Remscheid: 38-Jähriger bricht bei Nachbarn ein

Remscheider vor Gericht: 38-Jähriger bricht bei Nachbarn ein

Ein Remscheider ging für seine Diebestour an der Hügelstraße nur ein paar Treppen hoch. Er klaute dabei eher ungewöhnliche Dinge — etwa zwei Kartenspiele, einen Nagelknipser und Weichspüler.

Weite Wege brauchte der Serien-Einbrecher nicht zurücklegen, der im April an der Hügelstraße mehrere Wohnungen ausräumte. Der 38-jährige Remscheider hatte dort auch seine eigene Wohnung und brauchte für die Diebestour nur ein paar Treppen hoch.

Erst brach er die Wohnungstür des im Dachgeschoss wohnenden Elektromonteurs auf, während der auf der Arbeit war. Ein kräftiger Tritt und das Schloss splitterte aus dem Türrahmen. Bei der Auswahl des Diebesgutes war der Angeklagte nicht gerade wählerisch: Jenseits der üblicherweise gern genommenen Elektronikspielzeuge wie Spielekonsolen und Handy raffte er dazu auch noch eher Ungewöhnliches zusammen. Neben zwei Kartenspielen und einigen PET-Flaschen hauptsächlich Dinge, die man in einem ordentlichen Haushalt brauchen kann, wie einen Nagelknipser und eine Literflasche Weichspüler.

Die von Nachbarn alarmierte Polizei fand das Diebesgut später vor der Wohnung seiner Schwester eine Etage tiefer, als man den Einbruch aufnehmen wollte. Warum der Täter nun auch noch die Wohnung mit einer überlaufenden Badewanne unter Wasser gesetzt hatte, blieb rätselhaft.

Bereits vorher hatten Bewohner konsterniert auf Vorkommnisse im Haus reagiert, als erst Pakete verschwanden, Briefkästen leergefischt waren und schließlich auch noch eine weitere Wohnungstür aufgebrochen wurde.

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Ziemlich großer Schaden, alles durchwühlt, aber – und das gab zu denken – es war nichts verschwunden. Ähnlich erstaunt reagierte das Gericht nun auf den augenscheinlich verwirrten Auftritt des Angeklagten, der zwar die Aussage verweigerte, aber sich über den Saal hinweg mit seiner Anwältin, seinen schluchzenden Schwestern, den Zeugen und dem Gutachter unterhielt.

Der wiederum, in Kenntnis der Vorgeschichte, soll nun im Prozessverlauf über eine mögliche psychiatrische Verwahrung des Angeklagten Auskunft geben.

Bezeichnend für dessen unverkrampftes Verhältnis zur Gerichtsbarkeit fern der üblichen Norm war die erzwungene Unterbrechung am Mittwoch, als der Untersuchungshäftling aufstand und kundtat: „Ich habe Hunger und gehe jetzt nach Hause.“

Das Gericht reagierte gelassen und wird vermutlich auf die psychiatrische Verwahrung entscheiden, der Prozess wird fortgesetzt.

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