1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Anklage wegen Zuhälterei

Remscheider hatte die Ermittlungen der Polizei ins Rollen gebracht : Anklage wegen Zuhälterei

Wegen Zwangsprostitution und Zuhälterei müssen sich derzeit zwei Wuppertaler vor dem dortigen Landgericht verantworten.

Die Angeklagten sollen eine 16-Jährige und eine 18-Jährige dazu gezwungen haben, für sie „anschaffen“ zu gehen, um von den Einnahmen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei sollen sie nach der „Loverboy-Masche“ vorgegangen sein und den beiden jungen Frauen vorgegaukelt haben, eine Beziehung mit ihnen zu führen. Zur Kundenakquise sollen Fotos der Frauen gemacht worden sein, um sie auf einem der einschlägigen Portale einstellen zu können. Dafür soll einer der Angeklagten ein Hotelzimmer gebucht und einen Fotografen dorthin bestellt haben. Die beiden Frauen sollen ihre Kunden später in Hotels in Haan, Hilden und Düsseldorf getroffen haben.

Die Anklage wirft den beiden 23 und 27 Jahre alten Männern vor, den Opfern gegenüber von Liebe und einer gemeinsamen Zukunft gesprochen zu haben. Sie sollen den Frauen das durch Prostitution verdiente Geld abgenommen haben unter dem Vorwand, sie würden die Einnahmen für gemeinsame Anschaffungen sparen. In polizeilichen Vernehmungen sollen die Opfer gesagt haben, dass sie sich über Wochen hinweg hätten bereithalten müssen für mögliche „Termine“ mit Freiern.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein Remscheider, der mit einem der Angeklagten befreundet gewesen sein soll. Der soll noch einen Schlüssel zu einer ehemals gemeinsamen Wohnung gehabt und diese zu Prostitutionszwecken genutzt haben. Einmal habe der Remscheider eine der Frauen mit ihrem „Kunden“ aus der Wohnung geworfen und da ihm dass ganze ohnehin nicht gefallen habe, soll er den Kontakt zur Schwester und zu den Eltern des 16-jährigen Opfers gesucht haben. Zum verabredeten Treffen war die Schwester des Mädchens erst allein hingefahren und nach all dem, was sie dort zu hören bekommen hatte, soll sie ihren Vater dazugerufen haben. Das Familienleben war da schon seit Wochen aus den Fugen geraten, der Vater beschrieb das Verhältnis zur jüngeren seiner beiden Töchter so: „Wir hatten sie damals verloren.“ Wochenlang soll sich die 16-Jährige zurückgezogen und die Eltern dazu auch noch bestohlen haben.

Um einem der beiden Loverboys mittels Kaution vor dem Knast zu bewahren, soll sie von deren Konto 2000 Euro abgehoben haben. Im Drogenrausch sei sie vom Dach gestürzt bei dem Versuch, wegen des vergessenen Schlüssels durchs Fenster ins Haus zu gelangen. Die Schwester sprach vor Gericht davon, das die 16-Jährige auffällig oft mit Dessous durchs Wohnzimmer gelaufen sein soll, die sie nicht habe bezahlen können.

Nach dem Gespräch mit dem Informanten aus Remscheid habe sie auf einem der einschlägigen Portale etliche Fotos ihrer Schwester mit hochhackigen Schuhen und Schnüren um die Brüste gesehen. Sie habe dann sofort den Anwalt der Internetseite telefonisch darauf hingewiesen, dass es sich um eine Minderjährige handele und die Bilder zu löschen seien. Die 16-Jährige leide noch immer unter den Folgen und sei in psychologischer Behandlung, das Urteil gegen die beiden Angeklagten soll am 18. März verkündet werden.