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Remscheid: Bergischer Frieden made in Wuppertal

Ansichtssache in Remscheid : Bergischer Frieden made in Wuppertal

Im DOC-Poker bleibt der große Nachbar und Regionale-Partner Wuppertal trotz aller Lippenbekenntnisse weiterhin unberechenbar.

Wenn Hoffnungen enttäuscht werden, tut das immer weh. Vor allem, wenn es um große Ziele geht. Insofern ist die Enttäuschung von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) über die jüngste Wende im Outlet-Poker mit Wuppertal nachzuvollziehen. Für das geplante Millionen-Projekt in Lennep wäre ein Klageverzicht des Nachbarn ein wichtiges Signal.

Nüchtern betrachtet und nach dem Studium der Unterlagen, die die Stadt Wuppertal ihrem Rat vorgelegt hat, kann man allerdings zu dem Schluss kommen, dass beim Thema wechselseitiger Klageverzicht in Remscheid vor allem der Wunsch Vater des Gedankens ist.

Denn aus der Perspektive des Oberzentrums Wuppertal, das sich für den Nabel des Städtedreiecks hält, gibt es wenig Grund, dem Lenneper DOC nach dem Scheitern der eigenen Pläne keine Steine mehr in den Weg zu legen. Mit dem möglichen Umzug der Stadtwerke-Zentrale in die Bundesbahndirektion am Döppersberg hätte man den problematischen Leerstand im eigenen Schlüsselprojekt beendet. Dass dort kein FOC entsteht, könnte die Schockstarre im Elberfelder Einzelhandel endlich lösen. Warum also den Remscheidern noch etwas Gutes tun? Schließlich hat man sein Problem ja ganz alleine gelöst.

Und der in der Klage behauptete, nicht bewiesene Schaden, den das Lenneper DOC angeblich dem Wuppertaler Handel zufügen könnte, ist ja auch nicht plötzlich verschwunden, nur weil man selber kein FOC gleich neben der eigenen Innenstadt baut. Das ist zugleich verquer gedacht und in sich auch wieder logisch, wenn man die Welt durch die Augen einer Anwaltskanzlei sieht.

Das Papier, das die Wuppertaler Stadtverwaltung dem Rat vor Abstimmung über den von CDU, Grünen und FDP vorgeschlagenen Klageverzicht vorgelegt hat, soll dem Rat offenbar Angst machen. Das zeigt ein Passus, der mögliche Verstöße gegen die Vorgaben des Stärkungspaktes des Landes beschreibt.

Am Freitagnachmittag nahmen die Unterzeichner dieser Ratsvorlage, OB Andreas Mucke und Stadtdirektor Johannes Slawig, per Pressemitteilung wieder etwas Dampf aus dem Kessel. Motto: Man sei weiter an einem „bergischen Frieden“ interessiert, wolle den Schritt des Klageverzichts nur gründlich prüfen. Das Spiel mit den Remscheider Hoffnungen geht weiter.