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Remscheid: Auf der Suche nach seinem Lebensretter

Remscheider half in der Not : Auf der Suche nach seinem Lebensretter

Der Remscheider Lothar Schwengbeck brach vor zwei Wochen im Bus zusammen. Ein unbekannter Mann half dem Diabetiker in der lebensbedrohlichen Situation. Nun sucht der 62-Jährige seinen Retter, um sich zu bedanken.

Die voll besetzte 655 steuert auf den Zentralpunkt zu. In diesem Moment merkt Fahrgast Lothar Schwengbeck, dass seine Beine schwach werden. Er will ein Stück Traubenzucker aus seiner Tasche ziehen – doch dazu kommt er nicht mehr. Auf der Bismarckstraße kippt der 62-jährige Remscheider vom Notsitz nach vorne in den Gang. Er ist bewusstlos.

„Ich habe noch mitbekommen, wie ein Mann schrie, der Busfahrer solle den Bus anhalten“, sagt Lothar Schwengbeck. Was Busfahrer Michael Peucker (55) auch sofort tat. In der Unterführung an der Bismarckstraße blieb die 655 stehen. Peucker und der unbekannte Mann brachten den kollabierten Fahrgast in eine stabile Seitenlage. Er habe zwar einiges um sich herum gehört, konnte sich aber weder bewegen noch äußern, sagt Schwengbeck. Die Diagnose: Zuckerschock. Der 62-Jährige ist Diabetiker. „Mein Lebensretter hat dann schnell meine Notfallspritze aus meiner Tasche gezogen und sie mir verabreicht.“

Die anderen Fahrgäste seien unruhig geworden, manche hätten sich beschwert, der Bus solle endlich weiterfahren. „Das war für mich eigentlich das Schlimmste in der Situation“, sagt Busfahrer Michael Peucker. Eine Frau habe sich gar darüber aufgeregt, dass der Kollabierte sie im Fall touchiert habe. Doch der unbekannte Mann habe die anderen Fahrgäste angeraunzt und Verständnis für den hilflosen Lothar Schwengbeck gefordert. Busfahrer Michael Peucker bat dann den Fahrer des nächsten 655-Busses, seine Fahrgäste mitzunehmen und verschloss die Tür seines Wagens. Das Gezeter von Autofahrern, weil der Bus teilweise die Straße versperrte, war ihm egal. „Ich habe eine Verantwortung für all diejenigen, die hinter mir sitzen. Natürlich hilft man sofort, egal, was passiert“, sagt Peucker, der seit acht Jahren Busfahrer bei den Stadtwerken Remscheid ist.

„Der unbekannte Mann kannte sich offenbar mit Diabetes aus. Er hat auch sofort Ihren Blutzuckerwert gemessen“, erzählt Michael Peucker beim Treffen mit Lothar Schwengbeck auf dem Ebert-Platz. Hier bedankte sich der 62-Jährige am Dienstag bei dem 55-Jährigen, den viele als „Lolli-Busfahrer“ kennen. Denn der versüßt vor allem Kindern oft die Fahrt mit Gummibärchen oder mit Schoko-Nikoläusen zu Weihnachten, bezahlt aus der eigenen Tasche. „Ich bin froh, dass es Ihnen jetzt wieder besser geht“, sagt Peucker zu Schwengbeck: „Sie waren im Bus sogar dreimal weg.“

Eine Woche lang musste Lothar Schwengbeck im Sana-Klinikum bleiben, bis er wieder fit war. Selbst die Ärzte hätten die super Vorarbeit des Lebensretters in der Notfallsituation gelobt. Allen anderen möchte der Remscheider sagen: „Jeder sollte einen Erste-Hilfe-Kurs machen, nicht nur, wenn er den Führerschein macht.“ Gemeinsam mit der Zeitung und den Stadtwerken Remscheid sucht Lothar Schwengbeck nun seinen Lebensretter. „Wenn dieser Mann nicht gewesen wäre, wäre ich nicht mehr“, betont der 62-Jährige, der im Südbezirk lebt.

Gesucht wird ein etwa 40 bis 45 Jahre alter Mann, der am Mittwoch, 3. Juni, gegen 10 Uhr mit der Linie 655 in Richtung Ebert-Platz fuhr. Er soll am Zentralpunkt eingestiegen sein. Busfahrer Michael Peucker beschreibt den Lebensretter als „bärenstarken Mann“, „breit gebaut“, mit lichtem Haar und blauem Hemd. Außerdem scheint der Mann selbst Diabetiker zu sein. Auch ein Aufruf in der Facebook-Gruppe „Remscheider unter Remscheidern“ brachte bislang keinen Erfolg.

Daher: Lieber Lebensretter, wer sind Sie? Lothar Schwengbeck möchte sich persönlich bei dem Mann bedanken, der dafür gesorgt hat, dass er seine Tochter wieder in die Arme schließen kann. „Ich habe großen Respekt vor dem Mann“, sagt er.