Remscheid: Dachbegrünung wird Pflicht

Klimaschutz in Remscheid : Dachbegrünung wird Pflicht

Die im Bebauungsplan für die geplante Wohnsiedlung am Eisernstein fest geschriebene Dachbegrünung spaltet den Rat.

Ist sie eine sinnvolle Vorgabe im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels oder eine unnötige Hürde, die jungen Familien in Remscheid den Traum vom eigenen Haus unnötig erschwert? Die im Bebauungsplan für die geplante Wohnsiedlung am Eisernstein fest geschriebene Dachbegrünung spaltet den Rat. Nach hitziger Diskussion wurde die Dachbegrünungs-Pflicht am Donnerstagabend im Hauptausschuss mit 11:9 Stimmen verabschiedet. SPD, Linke, Grüne und FDP stimmten für die Auflage, CDU und Wählergemeinschaft dagegen. Der Vertreter von Pro Deutschland nahm nicht an der Sitzung teil.

Die Pflicht, das Dach zu begrünen möge ökologisch vielleicht sinnvoll sein, auf jeden Fall sei sie aber „nicht sozial“, sagte Alexander Schmidt (CDU). Für junge Familien, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollen, sei es angesichts der explodierenden Immobilienpreise schon so schwer genug, die Kosten für ein eigenes Haus zu stemmen. Die höheren Ausgaben für ein grünes Dach sorgten für einen zusätzlichen Nachteil. Sein Fraktionskollege Karl Heinz Humpert ergänzte, dass die Auswahl an Flächen für Einfamilienhäuser in Remscheid nur gering sei. Daher sollen man die wenigen vorhandenen Möglichkeiten nicht noch mit Auflagen befrachten.

Wie berichtet, sollen die Grundstücke auf dem Gelände der früheren Grundschule durch Hecken oder Gehölzsäume abgegrenzt werden. Die Vorgärten sollen klimafreundlich gestaltet werden, Schotterschüttungen sind verboten. Ein Bestand an alten Bäumen soll erhalten bleiben. Im Bebauungsplan festgehalten ist neben den grünen Dächern die Pflanzung von Hausbäumen. Die Stadt wird die Grundstücke selber vermarkten.

Es sei „unverschämt“ in diesem Zusammenhang den Begriff „unsozial“ zu verwenden, sagte Jürgen Kucharczyk (SPD). Die begrünten Dächer seien besser als normale, und zudem eine sinnvolle „Investition die Zukunft“. Grundsätzlich sei es Aufgabe der Politik, Vorgaben zu machen, Dinge zu benennen. Beatrice Schlieper (Grüne) warf der CDU vor, eine ideologische Debatte zu führen, anstatt sich mit den Sachfragen zu beschäftigen.

Fritz Beinersdorf (Linke) erkennt in den Plänen für die „Grüne Siedlung Eisernstein“ einen Hinweis, dass die Forderungen der Fridays for Future-Bewegung in der Verwaltung angekommen sind.

Für ein Einfamilienhaus normaler Größe müssten die Bauherren mit Mehrkosten von 5000 bis 10.000 Euro rechnen, sagte Architekt und SPD-Ratsherr York Edelhoff auf Nachfrage von Bernd Quinting.(CDU). Das sei eine tragbare Investition. Die Mehrkosten seien zudem gut investiert, denn die Dächer sparten Energie.

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