Remscheid: BZI-Chef geht von Bord

Wirtschaft in Remscheid : BZI-Chef geht von Bord

Geschäftsführer Michael Hagemann hat das Bildungszentrum der Metall- und Elektroindustrie verlassen.

Michael Hagemann ist nicht mehr Geschäftsführer des Berufsbildungszentrums der Remscheider Metall- und Elektroindustrie (BZI). Der 48-jährige Wuppertaler hat die Berufsschule und Weiterbildungseinrichtung für nahezu alle Facharbeiter der Branche auf eigenen Wunsch verlassen. Hagemann führt gesundheitliche Gründe an. Den laufenden Ausbau des BZI zu einer der modernsten Facharbeiter-Schulen Deutschlands soll das nicht stoppen. Bei einigen Ausbildern im BZI herrscht dennoch Verunsicherung.

„Es besteht Sorge um den Ruf des BZI“, heißt es in einem Schreiben, das der Zeitung zugespielt wurde. Markus von Dreusche, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes für Remscheid und Umgebung, weist diese Sorge als unbegründet zurück: „Der Neubau geht weiter, im nächsten Jahr steht das Dingen.“

Von Dreusche muss es wissen. Der Arbeitgeberverband (AGV) und die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) sind Gesellschafter der gemeinschaftlich getragenen Bildungseinrichtung an der Wüstenhagener Straße. Im Oktober 2019 begannen sie mit dem Neubau des „Technik-Campus“, im Juni wurde Richtfest gefeiert. In drei Baukörpern entstehen eine neue Metall- und Elektrowerkstatt mit 360 Werkstatt- und 144 Unterweisungsplätzen. Annähernd 16 Millionen Euro soll das Projekt nach damaligen Berechnungen kosten.

Michael Hagemann, der vor zehn Jahren zum Geschäftsführer bestellt wurde, ließ nicht wenig Geld aus den Finanztöpfen in Düsseldorf und Berlin nach Remscheid fließen. „Er war sehr gut in der Akquise von Fördermitteln, er hat einen sehr guten Job gemacht“, sagt Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK. Von dem Neubau des „Technik-Campus BZI“ sprach Hagemann immer voller Begeisterung. Das Großprojekt verlangte dem „täglichen Entscheider des BZI“ aber auch einiges ab. Auch gegenwärtig gibt es Probleme, wie AGV-Chef Markus von Dreusche einräumt. Auf der Baustelle sind die Arbeiter auf Felsen gestoßen, was die Kosten steigen lässt. „Mitte Oktober werden wir einen genauen Überblick darüber haben“, sagt von Dreusche. Doch schon jetzt sei abzusehen: Für das BZI wird mehr Geld gebraucht.

In den nächsten Monaten soll es darum gehen, weitere Fördergelder locker zu machen. Michael Hagemann wird diese Arbeit nicht mehr leisten. Er räume seinen Posten mit Rücksicht auf seine Gesundheit, sagt der 48-Jährige. Mehr mag er nicht sagen. Mit seiner Arbeit zeigt er sich zufrieden: „Ich habe zehn Jahre Gas gegeben für das BZI, ich habe insgesamt 25 Millionen Euro EU-Gelder nach Remscheid geholt und ich habe das Personal und den Umsatz verdoppelt.“

Für den Arbeitgeberverband und die IHK als Gesellschafter tut sich neben dem Rohbau also eine weitere Baustelle auf. Über eine Nachfolge auf dem Chefposten wurde noch nicht entschieden. Vorläufig übernahm Roland Kassen, bisheriger Stellvertreter Hagemanns, die Aufgaben des Geschäftsführers.

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