule (AvH) verliert ein Umweltprojekt. Zum 30. Juni wird die bundesweite Aktion „500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“ eingestellt. Seit Ende 2014 waren an der Realschule fleißig Plastikverschlüsse gesammelt worden. Die AvH ist offiziell als Sammelstelle bei dem in Nürnberg beheimateten Verein „Deckel drauf“ angemeldet.

Müllvermeidung und Naturschutz besitzen einen hohen Stellenwert an der Realschule. „Wir nehmen immer am Picobello-Tag der Stadt teil und sind noch zwei, drei weitere Male im Jahre in der Natur in unserem unmittelbaren Umfeld unterwegs, um Unrat einzusammeln“, sagt die zweite Konrektorin Kerstin Röhrig-Stefan. Die 5. / 6. Stunde freitags steht dafür zur Verfügung. Abwechselnd sind Klassen unterwegs. Die erstaunte Erkenntnis eines Schülers, dass rund um die Trasse, König- oder Rosenstraße viel Plastikmüll rumfliege, ließ die AvH nach Möglichkeiten suchen, die Müllsammelei mit einem guten Zweck zu verbinden. Mit „Deckel drauf“ griffen die Remscheider eine Idee auf, die sich in der Grunerstraße 12 schnell durchsetzte.

„Anfangs gab es sogar einen Deckelsammeldienst in den Klassen“, sagt Röhrig-Stefan. Tonnenweise Kunststoffdeckel füllten erst einen Mülleimer in der Schule, wurden dann in blaue Säcke umgepackt, um schließlich zur Wiederverwertung nach Wuppertal gebracht zu werden, wo die Ware genau abgewogen wurde. Für ein halbes Hundert Deckel finanzierte der Verein eine Polio-Impfung. Entstanden war die medizinische Hilfe für Kinder nach einem Treffen der Rotarier in Lissabon. Dort trafen sich die späteren Gründer von „Deckel drauf“. Nach einem Probelauf wurde der Verein ins Leben gerufen. Im Laufe der Zeit wurde er immer professioneller. Zunächst wurde die deutschlandweite Logistik mit „Bordmitteln“ erledigt, sprich über Geschäftspartner der Gründer. Später half der „Grüne Punkt“, 2018 übernahm die IDS Logistik GmbH kostenfrei den Transport.

Ohne letztere wäre das Projekt wohl eher eingestellt worden. Nun aber wird doch ein Schlussstrich gezogen. In einem erklärenden Schreiben an die AvH nennt das „Deckel drauf“-Team vier Gründe für das Ende. Zum einen seien die Preise auf dem Markt für Sekundärrohstoffe deutlich gesunken. Hintergrund dieser Preisentwicklung seien Marktverschiebungen, die durch das chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle ausgelöst wurden.

Dann habe die EU in ihrer Kunststoffstrategie festgelegt, dass künftig die Deckel fest mit den Flaschen verbunden sein müssen. Dem Verein gehe damit mittelfristig das Sammelmaterial aus. Außerdem seien die Verantwortlichen vom Erfolg überrollt worden. Das Projekt wurde so groß, dass die Ehrenamtlichen dafür nicht mehr ausreichend Zeit aufbringen können.

Konkrete Zahlen konnten die Verantwortlichen in Nürnberg zwar nicht für das AvH in Remscheid runterbrechen, aber insgesamt generierte die Aktion über die Jahre 1105 Tonnen Deckel. Mit den Erlösen in Höhe von 270.000 Euro wurden 3,315 Millionen Impfungen weltweit finanziert. Bis zum 30. Juni läuft der Endspurt. Auch vom AvH wird noch ein Deckel-Transport nach Wuppertal rausgehen. Danach wird vieles anders. „Ehemalige Kolleginnen und Anwohner werden uns dann nicht mehr Tüten mit Plastikdeckeln in die Hand drücken“, sagt Kerstin Röhrig-Stefan mit Wehmut. Für die Realschule steht fest: Die eine Aktion wird eingestellt, eine neue wird sich finden. Im Kollegium wurden schon mal Flaschenkorken gesammelt und Briefmarken. Was als Nachfolger infrage kommt, wollen die Lehrer in Abstimmung mit ihren 686 Schülern erfragen.

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