Remscheid: Aufzüge sorgen für Ärger

Bahnhöfe in Remscheid : Aufzüge sorgen für Ärger

Die Aufzüge an den Remscheider Bahnhöfen werden zum Problem, denn sie sind häufig defekt – auch aufgrund von Vandalismus. Leidtragende sind Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit schweren Koffern und Gehbehinderte.

Sie muss mit ihrer Schwester, die im Rollstuhl sitzt, dringend zu einem Facharzt nach Münster. Doch vor dem Aufzug am Bahnhof endet die Reise für die Remscheiderin bereits, bevor sie überhaupt begonnen hat: Der Fahrstuhl ist defekt. Bei der Service-Hotline rät man ihr: „Suchen Sie sich vor Ort Hilfe und tragen Sie Ihre Schwester im Rollstuhl die Treppen hinunter, dann können Sie auch in den Zug einsteigen.“

Von diesem Beispiel berichtet nicht nur die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Friederike Pohl. Immer wieder schlagen die Wellen im sozialen Netzwerk Facebook hoch. Und nun ist es wieder soweit: Der Aufzug am S 7-Bahnhalt Lennep ist defekt. Leidtragende sind Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit schweren Koffern und Gehbehinderte. Das Steuerelement des Fahrstuhls ist defekt. Das entsprechende Ersatzteil sei „längst bestellt“, erklärt Thorsten Nehring, Sprecher der Deutschen Bahn AG, auf Nachfrage. Denn die Deutsche Bahn selbst habe diese Teile nicht auf Lager. Der Konzern bestelle sie beim Aufzughersteller oder bei einer Servicefirma. Und die seien rar und hätten oft Lieferengpässe. „Es ist uns aktuell leider kein Liefertermin bekannt“, gibt Nehring zu: „Wir hoffen, dass der Aufzug zeitnah repariert werden kann.“ Ein Aufkleber weist Reisende des S-7-Bahnhaltes in Lennep darauf hin. 2500 Menschen steigen hier täglich in die Züge des privaten Unternehmens Abellio ein oder aus.

Am Hauptbahnhof, an dem der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr täglich 4100 Ein- und Aussteigende zählt, hat die Bahn den Aufzug gerade provisorisch wieder in Betrieb genommen. Die Techniker hätten grünes Licht gegeben für eine vorübergehende Nutzung, sagt Nehring. Eigentlich ist aber auch dieser Aufzug defekt. Die Bahn-Prüfer, die regelmäßig Bahnhöfe abgingen, haben einen Mangel im Antrieb festgestellt. Auch hier sei das Ersatzteil bereits bestellt. Nehring zufolge soll es im Sommer geliefert werden. Weil der Aufzug auch außen instandgesetzt wird, ist er zudem derzeit eingerüstet. Der Bahn-Sprecher betont: Der Aufzug am Bahnhof habe kein Sicherheitsproblem. Auch wenn er einmal stehen bleiben sollte – der Fahrstuhl werde elektronisch überwacht. Bei einem Stillstand liefe sofort ein Alarm in der Überwachungszentrale auf.

Ein großes Problem, warum die Aufzüge immer mal wieder ausfallen, sei zum einen die anfällige Technik, zum anderen aber auch Vandalismus, erklärt der Bahn-Sprecher. Auch wenn Remscheid in diesem Sinne kein besonders heißes Pflaster sei. Nehring betont: „Auch wir ärgern uns sehr über die immer wieder ausfallenden Aufzüge.“

„Das Problem ist der verflixte Vandalismus“, sagt auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), der in der Vergangenheit selbst schon des Öfteren bei der Bahn nachgehakt hat: „Ich ärgere mich tierisch darüber.“ Denn die Zerstörer beeinträchtigten mit einer gewissen Arroganz bewusst Eltern mit Kinderwagen und Gehbehinderte in ihrem täglichen Leben.

„Für die betroffenen Menschen bedeutet ein defekter Aufzug eine Lebenseinschränkung“, sagt auch Friederike Pohl. „Die Deutsche Bahn hat dafür zu sorgen, dass ihre Anlagen funktionieren. Das kann es doch langsam nicht mehr sein“, ärgert sich die Vorsitzende des Behindertenbeirats.

Auch der Betreiber der S 7-Strecke, das private Unternehmen Abellio, ist nicht gerade erfreut über die regelmäßigen Aufzugausfälle. „Es gehen sehr viele Beschwerden bei uns ein“, sagt Sprecherin Julia Limia y Campos. Aber da Abellio nur der Streckenbetreiber sei, leite man die Kritik an die Deutsche Bahn weiter.

„Unsere Kundenbetreuer helfen mobilitätseingeschränkten Personen natürlich gerne weiter – aber auf eigenes Risiko“, sagt Julia Limia y Campos. Das geschehe meist unkompliziert auf dem kleinen Dienstweg.