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Remscheid: 43-Jähriger ist „Gefahr für die Allgemeinheit“

Remscheider vor Gericht : 43-Jähriger ist „Gefahr für die Allgemeinheit“

Wegen „mangelnder Impulskontrolle“ muss ein Remscheider in ein Psychiatrisches Krankenhaus, entscheidet das Landgericht Wuppertal am Dienstag.

Auch wenn das Urteil zu erwarten war – der 43-jährige Remscheider saß mit gesenktem Kopf in Handschellen bei Gericht und suchte Trost bei seinem Plüschhasen. Dass er wegen verminderter oder fehlender Schuldfähigkeit von den acht Vorwürfen von Körperverletzungen und Sachbeschädigungen freigesprochen wurde, kam nicht unerwartet. Dass er aber wegen Unberechenbarkeit aus „mangelnder Impulskontrolle“ von nun an in ein Psychiatrisches Krankenhaus weggeschlossen werden soll, traf ihn offensichtlich.

Bislang war sein Aufenthalt im Tannenhof seit 20 Jahren mit relativen Freiheiten versüßt – Einkaufen, Ausgang, Kontakte mit Mitpatienten, es gab sogar eine Freundin. Das dürfte jetzt reduzierter ablaufen. Hatte er bislang seine Medikamente nach Lust und Laune eingenommen und auch dadurch sein eruptives Verhalten erst möglich gemacht, könne – positiv gesehen – in Zukunft ein diskreter Zwang dafür sorgen, dass sein Sozialverhalten verträglicher wird. Eine Entlassung könne dann möglich werden.

Der Vorsitzende Richter Norbert Müller erklärte die Abwägung zur Urteilsfindung des Gerichts an jedem einzelnen Vorfall. Aber in der Summe waren die Abläufe übereinstimmend: Aus nichtigen Anlässen heraus, „angeschoben durch äußere Anlässe“ wie etwa das Verbot, einen einzelnen Blumentopf zu gießen, sei der durch einen Hirnschaden Gehandicapte außer sich geraten. Das hätte zu Verletzungen und Sachschäden geführt. Sich selbst dabei zu steuern, das habe er nicht vermocht. Vorsatz, hinterlistiges Verhalten wie auch ein Tat-Entschluss seien nicht erwiesen.

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Der Vorsatz des Versuchs eines Schwangerschaftsabbruchs bei einer Mitpatientin durch einen Tritt sei nicht haltbar. Das Unrechte an seinen Ausrastern habe er hinterher oft erkannt. Da aber nicht vorhersehbar sei, wann der nächste Ausbruch komme, sei er „eine Gefahr für die Allgemeinheit“ und müsse von ihr ferngehalten werden. Eine spätere Überprüfung des Zustandes durch einen psychiatrischen Gutachter könne möglicherweise positiv ausgehen. Entscheidend für das Urteil sei „die Gefahr für die Allgemeinheit“.