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Remscheid: Bürgeramt-Termine sind Mangelware

Ämterhaus in Remscheid : Bürgeramt-Termine sind Mangelware

Auf „erhebliche Engpässen im Meldewesen“ weist die Stadt auf ihrer Internetseite hin. Bürger sind verärgert. Mit zusätzlichen Dienstzeiten soll gegengesteuert werden, sagt Tabitha Henn, Leiterin der Meldestelle.

Stefan Pieper ist sauer. Der Vermieter hat neue Mieter für eine Wohnung im Remscheider Westen gefunden. Dumm nur, dass es mit den Meldeunterlagen nicht voran geht. Erst in 37 Tagen gebe es einen freien Termin für die Ummeldung, habe die Stadt seine Mieter wissen lassen. Für Pieper ist das ein Unding. Schließlich seien Mieter sogar verpflichtet, sich innerhalb von 14 Tagen umzumelden.

Tabitha Henn, Leiterin der Meldestelle der Stadt, bestätigt auf BM-Anfrage, dass es aktuell wieder größere Terminprobleme im Ämterhaus gibt. Zwar sei die Personalsituation „nicht ganz so problematisch“ wie im Vorjahr. Dafür ist aber die Nachfrage nach Terminen im Meldewesen im Vergleich deutlich angestiegen. Da in der Meldestelle auch das Thema Zulassungen betreut wird, seien beide Bereiche betroffen.

„Grundsätzlich haben wir ausreichend Personal für unsere Aufgaben“, sagt Henn. Das Problem: Die Arbeit fällt nicht gleichmäßig an. Im Sommer, zur Urlaubszeit, knubbelt es sich, im Winter ist es ruhiger. In der Urlaubszeit wollen aber auch die Mitarbeiter der Stadt verreisen. Sie könne das nicht allen versagen und nur im Winter Urlaub genehmigen, sagt Henn.

Um gegenzusteuern hat das Bürgeramt vor drei Monaten all jene Bürger angeschrieben, deren Ausweise ablaufen. Die Idee: So haben diese Zeit, sich mit ausreichend Vorlauf einen freien Termin zu sichern. Die Reaktion war allerdings überschaubar. Es dominiert vielmehr weiterhin der typische Fall. Kurz vor dem Urlaub merken die Remscheider, dass ihre Papiere nicht mehr gültig sind – und bekommen kurzfristig keinen freien Termin mehr.

Als eine Reaktion auf die hohe Nachfrage hat die Stadt zuletzt an einem Mittwochnachmittag, an dem das Amt üblicherweise geschlossen hat, zusätzliche 100 Termine angeboten. Mitte Juni soll das wiederholt werden (siehe Infokasten).

Zudem werden täglich immer wieder frei werdende Termine für die Online-Buchung freigeschaltet. Für den Kunden bedeute das allerdings, dass er flexibel sein muss, um kurzfristig einzuspringen, weiß Henn um die Nachteile dieses Angebots.

Sie appelliert vor dem Hintergrund der großen Nachfrage an alle Bürger, die einen Termin haben, ihn aber nicht wahrnehmen können oder wollen, diesen abzusagen. So verfällt er nicht, kann von anderen Bürgern genutzt werden.

Obwohl die Terminknappheit oft für eine gereizte Stimmung der Kunden sorgt und die Mitarbeiter sich einigen Frust anhören dürfen, sei das Bürgeramt eine beliebte Ausbildungsstation. „Die Azubis arbeiten gerne hier.“ Wer aber Karriere machen will bei der Stadtverwaltung, bewirbt sich oft auf Stellen in anderen Ämtern. Neue Mitarbeiter müssen angelernt werden. Darum ist Tabitha Henn froh, dass eine Kollegin, die im Mutterschutz ist, bald mit zehn Wochenstunden den Wiedereinstieg vollzieht. Das bedeutet, dass das Bürgeramt wieder mehr Termine anbieten kann.

Für die Mieter von Stefan Pieper hat sie zumindest eine gute Nachricht. Dass sie sich nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von 14 Tagen umgemeldet haben, wird keine Konsequenzen haben. Die Stadt hat wegen der Terminprobleme die Frist für die sonst fälligen Ordnungswidrigkeitsbescheide deutlich verlängert.