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Remscheid: 54-Jährigem droht Rückkehr ins Gefängnis

Remscheider vor Gericht : 54-Jährigem droht Rückkehr ins Gefängnis

Der Mann aus Remscheid hatte eine Escort-Dame in der leerstehenden Mannesmann-Villa an der Burger Straße gefesselt und geschlagen.

Acht Jahre Haft und dann noch zehn Jahre in der Sicherungsverwahrung: Das hatte der Angeklagte hinter sich, als es ein Jahr nach der Entlassung im Sommer 2020 zur Begegnung mit einer Escort-Dame gekommen war, wegen deren Folgen der 54-Jährige erneut auf der Anklagebank sitzt.

Er selbst hat nicht bestritten, die Frau in der Mannesmann-Villa an der Burger Straße geschlagen und auch gefesselt zu haben. Allerdings nicht, um sie zu vergewaltigen – sondern weil es angeblich Streit ums Geld gegeben haben soll und er versucht habe, sie ruhig zu stellen. Eine laut um Hilfe rufende Prostituierte in einer solchen Situation? Da seien ihm aus Furcht vor juristischen Konsequenzen die Sicherungen durchgebrannt. Das Opfer hatte hingegen von Schlägen und Tritten erzählt und davon, vom Angeklagten durch das ganze Haus gezerrt und gefesselt worden zu sein. 

Inmitten der Verhandlung versucht sich der vorsitzende Richter ein Bild zu machen von einem Angeklagten, dem nun erneut die Sicherungsverwahrung drohen könnte. Mittlerweile scheint klar zu sein: Der 54-Jährige war nach Begutachtung und richterlichem Beschluss aus ebenjener entlassen worden, obwohl die JVA intern zu einer anderen Einschätzung gelangt war. Dort hatte man mit Stirnrunzeln beobachtet, dass Sex im Leben des Angeklagten im Vorfeld seiner Entlassung eine zunehmend größere Rolle zu spielen schien. Auf Ausgängen soll er verbotenerweise eine Prostituierte getroffen und sich geweigert haben, die Dame der Anstaltsleitung vorzustellen.

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Als Prozessbeobachter fragt man sich, wie „lebensfremd“ Weisungen ausgelegt werden können, die vom Grunde her durchaus sinnvoll sein können. In diese Sparte gehört auch die Tatsache, dass man dem Angeklagten bei Ausgängen sein Handy überlassen hatte, um sich telefonisch zurückmelden zu können. Dass der dann damit Pornos geschaut und mit seiner Anmeldung auf Chat-Portalen für Kosten gesorgt hatte, die von einem Inkasso-Unternehmen eingetrieben werden mussten? Nun ja, auch das wirft Fragen auf – auch danach, ob man erwarten kann, dass ein Langzeitgefangener sexuellen Gelüsten abschwört. Fakt ist jedoch auch: Der Mann hatte vor beinahe 20 Jahren eine Frau vergewaltigt. Und er hatte die Tat nicht nur jahrelang geleugnet, sondern auch noch behauptet, der gewaltsam erzwungene Sex sei einvernehmlich gewesen.

Eine solche Tat lässt sich nicht streichen aus einem Leben, dessen psychiatrische Einordnung immer einer Gratwanderung gleichkommen wird. Vorverurteilung oder Chance: Wer auch immer wie entscheidet, am Ende wird es Zweifel geben. Um eine Verurteilung wird das Gericht ohnehin nicht herumkommen – schließlich hat der Angeklagte eingeräumt, das Opfer gefesselt und geschlagen zu haben. Aber war all das auch sexuell motiviert und gibt es Gründe für eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung und möglicherweise sogar für eine erneute Sicherungsverwahrung? Das Urteil soll in der kommenden Woche verkündet werden.