Remscheid: Behutsame Fürsorge für die Kultur

Kulturpolitik in Remscheid: Behutsame Fürsorge für die Kultur

Im Austausch von Argumenten und Eindrücken will Kulturdezernent Sven Wiertz Lösungen finden. Er ist kein Mann einsamer Entscheidungen.

Vor fast einem Jahr hat Sven Wiertz das Amt des Kulturdezernenten der Stadt übernommen. In der Riege der vier Beigeordneten plus Oberbürgermeister verkörperte er die einzige Persönlichkeit in der Stadtspitze, der dieses Amt zuzutrauen war. Als Kulturpolitiker hatte der Sozialdemokrat Wiertz bis dato zwar nicht groß von sich reden gemacht. Aber die Linien der Remscheider Kulturpolitik – Sanierung des Teo Otto Theaters, Entwicklung der beiden Museen, Neuaufstellung der Musik- und Kunstschule sowie Erhalt der Bergischen Symphoniker – sind ihm als Kämmerer und früherer persönlicher Referent unter Oberbürgermeisterin Beate Wilding vertraut.

An manchen Entscheidungen hat er im Hintergrund mitgearbeitet. Sein damaliges Interesse, selber Direktor des Deutschen Werkmuseums zu werden, hat die Wahl für dieses Amt befördert. Kultur ist für Wiertz kein unbekanntes Gelände. Das wird an vielen kleinen Beispielen sichtbar. Wenn der Bergische Geschichtsverein eine neue Publikation in seinem Büro vorstellt, hat Wiertz den Band gelesen und mit vielen Anmerkungen versehen. Aus Interesse, aus Leidenschaft. Nach einem Jahr im Amt zeichnet sich ab, dass die Kultur sich behutsamer Fürsorge erfreuen kann.

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Die Besetzung der Theaterleitung ist beim Start ins Amt gleich missglückt. Wiertz und die Stadt sind auf eine Frau hereingefallen, die sich in einem Gestrüpp aus Anspruch und Überschätzung verirrt hatte. Doch an der Art und Weise, wie Wiertz den Auswahlprozess moderierte, zeigt sich sein Amtsverständnis. Er gehört nicht zu den Männern, die einsam entscheiden. Er sucht das Gespräch. Im Austausch von Argumenten und Eindrücken will er die besten Lösungen finden. Sein über Jahre gebildeter politischer Instinkt lässt ihn nur selten im Stich, wenn es darum geht, Mehrheiten zu organisieren. Das kann der Kultur nur guttun. Denn der Kulturdezernent Wiertz wird keine Vorschläge unterbreiten, die der Kämmerer Wiertz nicht genehmigen kann.

Was wird aus dem Historischen Zentrum? Wie entwickelt sich das Röntgen-Museum? Hat die Stadtbücherei eine Zukunft? Bleibt das Orchester erhalten? Gewinnt das Teo Otto Theater neues Profil? Alles Fragen, die Wiertz und die Politik in den nächsten Jahren beantworten müssen. Dem kann man mit verhaltenem Optimismus entgegensehen.

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