Remscheid: Allee-Vision sorgt für Diskussionen

Remscheider Innenstadt : Allee-Vision sorgt für Diskussionen

Die ISG Alleestraße präsentiert vor Bürgern und Hausbesitzern Ansichten, wie die Mitte der Fußgängerzone als Treffpunkt gestaltet werden könnte. Teile der Verwaltung machen deutlich, dass sie davon wenig halten.

Auf der linken, nördlichen Seite sitzen Menschen an Tischen vor Cafés und Restaurants in der Nachmittagssonne, gegenüber im Schatten spielen Kinder vor dem Woolworth-Gebäude in einem kleinen Sandkasten. Auf Holzbänken daneben sitzen Passanten. Weil die Pavillons verschwunden sind, ist der Blick frei bis hinunter zur Stadtkirche. Gerade kommt ein selbstfahrender Elektrobus den Berg hinauf. Ein Straßenmusiker spielt seine Lieder.

Diese Visualisierung einer mittleren Allee als Treffpunkt der Generationen stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Alleestraße am Dienstagabend in die „Schatzkiste“ geladen hatte. Der Saal der Kleinkunstbühne war gut gefüllt. Viele Alleeanlieger, Politik, Architekten. Man wolle im Kopf der Bürger ein „positives Bild entstehen lassen“, sagte Stadtentwickler Edgar Neufeld, auf dessen Gesamtkonzept im Auftrag der ISG der Vorschlag fußt. Die Akteure auf der Allee seien „gefrustet von endlosen Diskussionen“. Man wolle endlich weg vom schlechten Image der Allee. Auf dem Weg dahin komme der mittleren Allee zwischen Wilhelm-Schuy-Straße und Mandtstraße eine „Schlüsselfunktion“ zu. Mit inhabergeführter Gastronomie und kleinen Geschäften könne hier ein Ort zum Wohlfühlen entstehen.

Dass dafür der von ihr für den Betrieb eines Eiscafés gemietete Pavillon weichen müsste, sieht die Betreiberin skeptisch, sagte sie Moderator Horst Kläuser, der sie auf die Bühne holte. Ihr Geschäft laufe gerade recht gut, sie habe investiert. Neufeld erklärte, dass die Eisdiele der ideale Mieter für ein Ladenlokal in einem Leerstand an der Seite sei. Für solche Fälle gebe es neuerdings vom Land Umnutzungs-Pauschalen, damit die betroffenen Betriebe keine Nachteile haben. In Solingen werde mit diesem Instrument schon gearbeitet, um den Umbau der Innenstadt anzuschieben.

Es gehe darum, für die Menschen wieder mehr Anreize zu schaffen, auf die Allee zu gehen, sagte Nelson Vlijt, Manager des Allee-Centers und Vorsitzender der ISG. Das Konzept sei eine Vision, die nicht eins zu eins umgesetzt werden müsse. Es gehe darum, kleine Fortschritte zu machen. Der Stadtverwaltung bot er an, bald in Gesprächen zu klären, wie man bei diesem Thema zusammenkommen könne. Baudezernent Peter Heinze erklärte, dass Stadt und ISG „nicht weit auseinander“ seien.

Die bis dahin aufgeräumte Stimmung kippte, als sich die neue Stadtplanerin Christina Kutschaty und ihr Kollege Robert Wild zu Wort meldeten. Beide machten deutlich, dass sie wenig von der Visualisierung und den Ideen dahinter halten. Der Ansatz greife viel zu kurz, weil er nur die Geschäfte im Erdgeschoss in den Blick nehme, sagte Kutschaty. Durch die geplante Ausweisung der Allee als Sanierungsgebiet müssten auch die Interessen der Mieter in den Wohnungen über den Geschäften mit gleicher Sorgfalt in den Blick genommen werden. Anders als die Einkaufszonen im Ruhrgebiet sei die Allee noch eine Wohnstraße. Beide ließen durchblicken, dass sie den Vorschlag der ISG auch als Einmischung in ihr Zuständigkeitsgebiet verstehen. Stadtplanung sei Sache der Verwaltung.

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