Remscheid: Bewährungsstrafe für Messerangriff

Prozess in Wuppertal : Bewährungsstrafe für Messerangriff

Er sprach so leise, dass man ihn auch mit einem Mikrofon kaum verstehen konnte. Auch sonst wirkte der 22-Jährige, der seine Freundin im Juni 2019 mit einem Messerstich schwer verletzt hatte, eher zurückhaltend.

Von Reue geplagt, ließ er das Gericht wissen, dass die 19-Jährige seine „große Liebe“ gewesen sei. Das Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung.

Für die junge Frau habe er seine Fußballkarriere an den Nagel gehängt. „Da ging nur entweder A oder B“, erinnerte sich der Angeklagte. Als 16-Jähriger habe er seine damals 14 Jahre alte Freundin kennengelernt und der habe es nicht gefallen, ihn mit seinem Sport teilen zu müssen. So habe er unter anderem in Leverkusen gespielt und bei einer türkischen Erstliga-Mannschaft ein Probetraining absolviert, während die Freundin mit seiner Abwesenheit gehadert habe. „Fußball war mein Traum, mit der Beziehung ist das kaputtgegangen“, schilderte der Angeklagte seine Lage. Beruflich habe er sich neu orientiert und bei einem Wachdienst gearbeitet, für den er unter anderem beim Auswärtigen Amt in Bonn und beim Düsseldorfer Landtag gearbeitet habe.

Von dort sei er am Tattag nach Remscheid zur Freundin gefahren, nachdem ihm Bekannte gesagt hatten, dass sich die 19-Jährige bei einer Dating-App angemeldet habe. Dass die junge Frau ihn nicht in die Wohnung lassen wollte, konnte er nicht akzeptieren. Er stieg durchs Küchenfester ein, stellte das spätere Opfer zur Rede und nachdem ihm die Freundin gesagt hatte, dass ihn das alles nichts mehr angehe, griff er zum Küchenmesser. Polizeibeamte griffen ihn später in der Nähe des Supermarktes auf, in den die Frau geflohen war. Seinen unbekleideten Oberkörper erklärte er den Beamten damit, dass er mit dem T-Shirt deren Blutung habe stillen wollen.

Durch fünf Beziehungsjahre hindurch waren der Angeklagte und seine Freundin stetig vom On-Modus in den Off-Modus gewechselt – zum Tatzeitpunkt hatte man sich mal wieder getrennt. Dass sie häufig fremdgegangen sei, hatte die 19-Jährige bereits am ersten Verhandlungstag erzählt. Beinahe 800 Seiten voller WhatsApp-Nachrichten allein aus 2019 ließen deutlich werden, wie sehr der Angeklagte unter den Verletzungen gelitten hatte. Die Ermittler ließen einen Dolmetscher eine Zusammenfassung fertigen. Darin ist nachzulesen, dass man sich immer wieder gestritten, aber auch wieder versöhnt habe.

In der Ambivalenz der Gefühle sieht das Gericht noch immer die größte Gefahr für den Angeklagten. In der Vergangenheit nie durch aggressives Verhalten aufgefallen, hatte er die Freundin nach deren Seitensprüngen in den Nachrichten übel beschimpft. Die junge Frau hatte das Gericht wissen lassen, dass sie geglaubt habe, sie habe diese Anfeindungen wegen ihrer Untreue verdient. Dort hatte sie auch erzählt, dass sie darauf gehofft habe, dass Bekannte dem Angeklagten von ihrer Anmeldung bei der Dating-App berichten würden. Bei ihrer Vernehmung im Zeugenstand war offenkundig, dass sie sich noch immer mit dem 22-Jährigen verbunden fühlt. Dessen Anwalt stellte klar, dass man sich intensiv zu diesem Thema besprochen habe und sich der Angeklagte nun definitiv neu orientieren wolle.