Remscheid: Allianz will Trassen reaktivieren

Verkehr in Remscheid : Allianz will Trassen reaktivieren

Auf stillgelegten Bahnstrecken sollen wieder Personen- und Güterzüge rollen. Auch die Balkantrasse von Lennep bis Opladen und Teile des Bergischen Panorama-Radweges werden für eine Reaktivierung vorgeschlagen.

Der Vorstoß von Allianz pro Schiene und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Auf stillgelegten Bahnstrecken sollen wieder Personen- und Güterzüge rollen. 180 Trassen werden für eine solche Reaktivierung vorgeschlagen – darunter auch zwei Strecken ab Remscheid: die Balkantrasse von Lennep bis nach Opladen und Teile des Bergischen Panorama-Radweges von Bergisch Born bis nach Marienheide. Der Vorschlag trifft auf geteiltes Echo. Eine schnelle Entscheidung wird es nicht geben.

28 beziehungsweise 26 Kilometer lang sind die beiden Strecken, die wieder reaktiviert werden sollen. Sie müssten vollständig elektrifiziert werden und sollen nur für den Personennahverkehr genutzt werden. In einem Konzeptpapier wird begründet: Mit Zügen auf der Balkantrasse könnten Ballungsräume verbunden und Verkehrswege durch die Verlagerung auf die Schiene entlastet werden. „Erschließung einer bisher vom Schienenpersonennahverkehr unterversorgten Region“, heißt es in dem Dokument in Bezug auf die Strecke nach Marienheide.

Direkte Auswirkung hätte das Reaktivieren nicht nur auf Anwohner und Pendler, sondern auch auf Fahrradfahrer, die die beiden Trassen als Freizeitstrecke nutzen. Eine konkrete Position zu diesem Thema vertritt der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) nicht. Eine Entscheidung sei schwierig, weil zwei umweltfreundliche Verkehrsmittel miteinander verglichen würden, heißt es von der Remscheider Ortsgruppe.

„Wir setzen uns dafür ein, dass die Trasse ausgeweitet wird“, sagt Frank Schopphoff, Sprecher des ADFCs in Wermelskirchen, durch das die Strecken ebenfalls führen. So stehe etwa die Verbreiterung der Balkantrasse auf vier Meter, eine durchgängige Beleuchtung und ein vernünftiger Winterdienst an.

Dahingegen spricht sich der Verkehrsclub (VCD) Bergisches Land, der genau wie der ADFC Mitglied in der Allianz pro Schiene ist, klar für Züge auf der Balkantrasse aus: „Wir setzen uns schon seit 1993 für die Reaktivierung ein“, sagt Reiner Niessen vom Vorstand des VCD-Regionalverbands. Damals habe nur der Abschnitt zwischen Opladen und Burscheid im Fokus gestanden, in Richtung Remscheid habe es schon längere Zeit keinen Bahnverkehr mehr gegeben.

Der Regionalverband des VCDs begrüßt somit den Vorstoß von Allianz pro Schiene und VDV. „Es ist aber nicht leichter geworden. Der Radweg auf der Balkantrasse erfreut sich großer Beliebtheit“, weiß Niessen. Vielleicht lassen sich parallel zum Fahrradweg die Schienen bauen, schlägt er vor. Ebenso solle die Trasse nach Möglichkeit auch für den Güterverkehr genutzt werden. Die Bedeutung der Balkantrasse hebt auch Baudezernent Peter Heinze hervor: „Die Balkantrasse ist gut und wichtig, auch als Schul- und Arbeitsweg. Die Remscheider identifizieren sich damit.“ Dennoch müsse der Vorstoß ergebnisoffen diskutiert werden. Mit einer schnellen Entscheidung der Politik dürfte nicht zu rechnen sein. Die Stadt sei gerade dabei, mit der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine Studie in Auftrag zu geben, wie der Nahverkehr in Richtung Köln und Leverkusen funktionieren könne, teilt Heinze mit. Dabei werde der Nahverkehr allgemein und auch Radrouten untersucht.

Mehr von RP ONLINE