Remscheid: Abiturientin will Indien erkunden

Remscheiderin auf Reisen : Abiturientin will Indien erkunden

Merle Sieckmann zieht es für ein Jahr ins indische Bangalore. Bevor es allerdings losgehen kann, ist noch einiges zu tun.

Am 3. August heißt es für Merle Sieckmann Abschied nehmen. Die Abiturientin des EMA-Gymnasiums wagt sich nach ihrem Schulabschluss auf den achtstündigen Flug nach Bangalore in den Süden Indiens. Dort wird sie ein Auslandsjahr verbringen.

Für die 18-Jährige stand schon immer fest: Sie will die Welt erkunden. Im Januar besuchte sie deshalb die Jugendbildungsmesse in Köln. Ihre ursprüngliche Idee war es, nach Südamerika zu reisen, um ihre Spanischkenntnisse zu erweitern. In Köln stieß sie allerdings auf einen Info-Stand des entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramms „Weltwärts“ und deren Partnerorganisation AFS. Die Organisation bietet die Möglichkeit, 27 Länder zu besuchen und dabei an verschiedenen Freiwilligenprojekten mitzuwirken.

Das weckte Merles Begeisterung. Sie möchte nicht nur „etwas Neues entdecken“, sondern freut sich auch darauf, etwas „zu bewirken und zu helfen“. Sie suchte zusätzliche Veranstaltungen auf, bei denen Menschen, die ihr Auslandsjahr bereits hinter sich hatten, Vorträge hielten. Speziell der Erfahrungsbericht einer Person, die Indien bereist hatte, schürte das Interesse der Remscheiderin. „Das Land ist spannend und außergewöhnlich“, findet Merle.

Da sich die Bewerbungsfristen der meisten Programme bereits ihrem Ende näherten, bewarb sie sich kurzerhand für einen Freiwilligendienst in Indien. Als Merle Ende Februar die E-Mail mit der Teilnahme-Bestätigung erhielt, war die Freude groß. Um sich auf ihre Zeit im Ausland vorzubereiten, besuchte sie weitere Info-Veranstaltungen und Seminare. Dabei lernte sie Gleichgesinnte kennen, die Anfang August mit ihr die Reise nach Indien antreten werden. Rund 60 Freiwillige fliegen nach Bangalore und werden auf verschiedene Projekte im Land verteilt.

Nach der Ankunft steht ein Seminar in Bangalore zur Orientierung für alle an. Was die Gruppe 18- bis 27-Jähriger dann erwartet, ist noch nicht klar. Der Wunsch der Remscheiderin ist es, als Lehrassistenz an einer Schule mitzuwirken. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dieser Wunsch auch in Erfüllung gehen. Eine andere Option wäre ein Umwelt- oder Landwirtschaftsprojekt. Außerdem hofft die angehende Abiturientin, Unterkunft in einer indischen Familie zu finden, um die indische Kultur mit alle ihren Facetten kennenzulernen. Ansonsten würde sie in einer kleinen Wohngemeinschaft mit anderen Freiwilligen unterkommen.

Jedes Vierteljahr wird vor Ort ein Treffen mit Vertretern der Organisation stattfinden, um sicherzustellen, dass bei den Freiwilligen alles in Ordnung ist. Sollte es einmal Probleme geben, haben sie Ansprechpartner, an die sie sich jederzeit wenden können.

Bevor die Reise losgehen kann, muss einiges erledigt werden. Das für ein Jahr gültige Visum muss beantragt und persönlich bei der Botschaft in Frankfurt eingereicht werden. Eine neue Kamera soll her, um die Erlebnisse in Indien festzuhalten. Dabei erhält die Schülerin finanzielle Unterstützung von ihren Eltern, die natürlich möchten, dass ihre Tochter auf ihrer Reise sicher ist.

Ihre größte Auslandserfahrung war bisher ein zweimonatiger Schüleraustausch in der Bretagne in der 8. Klasse, weshalb die Eltern zunächst etwas skeptisch gegenüber der außergewöhnlichen Wahl des Reiseziels waren. Trotzdem haben Merles Eltern ihre Tochter ermutigt, ihre Pläne zu verwirklichen.

Vor Ort hofft die 18-Jährige, sich auf Englisch verständigen zu können, möchte allerdings auch das in den meisten Teilen Indiens gesprochene Hindi erlernen. Nach ihrer Rückkehr würde Merle gerne etwas Interkulturelles studieren. Sprachen oder Tourismus kämen für sie infrage.

Über die Reise sagt die Remscheiderin, sie sei aufgeregt, aber „im positiven Sinne“. Sie stehe der Sache optimistisch und unvoreingenommen gegenüber und erhoffe sich, anschließend selbstständiger zu sein und „noch offener auf Menschen zugehen zu können“.

Ihre größten Wünsche für ihre Zeit in Indien: eine indische Hochzeit erleben und einmal das traditionelle Kleidungsstück, den Sari, zu tragen. Was sie jedoch genau während ihres Auslandsjahres erleben wird, bleibt eine Überraschung.

Merle Sieckmann sieht dies aber absolut entspannt: „Einfach mal auf sich zukommen lassen“, ist ihre Devise.

(Boll)
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