Kampfjet-Pilot aus Remscheid Als Kind mit dem Flieger-Virus infiziert

Remscheid · Oliver Becker war Kampfpilot der Bundeswehr. Seine Leidenschaft für die Fliegerei entdeckte der heutige Reservist der Luftwaffe in seiner bergischen Heimat.

Der Pilot muss in der Luft das neunfache Gewicht seines Körpers ertragen.

Der Pilot muss in der Luft das neunfache Gewicht seines Körpers ertragen.

Foto: Bundeswehr/Oliver Becker

Oliver Becker (50) hat es nicht Tom Cruise zu verdanken, dass er Kampfpilot wurde. „Es war der Vater eines Sandkastenfreundes, der mich mit dem Flieger-Virus infizierte“, erzählt der gebürtige Remscheider, der in Lennep aufwuchs und einen ganz besonderen Nachbarn hatte: „Der Vater meines besten Freundes hatte einen Segelflugschein und startete regelmäßig vom Flugplatz Radevormwald. Manchmal durften mein Freund und ich mitfliegen.“ Allerdings nur, wenn sie die über zehn Kilometer lange Strecke von Lennep bis nach Radevormwald mit dem Fahrrad zurücklegten.

Für den damaligen Realschüler Oliver, der später sein Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in der Remscheider Innenstadt machte, war die Tour mit dem Rad jedoch kein Problem: „Ich war sehr sportlich und machte unter anderem Triathlon“, sagt der zweifache Familienvater, der heute in Oberbayern lebt und nach der Allgemeinen Hochschulreife eine Karriere als Kampfpilot bei der Bundeswehr startete.

„Alternativ hätte ich wahrscheinlich auch gute Chancen als Kampfschwimmer gehabt“, scherzt er und fügt hinzu, dass er Leistungsschwimmer beim Lenneper Schwimmverein war. Doch die Ostsee zu durchschwimmen habe ihn nicht so gereizt wie das Abenteuer in der Luft: „Ich wollte auf jeden Fall Pilot werden.“

Problematisch sei nur gewesen, dass die kommerzielle Luftfahrt 1992 auf Talfahrt war. Becker bewarb sich daher nicht nur bei der Lufthansa, die Anfang der Neunziger große Verluste machte, sondern auch bei der Bundeswehr. Im Rückblick hatte er genau das richtige Gespür: „Ich steckte gerade mitten im Auswahlverfahren der Lufthansa, als der Anruf von den Streitkräften kam.“

„Das Fliegen in einem Kampfjet ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Oliver Becker.

„Das Fliegen in einem Kampfjet ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Oliver Becker.

Foto: Bundeswehr/Oliver Becker

Becker verpflichtete sich bei der Armee, zumal die Bundeswehr ihn gut köderte: „Ich durfte meinen zwölfmonatigen Wehrdienst in Holland machen, was eine doppelte Besoldung bedeutete.“ Am meisten habe ihn aber gereizt zu wissen, wie es ist, „mit einer Geschwindigkeit von rund 2000 Stundenkilometern oberhalb der Schallgrenze zu fliegen“. Die Erwartungen seien übertroffen worden: „Das Fliegen in einem Kampfjet ist ein unbeschreibliches Gefühl. Dann kommt noch diese Freiheit hinzu, die man nur spürt, wenn man in einem Überschallflieger sitzt.“

Denn Kampfjets seien nicht nur schnell: „Es gibt da Momente bei den Übungen, in denen man als Pilot entscheiden kann, wann man die Nase der Maschine hochzieht und wann man in den Sturzflug geht.“ Solche fliegerischen Spielräume habe er in seinem heutigen Beruf als Verkehrsflugzeugführer nicht: „Hier geht es darum, auf einer vorgeschriebenen Strecke sehr viele Menschen sicher von A nach B zu bringen.“ Das sei ein völlig anderer Auftrag, den er aber ebenfalls gerne erfülle. Denn die Fliegerei begeistere ihn eigentlich immer, sagt Becker – und räumt dann doch ein, die Zeiten am Steuerknüppel eines Kampfjets zu vermissen.

Gleichzeitig sei es aber auch gut, dass er nicht mehr aktiver Kampfpilot ist: „Es gibt einen Grund, warum diese Spezialkräfte mit 41 Jahren pensioniert werden.“ So müsse der Pilot beim Fliegen in einem Kampfjet das neunfache Gewicht seines Körpers ertragen: „Das geht voll auf die Halswirbelsäule.“ Schmerzen habe er aber nicht zurückbehalten. „Das liegt auch an dem exzellenten Training, das deutsche Kampfpiloten in der Nato-Flugschule auf der Sheppard Air Force Base in den USA anfangs erhalten.“

 Oliver Becker vermisst die Zeiten am Steuerknüppel eines Kampfjets.

Oliver Becker vermisst die Zeiten am Steuerknüppel eines Kampfjets.

Foto: Bundeswehr/Oliver Becker

Dort, wo heute auch das Taktische Ausbildungskommando der deutschen Luftwaffe beheimatet ist, wurde Becker lange ausgebildet, „im multinationalen Verband mit angehenden Kampfpiloten aus verschiedenen Nato-Ländern“. Tolle Jahre seien das gewesen, an die er während der Luftwaffenübung Air Defender oft gedacht habe. Darüber hinaus sehe er das Manöver eher nüchtern: „Die Nato probt damit genau zur richtigen Zeit den Verteidigungsfall.“ Denn auch wenn sich das niemand vorstellen wolle: „Ein Angriff auf das Bündnisgebiet, der die absolute Katastrophe wäre, muss immer mitgedacht werden.“

Sollte dieser Fall jemals eintreten, würde er keine Sekunde zögern, mit seinem Spezialwissen etwas zur Verteidigung beizutragen. Denn auch wenn er gar nicht abstreiten wolle, auch aus Liebe zur Fliegerei Kampfpilot geworden zu sein: „Die Werte unseres Landes sind mir ebenso eine Herzensangelegenheit, und meine Kameraden und ich sind jederzeit bereit, sie zu verteidigen.“