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Remscheid: Blitzschnelle Soforthilfe

Bergische Wirtschaft : Blitzschnelle Soforthilfe

Die Industrie- und Handelskammer hat die unbürokratische Unterstützung von Land und Bund gelobt.

Um 15 Uhr saß Simon Riesebeck am Freitag vor zwei Wochen am Computer. Sein Ziel: die Soforthilfe von Land und Bund für Solo- und Kleinunternehmen. „Am Anfang gab es Serverprobleme, weil so viele gleichzeitig ihren Antrag stellen wollten. Insgesamt hat es aber super geklappt“, erklärt der Miteigentümer und Geschäftsführer der ErlebBar. Bereits am darauffolgenden Montag waren die 9000 Euro, die die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Krise für sein Geschäft dämpfen sollen, bei ihm angekommen.

Ähnliche Erfahrungen machen derzeit viele Unternehmer in der Region. Im Regierungsbezirk Düsseldorf, zu dem Remscheid und Solingen gehören, wurden bislang rund 130.000 Anträge genehmigt. Weitere 5879 befinden sich in Bearbeitung, und 1998 sind noch nicht gesichtet. 80 Mitarbeiter sind derzeit mit der Prüfung befasst – zu Spitzenzeiten waren es 350, erklärt Silke Schirmer. Sie ist Sprecherin der Bezirksregierung.

Lob erhalten die Verantwortlichen für die rasche Hilfe von der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). „Dass sich Land und Bund so schnell auf ein Verfahren geeinigt haben und dafür eine digitale Plattform geschaffen wurde, ist eigentlich unglaublich“, sagt Thomas Grigutsch. Er ist bei der Bergischen IHK für Starthilfe und Unternehmensförderung zuständig. Das Verfahren sei „extrem unbürokratisch“. Binnen 48 Stunden werde die Soforthilfe in der Regel bewilligt, innerhalb von fünf Tagen erfolge die Auszahlung.

Wegen der technischen Probleme zu Beginn der Online-Beantragung warten jedoch einige Unternehmen noch auf ihr Geld, erklärt Grigutsch: „Es gab leichte Startschwierigkeiten. Deshalb haben manche Unternehmer mehrere Anträge gestellt. Die doppelten müssen nun per Hand aussortiert werden.“ Das Problem betreffe rund zehn Prozent der Antragsteller, deren Auszahlung sich hinzieht.

Die Höhe der Soforthilfe richtet sich nach der Mitarbeiterzahl eines Unternehmens. Ausschlaggebend sind die Vollzeitäquivalente. Das bedeutet: Arbeiten in einer Firma beispielsweise zehn Halbtagskräfte, entspricht das fünf Vollzeitäquivalenten. Für Unternehmen mit bis zu fünf Vollzeitäquivalenten gibt es 9000 Euro Soforthilfe, für solche mit sechs bis zehn 15.000 und auf Betriebe mit elf bis 50 Beschäftigten warten 25.000 Euro. Vier Vollzeitäquivalente arbeiten derzeit in der ErlebBar, verrät Simon Riesebeck. Die Soforthilfe fließt in seinem Betrieb in die laufenden Kosten: Miete, Mitarbeiter, Nebenkosten. „Uns hilft die Unterstützung sehr dabei, nach der Krise wieder eröffnen zu können“, sagt Riesebeck. Alle Angestellten sollen an Bord bleiben.

Trotz der Finanzspritze sei es wichtig, auch während der Krise andere Einnahmequellen zu generieren, betont der Geschäftsführer. „Man muss kreativ werden und die eigenen Kräfte bündeln.“ So vertreibt der Remscheider Gastronomiebetrieb Kaffee im Internet, verkauft Gutscheine und bietet online Bingo-Runden an.

Wenngleich bereits viele Unternehmen von dem Programm profitiert haben, fallen manche durchs Raster. „Stichtag ist der 31. Dezember 2019. Wer seine Firma danach gegründet hat, erhält den Zuschuss bislang nicht“, erklärt Thomas Grigutsch. Derzeit werde eine Lösung auch für diese Gruppe erarbeitet. „Das ist dringend notwendig, denn häufig haben die Gründer hohe Summen investiert.“ Im Bereich der Bergischen IHK sei eine niedrige dreistellige Zahl an Unternehmen davon betroffen, schätzt der Volkswirt.

Keine Soforthilfe hat in Absprache mit Experten Elena Böcker beantragt. Mit Traufräulein, ihrer Agentur für Hochzeitsplanung und freie Trauungen in Remscheid, erfüllt sie formal einige Voraussetzungen für die Förderung nicht. „Die Hochzeiten werden nicht abgesagt, sondern verschoben. Zudem arbeite ich von zu Hause aus und habe deswegen keine Mietausgaben für meine Firma“, erklärt Böcker.

Ein weiterer Aspekt: Ihre Einnahmen sind im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr nicht besonders stark eingebrochen, da ihr Geschäft im Frühjahr erst Fahrt aufnimmt. Trotzdem spürt sie die Corona-Krise freilich, Einnahmen bleiben zunächst aus, die Verschiebungen sorgen trotzdem für viel Arbeit.

„Die Situation ist wirklich schwierig“, sagt Böcker. Acht Trauungen habe sie bislang verschieben müssen, einige Paare hoffen noch, ihren geplanten Termin einhalten zu können. „Was nach Ostern von der Politik entschieden wird, ist für uns ganz entscheidend“, sagt die Gründerin.

Dieser Aussage können wohl die meisten Unternehmer nur zustimmen.