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Remscheid: Corona-Krise ist für Vermieter von Ferienwohnungen nicht existenzbedrohend

Urlaub im Bergischen Land : Handwerker buchen Ferienwohnungen

Die Corona-Krise trifft den Fremdenverkehr in Remscheid hart, auch wenn bald die ersten Lockerungen kommen sollen. Ferienwohnungen sind aber nicht so stark betroffen wie Hotels. Das hat unterschiedliche Gründe.

An Christi Himmelfahrt soll es soweit sein: Hotels dürfen dann wieder für touristische Gäste öffnen dürfen – natürlich unter strengen Hygieneauflagen. Ferienwohnungen sollen sogar am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Über zwei Monate haben keine Touristen mehr im Bergischen Land übernachten dürfen, für Geschäftsreisende jedoch war das weiterhin erlaubt. Für die Tourismusbranche im Bergischen, die voriges Jahr eine Rekordzahl an Übernachtungen verzeichnen konnte, sind und waren die Einschränkungen hart. Ohne Touristen gab es kaum Einnahmen für die Hotels.

„Das ist eine sehr schwere Zeit für die Branche. Der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen“, sagt Holger Piwowar, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­eins Ber­gi­sches Land Tou­ris­mus Mar­ke­ting. Er führe gerade sehr viele Gespräche mit Hoteliers, viele seien verzweifelt. Enorme Einbrüche bei den Übernachtungen machen den Hotels zu schaffen, „viele sind in eine finanzielle Schieflage geraten“, sagt Piwowar.

Bei den Ferienwohnungen ist das Bild ambivalenter. Das hat mehrere Gründe. „Die Betreiber der Ferienwohnungen machen das häufig nicht hauptberuflich“, sagt Piwowar. Damit breche mit den Einschränkungen auch nicht der Hauptteil der Einnahmen weg.

So ist es auch bei Familie Hausmann, die in Remscheid eine Ferienwohnung am Hackenberg vermietet. Ihre Wohnung ist aktuell geschlossen, sie nehmen auch keine Geschäftsreisenden auf. Dazu hätten sie sich bewusst entschieden, sagt Klaus-Walter Hausmann. „Wir nutzen die Zeit, um die Wohnung zu renovieren“.

Andere Ferienwohnungen haben weiter geöffnet. Zum Beispiel „Alt-Remscheid“ in der Haddenbacher Straße. „Uns trifft die Corona-Krise nicht sonderlich hart“, sagt Inhaber Peter Lipka. Es kämen primär Geschäftsreisende in seine Ferienwohnung, auch vor der Corona-Krise. Das sei jetzt nicht anders. Handwerker würden weiterhin auf Montage in Remscheid sein. Und da die Ferienwohnung „Alt-Remscheid“ nicht viele Zimmer habe, seien diese auch meistens ausgebucht, sagt Inhaber Lipka. „Remscheid ist nicht das klassische Tourismus-Ziel, wir sind eben nicht an der Ostsee oder im Sauerland“, so Lipka weiter.

In der Ferienwohnung „Alt-Remscheid“ kommen trotz der Corona-Krise weiter Geschäftsreisende unter. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Dabei möchte Holger Piwowar viel dafür tun, dass Remscheid und das Bergische insgesamt für Touristen attraktiver wird. Und dass sich auch mit der Lockerung der Auflagen wieder mehr Gäste für das Städtedreieck entscheiden, um dort ihren Urlaub zu verbringen.

Um das voranzutreiben, will Piwowar, des­sen Ver­ein un­ter der Mar­ke „Die Ber­gi­schen Drei“ für die Tou­ris­mus­för­de­rung in So­lin­gen, Rem­scheid und Wup­per­tal zu­stän­dig ist, eine Bonus-Karte herausbringen. Touristen, die diese Karte bekommen, erhalten Vergünstigungen, zum Beispiel in Gastronomiebetrieben. Die Karte soll für alle Gäste kostenlos sein und dabei helfen, dass die Urlaubssaison 2020 im Bergischen doch noch anlaufen kann. Wenn das passiert, wäre nicht nur den Hoteliers geholfen, sagt Piwowar. Auch die Gastronomien, die ab Montag wieder öffnen dürfen, würden davon profitieren. Ebenso der Einzelhandel. Außerdem soll es eine für Urlauber konzipierte bergische Karte geben, die über einen QR-Code abgerufen werden kann.

Mit höheren Preisen für Übernachtungen rechnet Piwowar indes nicht, man konkurierre ja weiter mit anderen Feriengebieten in Deutschland. Erhöhungen seien demnach unwahrscheinlich.

Außerdem bietet der Verein „Die Bergischen Drei“ einen Service für Unternehmen, die noch nicht Vereinsmitglied sind. Diese müssten nur einen symbolischen Beitrag von einem Euro zahlen, um Mitglied zu werden, sagt Holger Piwowar. Zusammenhalt sei jetzt wichtig. Er betont, dass die Gesundheit weiter höchste Priorität habe. Aber „natürlich haben wir eine große Hoffnung, dass viele einen Tapetenwechsel haben wollen und raus möchten.“ Im Idealfall ins Bergische Land.

Dann könnten sie auch in der Ferienwohnung der Familie Bodynek unterkommen, die in der Franz-Heinrich-Straße in Lennep steht. In den vergangenen Wochen hätten sie einige Absagen gehabt, sagt Stefan Bodynek. Aber für den Juni gebe es auch schon wieder Buchungen. „Wir haben unsere Stammgäste, die jedes Jahr kommen“, sagt Susanne Bodynek. Das sei, Stand jetzt, auch für den Juni geplant. Die jüngsten Absagen seien für die Familie zwar ärgerlich gewesen, erklärt Susanne Bodynek. Aber auch kein Weltuntergang. „Ich bin nebenbei berufstätig“, sagt die Remscheiderin. „Das ist für uns nicht existenzbedrohend.“