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Remscheid: Chancen auf Ausbildung stehen günstig

Wirtschaft in Remscheid : Chancen auf Ausbildung stehen günstig

Auf 100 Bewerber kommen in Remscheid rechnerisch rund 115 Ausbildungsstellen. Vor einem Jahr waren es 100. Die Industrie- und Handelskammer bietet einen digitalen Tag der Ausbildung an.

Über zwei Drittel der Remscheider Betriebe beabsichtigen, trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage mindestens auf dem Niveau des Vorjahres auszubilden. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage der bergischen Industrie- und Handelskammer bei 120 Unternehmen aus der vorigen Woche. „Wir haben bisher nicht einen Fall gehabt, bei dem Unternehmen einen Ausbildungsvertrag wegen Corona gekündigt haben“, sagt Michael Oelkers, Referent für Bildung bei der IHK. Und auch das Vorjahresniveau von zurzeit 500 offenen Lehrstellen für das bergische Städtedreieck sei erreicht. Aus Sicht von Oelkers schlage sich die Corona-Krise nicht drastisch auf den Ausbildungsmarkt nieder.

Die Werkzeugstadt gehört seit ein paar Jahren zu den Städten, in denen es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gibt. Auch in der Corona-Krise werden deshalb Auszubildende dringend gesucht. Laut IHK-Umfrage hat derzeit noch über die Hälfte der befragten Unternehmen einen oder sogar mehrere Ausbildungsplätze frei. Dennoch ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Der jüngsten Erhebung zufolge meldeten in den vergangenen acht Monaten Wirtschaft und Verwaltung der Agentur für Arbeit 633 Ausbildungsstellen für Remscheid. Dies sind 89 Stellen oder 12,3 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Von den 633 gemeldeten Stellen sind aktuell noch 325 Ausbildungsstellen frei, das sind 52 Stellen weniger als im vorigen Jahr.

Bis Mai meldeten sich nach Angaben der Agentur für Arbeit 551 Bewerberinnen und Bewerber wegen ihrer Suche nach einer Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung in Remscheid. Das sind 168 Jugendliche oder 23,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Von allen gemeldeten Bewerbern suchen aktuell noch 227 Jugendliche eine Ausbildungsstelle, das sind 36 (13,7 Prozent) weniger als im letzten Jahr. In Remscheid ist die Relation der Stellen zu Bewerbern im bergischen Städtedreieck am günstigsten. Hier kommen auf 100 Bewerber rechnerisch rund 115 Ausbildungsstellen, vor einem Jahr waren es 100, heißt es in einer Mitteilung. Die Zahlen der Arbeitsagentur und der IHK besitzen eine Unschärfe, weil nicht alle Arbeitgeber ihre Stellen melden.

Nach wie vor konzentrieren sich vier von zehn aller Bewerberinnen und Bewerber aus dem bergischen Städtedreieck bei der Auswahl des Wunschberufes auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe, rund 40 Prozent streben einen Ausbildungsberuf aus der Top 10-Liste an. Auf Platz eins der beliebtesten Ausbildungsberufe junger Frauen steht erneut die Medizinische Fachangestellte, gefolgt von der Kauffrau für Büromanagement und der Kauffrau im Einzelhandel. Junge Männer favorisieren weiterhin eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik, Industriemechaniker, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenführer. Die IHK bietet die Vermittlung von sogenannten passgenauen Stellen an. „Häufig sind nicht unbedingt die Noten entscheidend, sondern die Leidenschaft für den Beruf“, sagt Oelsker. Die Zahl der Unternehmen nehme ab, die in ihr Anforderungsprofil gute Noten in Deutsch und Mathematik verlangen. Das persönliche Gespräch und der Schnuppertag im Betrieb seien für einen Vertrag häufig ausschlaggebender als die Zensuren auf dem Zeugnis.

 Das Ausbildungsjahr 2020 beginnt in wenigen Monaten. Die jüngste Ausbildungsmesse konnte in Remscheid noch kurz vor dem Corona-Ausbruch stattfinden. Um Bewerber und Betriebe kurz vor den Sommerferien zusammenzubringen, veranstaltet die IHK deshalb am 8. Juni einen digitalen „Tag der Ausbildungschance“.