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Remscheid: #5630 zündet Glanzlichter im Theater

Begeistertes Publikum im Teo Otto Theater : #5630 zündet Glanzlichter

Mit einer eindrucksvollen Bühnenshow setzten die Jugendlichen und die Macher des Jugendprojekts am Samstagabend ein Zeichen. Das Publikum im Teo Otto Theater forderte schließlich Zugaben.

Am Ende stehen sie nach all den Rückschlagen und dem Ärger zum ersten Mal auf der Bühne. Marcel Haupt und Jochen Peitz blicken in den Saal, und im Teo Otto Theater erhebt sich noch mal an diesem Abend der Jubel. Die beiden Männer auf der Bühne sind über Jahre ohne diesen Beifall ausgekommen, haben ihr Projekt #5630 verteidigt und dafür gekämpft – ohne ein Publikum zu haben.

An diesem Abend im Teo Otto Theater erhebt sich das Publikum von den Sitzen. Marcel Haupt und Jochen Peitz atmen tief durch. Dann drehen sie sich um und deuten auf die Leinwand mit dem Bild der riesigen Projektgruppe. Als wollten sie sagen: Ihnen gilt der Beifall, ihnen gilt diese Arbeit.

Für die Jugendlichen in Remscheid sind Jochen Peitz und Marcel Haupt 2018 angetreten – um den Talenten eine große Bühne zu bieten. Aufwändig, teuer und professionell: „Genau das, was die Jugendlichen verdienen“, hatte Haupt betont. Dann fehlte erst das Geld, dann kam Corona. An diesem Abend im Teo Otto Theater scheint all das vergessen. Endlich stehen die Jugendlichen auf der Bühne.

Es ist nicht entscheidend, dass viele Gruppen wegen der Corona-Regeln nicht persönlich dabei sein können und dass nur hundert Besucher im Saal Platz nehmen dürfen. Wichtig ist die Bühne – und die hat Sven Graf, künstlerischer Leiter des Theaters, freigegeben. Die Jugendlichen nutzen diese Freiheit und liefern ein Spektakel. Einspielungen über die Leinwand treffen auf Musik, Tanz und Wortkunst auf der Bühne.

Nachdem sich der Saal in ­Dunkelheit gehüllt hat, kommt die aufwändige Lichttechnik zum Zuge, die wie ein Ausrufungszeichen hinter der Kunst steht. „Ich bin Wolfgang Tillmans und wir sind Remscheid“, ruft der inzwischen weltbekannte Remscheider Fotograf über die Leinwand ins Publikum. Dann überlässt er den Jugendlichen die Bühne.

Isabel Marr sitzt auf einem Bett liest aus ihrem Corona-Tagebuch über „das neue Leben". Foto: Jürgen Moll

Mit einem ausgesprochen unterhaltsamen Video-Exkurs von Jan Niclas Peitz in die Remscheider Geschichte beginnt die Show. Dazu gesellen sich Klavierklänge, Gitarrenmelodien und die Stimme von Nina Widjaja. Kraftvoll und berührend – bevor sich der Lichtkegel auf Isabel Marr konzentriert, die in einem Bett am Bühnenrand sitzt und aus ihrem Corona-Tagebuch liest. Die junge Frau macht an diesem Abend eine Wandlung durch: Wirkt sie in ihrer Rolle als Vorleserin zuweilen unsicher, so verwandelt sie sich in jenem Moment am späteren Abend, als sie die Gitarre zur Hand nimmt und zu singen beginnt, scheinbar in sich selbst. Keine Spur von Unsicherheit, stattdessen kraftvolle Texte, starke Melodien.

So scheint es den meisten Teilnehmern zu gehen: Sie finden einen Ausdruck für sich selbst. Das gilt für die wenigen Artistic Jumpers, die live auftreten können – in den Raum schweben, über die Bühne segeln oder sich aus der Decke abseilen. Hier gehen Videosequenzen in Realität über: Gerade flimmern noch Bilder eines Seglers auf der Bever über die Bühne, schon rollt das Boot über das Parkett. All die Gruppen und Orchester, die nicht teilnehmen können, haben ihren Auftritt über eines der hochwertig produzierten Videos.

Immer mal wieder gesellen sich Profis dazu: Mandi Orozco vom Cirque du Soleil begeistert mit ihrer atemberaubenden Tuchakrobatik, Schauspieler Jonas Dassler hält live auf der Bühne ein eindrucksvolles Plädoyer gegen Rassismus. Lidia Morante Maldonado schließt sich mit ihrem lauten, trotzigen Poetry Slam an. Das Publikum bleibt ein bisschen atemlos zurück – erst recht nachdem Benjamin Knaup, erst mit seinem Vater und dann mit Sängerin Lorena Warkentin und Pianistin Judith Sokirko auf der Bühne gezaubert hat und Sarah Baumann und Justin Pufal einmal mehr die anrührende Wirkung von Tanz bewiesen haben. Vinku und Feining krönen den Abend mit Loop-Akustik-Pop.

Als sich die Türen des Saales bereits öffnen, steht das Publikum immer noch jubelnd auf den Plätzen und will nicht weichen – als ob der Abend niemals enden sollte.