Remscheid: Brautkleid unterm Hammer

Versteigerung in Remscheid : Brautkleid unterm Hammer

Auf die etwa hundert Besucher der Versteigerung im Ämterhaus warteten Dinge wie Fahrräder, Handtaschen, Rucksäcke und Regenschirme, ein Karton voller Lesebrillen, Uhren, Ringe, Goldkettchen und auch E-Books.

Fahrräder, Handtaschen, Rucksäcke und Regenschirme, einen Karton voller Lesebrillen, Uhren, Ringe, Goldkettchen, E-Books, Drohnen und ein Brautkleid kamen am Freitag bei der Fundsachenversteigerung der Stadt unter den Hammer. Rund 100 Männer und Frauen wohnten der Auktion bei und boten heiter für die vergessenen und verlorenen Objekte anderer mit.

Einmal im Jahr mutiert Fundbüroleiter Jürgen Volle zum Vollblut-Auktionator: Um Platz im Fundbüro zu schaffen, werden alle Gegenstände, die binnen eines halben Jahres nicht von seinen rechtmäßigen Besitzern reklamiert und abgeholt werden, öffentlich versteigert. Das freut sowohl die Hobby-Bieter als auch die Stadt: Die einen ergattern gut erhaltene Dinge zum Schnäppchenpreis, die anderen schaffen Platz und verbessern die Stadtkasse.

Damit die Auktion reibungslos funktioniert – in diesem Jahr erstmals im Ämterhaus – erklärte Volle vor Beginn die Spielregeln: Bei der Fundsachenversteigerung gibt es keine Garantie und kein Rückgaberecht. Wer etwas ersteigert, muss es direkt im Anschluss bezahlen, und zwar bar. Die meisten Auktionen starteten bei einem Euro, besonders wertvolle Gegenstände auch mal bei fünf Euro oder mehr.

Dann ging es auch schon mit dem ersten Fahrrad los: „Wer bietet einen Euro?“, fragte Volle gekonnt und schaute erwartungsvoll in die Menge. Niemand schien der Erste sein zu wollen, also musste der Auktionator seinen Charme spielen lassen: „Ach kommen Sie schon, für einen Euro wird doch wohl irgendjemand dieses Fahrrad mitnehmen wollen?“ Bei diesem einen Euro blieb es am Ende natürlich nicht. Die ersten 15 Euro gingen in die Stadtkasse und ein Herr freute sich über ein halbwegs roll-fähiges Zweirad. Zwischen zehn und über 300 Euro brachte jedes der zahlreichen Fahrräder ein.

Es ging Schlag auf Schlag weiter, und es kam immer wieder zu spannenden Gebots-Gefechten und merkwürdigen Fundsachen: Ein nagelneues Brautkleid und ein weißes Markenhemd ergatterte ein junges Paar für 21 Euro. Der 28-jährige Falk räumte gleich zu Beginn zwei voll bepackte Taschen ab, ein lederner Rucksack, in dessen inneres sich unter anderem ein aufreizendes Nachthemd verbarg und eine größere Handtasche der Marke Liebeskind, vollgepackt mit allerlei Krimskrams: „Eigentlich wollte ich ein Fahrrad kaufen“, erzählte der etwas über zwei Meter große Solinger. Doch da nichts Passendes für ihn dabei war, shoppte er freudig für seine Lebensgefährtin.

„Ich fand die Taschen schön, also habe ich mitgeboten.“ Den Inhalt würde er sich später zu Hause mit seiner Freundin anschauen. Um sich selbst nicht in den Ruin zu treiben, hätte er sich im Vorfeld Grenzen gesetzt, berichtet er. Für eine der Taschen, die am Ende Falk absahnte, hatte auch die 49-jährigen Nicole mitgeboten. „Die Liebeskind-Tasche hat er mir weggeschnappt“, erzählte die Remscheiderin amüsiert. „Doch mehr als 35 Euro war sie mir doch nicht wert, zumal ich nicht mal weiß, ob sie echt ist.“ Die Fundsachenversteigerung besucht sie nun schon zum zweiten Mal. „Weil es einfach Spaß macht und immer gute Schnäppchen dabei sind.“ An diesem Tag ersteigerte sie für ein paar Euro einen Gehstock für ihren Sohn. „Der hat demnächst Mottotage an der Schule, da passt der ganz gut.“