Remscheid: Buntes Lichtspiel im Kirchenraum

Serie Gotteshäuser: Buntes Lichtspiel im Kirchenraum

In der evangelischen Christuskirche kann man die wunderschönen Fenster des Remscheider Künstlers Gustav Kramer bewundern.

Die Christuskirche an der Burger Straße, gegenüber des Sana-Klinikums gelegen, fällt eher nicht ins Auge. Ein unauffälliger weißer Bau etwas unterhalb des Straßenniveaus, lediglich der Kirchturm ragt in die Höhe, als wollte er sagen: Seht her, hier gibt es auch noch was.

Nein, eine Schönheit ist die Kirche gewiss nicht, zumindest nicht von außen. Denn wer die evangelische Christuskirche betritt, wird von einer Vielzahl hoher und bunter Glasfenster begrüßt, die besonders bei sonnigem Wetter ein echter Hingucker sind und den geräumigen und übersichtlichen Kirchenraum in ein buntes Lichtermeer tauchen.

Die Kirche ist ein moderner und funktionaler Bau – kein Wunder, ist sie doch erst 62 Jahre alt. „Im Zuge der Bevölkerungsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und der anspringenden Wirtschaft gab es in Remscheid mit einem Mal sehr viel mehr Menschen als früher“, sagt Jens Eichner. Der 50-Jährige ist seit achteinhalb Jahren Pfarrer der Christuskirchengemeinde. Eichner blickt zurück: „In den 1950er-Jahren gab es in Alt-Remscheid nur eine evangelische Kirchengemeinde. Weil eben mit einem Mal so viel mehr Menschen – und damit auch Gemeindeglieder – da waren, wurde diese eine Gemeinde in fünf neue Gemeinden aufgeteilt“, erklärt Eichner. Aus der bis dato alleinigen evangelischen Kirchengemeinde Remscheids sind in der Folge die Luthergemeinde, die Stadtkirchengemeinde, die Clarenbachkirchengemeinde, die Johanneskirchengemeinde und eben die Christuskirchengemeinde entstanden.

„Für diese fünf neuen Gemeinden gab es mit der Lutherkirche, der Clarenbachkirche und der Stadtkirche nur drei Kirchen. So mussten neue Gemeindehäuser und Kirchen gebaut werden“, sagt der 50-Jährige, der vor seinem Wechsel nach Remscheid in Wuppertal gewirkt hat und gebürtig aus Radevormwald stammt.

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Im Gegensatz zu heute sei die Burger Straße damals übersichtlicher bebaut gewesen. „Das Gelände, auf dem sich die Kirche befindet, gehörte einem Remscheider Familienbetrieb, einer Schmiede. Es wurde aufgekauft. Am 17. Juli 1955 wurde der Grundstein gelegt“, sagt Eichner. Schon am 5. Oktober weht der Richtkranz über dem Rohbau. „Aber auch in Zeiten des Wirtschaftswunders dauerte es manchmal etwas länger: Es sollte noch über ein Jahr bis zum 18. November 1956 dauern, ehe die Christuskirche mit einem feierlichen Gottesdienst durch den damaligen Präses der evangelischen Kirche im Rheinland eingeweiht wurde“, sagt Eichner.

Die Christuskirchengemeinde umfasst im Remscheider Süden das Gebiet von der Ecke Burger Straße / Güterstraße bis zu den Stadtgrenzen Solingen und Wermelskirchen. „Wir sind mit rund 1700 Gemeindegliedern zudem eine recht kleine Gemeinde“, sagt der Pfarrer. Zwar sei nach einer Strukturreform die Christuskirche nicht mehr seelsorgerisch für das Sana-Klinikum zuständig: „Dafür gibt es eine Kreispfarrstelle, früher war die zweite Pfarrstelle der Christuskirchengemeinde dafür zuständig“, sagt der 50-Jährige. Dennoch gebe es nach wie vor eine enge Beziehung zum Krankenhaus, sowohl bei Patienten als auch beim Personal. Eichner ist glücklich in seiner Christuskirchengemeinde: „Es ist eine funktionierende Gemeinde, in der alle an einem Strang ziehen.“ Gemeinsam könne man viel auf die Beine stellen, sagt der Pfarrer.

Hinzu komme das schöne Innere der Christuskirche, um dessen Entstehung sich eine kleine Anekdote ranke, wie Eichner schmunzelnd erzählt. „Es gibt beim Kirchbau ja über alles Rechnungen, über die Ausstattung, die Handwerker, alles. Nur über die Fenster nicht.“ Gewiss sei nur, dass der Remscheider Künstler und Kommunist Gustav Kramer die Fenster mit biblischen Figuren und Symbolen gestaltet habe. „Kramer wurde als Kommunist im Krieg von den Nazis verfolgt und war im KZ inhaftiert. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1972 in einer ausgebrannten Bürgervilla in der Innenstadt“, sagt Eichner.

Gustav Kramer hat ein künstlerisches Kleinod geschaffen, das vor allem bei sonnigem Wetter wirkt. „Nachmittags, vor allem im Spätsommer oder zu Herbstbeginn, wenn die Sonne in besonderem Winkel steht, dann entsteht durch das weiche Licht, das durch die Fenster hineinfällt, eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Pfarrer Jens Eichner und ergänzt schmunzelnd: „Da ist es fast schade, dass unsere Gottesdienste immer am Vormittag sind.“

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