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Remscheid: Corona macht's möglich: Samstagstermine im Bürgeramt

Bürgerservice in Remscheid : Wegen Corona auch samstags ins Bürgeramt

Die Einschränkungen durch die Pandemie haben bei den Meldeangelegenheiten für einen Stau gesorgt. Der wird in Extraschichten abgearbeitet – auch wegen der Kommunalwahl am 13. September.

Um die Ummeldungen und Ausweisanträge abzuarbeiten, die sich während der durch Corona bedingten Schließzeiten aufgestaut haben, aber auch, um das für die Kommunalwahl benötigte Wählerverzeichnis auf den aktuellsten Stand zu bringen, legt das Bürgerbüro derzeit Extraschichten an drei Samstagen ein.

Es ist Samstagmorgen, kurz nach neun Uhr: Seit gut einer Stunde ist das Ämterhaus schon geöffnet, die ersten 30 Anträge sind bereits abgewickelt und die nächsten Antragsteller sitzen entweder schon im Wartesaal oder trudeln langsam ein. Am Eingang werden sie von Sicherheitsmitarbeiter Leonardo Furco in Empfang genommen: „Guten Morgen. Sie haben einen Termin?“, fragt der 25-Jährige freundlich. „Ja“, antwortet sein Gegenüber skeptisch. „Ihr Name bitte“, möchte Furco wissen. Diesen hakt er auf einer Liste ab und lässt den Mann herein.

Normalerweise stehen am Eingang drei Sicherheitsmitarbeiter, die den Einlass unter der Corona-Schutzverordnung regeln, erklärt Furco. Drei Kollegen gleichzeitig an der Tür zu postieren, sei auch nötig, urteilt er. Denn nicht jeder Bürger habe Verständnis dafür, beim Bürgeramt vor verschlossenen Türen zu stehen und nur mit Termin hineingelassen zu werden. Einige wenige seien sogar sehr beratungsresistent. Immer wieder müsse Furco die Leute freundlich aber bestimmt darum bitten, vor der Tür zu warten, bis er sie auf der Liste abhakt. „Denn wir müssen dafür sorgen, dass sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Wartesaal aufhalten.“ Wer viel zu früh komme, müsse vor der Tür warten.

Im großen Wartesaal selbst sitzen zu dieser Zeit drei Leute, blicken zum Teil noch leicht verschlafen auf den Monitor und warten, dass ihre Nummer aufgerufen wird. Das passiert recht zügig, nahezu im Minutentakt. In der Meldestelle warten die freundlich aufgelegten Mitarbeiter auf die Antragssteller, tauschen Formulare aus, tippen eifrig auf die Tasten.

Von Stress und schlechter Laune sei hier an diesem Vormittag nichts zu spüren, erzählt Sabrina Wendel. Die 28-Jährige hat soeben ihren Personalausweis verlängern lassen. „Der war seit dem 1. Juli abgelaufen.“ Eilig hatte sie es zwar nicht, wollte die Angelegenheit einfach erledigt wissen. Auf einen Termin musste sie nicht lange warten: „Vielleicht waren es zwei Wochen. Ich habe einfach den ersten Termin genommen, der frei war.“ Dass es ausgerechnet dieser Samstag ist, war für sie nicht wichtig.

Für den Lebensgefährten von Angelika Mühlen dagegen schon. Denn der Steuerfachangestellte ist unter der Woche beruflich stark eingebunden, erzählt sie. „Wir versuchen schon lange, einen Termin zu bekommen, seit Mitte Juni, um den Personalausweis zu erneuern.“ Der Vorgang selber dauert dann nur wenige Minuten, sodass das Paar kurz vor halb zehn zufrieden wieder die Meldestelle verlässt.

Abteilungsleiterin Tabitha Henn hat bereits am vergangenen Samstag sehr gute Erfahrungen mit der Extra-Schicht gemacht, die für ihre Kollegen im Übrigen freiwillig sind. Ein Großteil der rund 30 Mitarbeiter habe sich für den Samstagsdienst gemeldet, „denn wir schreiben für uns das Wort Bürgerservice wirklich groß“, betont die Abteilungsleiterin.

Das habe sich auch an der Umstellung einiger Dienste auf digitalem Wege gezeigt. „Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten enorm viele E-Mail-Anfragen erhalten, die wir schnellstmöglich versucht haben abzuarbeiten.“

Aber auch die Umsetzung der Passausgaben im Rathaus oder des Lieferdienstes während der Schließung des Bürgeramtes „war ein enormer logistischer Aufwand“, berichtet Tabitha Henn.  Denn Ausweise, so sagt es der Gesetzgeber, dürften nicht einfach postalisch verschickt werden, sondern müssen nach wie vor persönlich entgegengenommen werden.