Remscheid: Armlehnen vom Knösterpitter

Wirtschaft in Remscheid : Armlehnen vom Knösterpitter

Michael Krüger baut in seiner Werkstatt in Lennep Auto-Armlehnen für die Fahrertür. Sechs Jahre lang hat er das Produkt entwickelt und optimiert – sehr zur Freude vieler Autofahrer.

Michael Krüger nimmt die Spraydose zur Hand. Die Schablone liegt bereits auf der großen, festen Schaumstoffplatte, auf die er vorsichtig die rote Signalfarbe aufbringt. „Das werden die Seitenteile der Armlehne“, erklärt er. Früher hat er die Umrisse mit einem Filzstift aufwendig aufgemalt. Das Verfahren hat er inzwischen optimiert. Und das gilt für die meisten Produktionsschritte, die Krüger in der kleinen Lenneper Manufaktur in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Die beiden Sägen hat er selbst gebaut – mit Brotmessern, weil die sich am besten für den festen Schaumstoff eignen. Die Stanzplatten für das Leder hat er selbst gezeichnet und sich dann bauen lassen. In eine Plexiglasplatte hat er in Handarbeit kleine Nägel geschlagen. Auch diese Platte landet am Ende mit dem Leder in der Stanze, um die Löcher für die Naht vorzubereiten, die er schließlich per Hand erledigt.

Sechs Jahre lang hat Michael Krüger entwickelt und optimiert, bis er zufrieden war. Seit dem vergangenen Jahr verkauft er Krügers Armlehne in ganz Europa – ohne einmal Werbung zu machen, hat er bereits 200 Stück verschickt. „Viele Menschen scheinen das gleiche Problem zu haben wie ich damals“, sagt er und erzählt von jenem Moment, als er ein neues Auto kaufte und sich die Fahrertür als zu niedrig entpuppte, um entspannt den Arm auf die Lehne und die linke Hand ans Steuer zu legen.

„Ich bin Baukoordinator für Mobilfunk“, erklärt er, „das bedeutet: Ich war damals 50.000 Kilometer im Jahr auf der Straße.“ Entsprechend wichtig sei es ihm gewesen, dass die Voraussetzungen im Auto seinen Bedürfnissen entsprechen. Damals machte er sich im Internet auf die Suche nach einer Armlehnenerhöhung. „Ich dachte, sowas muss es doch geben. Dieses Problem haben doch sicher viele“, sagt er. Aber das Internet hatte keine Lösung für das Problem.

Damals begann er selbst zu bauen. Er sei schon immer der Tüftlertyp gewesen, der in der Werkstatt gebaut und ausprobiert habe, sagt er. Aber die Armlehne wurde zur Herausforderung. Fürs erste brachte er eine provisorische Lösung für sein Auto auf den Weg. „Das sah schrecklich aus“, sagt er lachend. Aber es funktionierte. Und die Idee ließ ihn nicht mehr los.

Er holte sich Rat in der Änderungsschneiderei und beim Sattler für die Verarbeitung des Leders, fand schließlich den richtigen Verbundschaumstoff, der fest genug war, um dem Arm auf der Lehne genug Widerstand leisten zu können und nicht einzusacken. Und schließlich fand er auch das richtige Werkzeug, um Schaumstoff und Leder zu verarbeiten.

Inzwischen sitzt jeder Handgriff: 2017 hat er das Design für sein Produkt beantragt – das mit dem Patent vergleichbar ist. Er baut die Armlehnen in drei Höhen, so dass Autofahrer fünf, acht und zehn Zentimeter überwinden können. Mit einer starken Klebeleiste wird die Armlehne auf der Fahrertür angebracht. „Unverwüstlich und dank des Designs und des schwarzen Leders trotzdem unauffällig“, sagt er. Sollte die Anfrage steigen, hat er schon Pläne zur weiteren Optimierung der Produktion in der Schublade liegen.

An einer Wäscheleine hängen diverse Schablonen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Die Armlehnen sind in verschiedenen Höhen lieferbar. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Bis dahin freut sich Michael Krüger über jeden Kunden, der den Weg zu ihm findet. „Nicht, weil ich damit reich werden will“, sagt er, „sondern weil das einfach mein Baby ist.“ Und irgendwie gefalle ihm der Gedanke, dass Menschen auf der Suche nach einer Lösung bei ihm fündig werden.

Mehr von RP ONLINE