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Remscheid: 29-Jähriger schreibt Drohbrief an Ex-Freundin

Remscheid : 29-Jähriger schreibt Drohbrief an Ex-Freundin

Man sitzt einsam in seiner Zelle. Monate, vielleicht auch noch Jahre. Die Ex-Freundin ist weit weg im fernen Österreich. Mit ihr das gemeinsame Kind (3), das man nun nicht mehr sehen kann. Man kann traurig werden in einer solchen Situation.

Oder man kommt auf dumme Gedanken, so wie der Angeklagte. Hatte er anfangs wohl noch voller Sehnsucht zu Stift und Briefpapier gegriffen, so entgleisten zwischendrin die Worte. Er wolle dem Ehemann seiner Exfreundin ins Knie schießen. Am Rollstuhl käme der so Malträtierte dann nicht mehr vorbei. Dumm nur, dass so etwas gelesen wird, bevor es die Justizvollzugsanstalt (JVA) verlässt. Einfach irgendwas in die Welt hinaus zu posaunen? Das geht nun mal nicht an einem Ort, an dem nahezu alles kontrolliert wird, was rein und raus geht.

Umso erstaunlicher war das, was man nun in der Berufungsverhandlung zu hören bekam. Da war von eklatanten Drogenproblemen die Rede. Dem Wachtmeister am Amtsgericht soll der Angeklagte gesagt haben, er sei voll auf Drogen. Er wolle nur noch sterben. Es waren verzweifelte Worte im Schatten der erstinstanzlichen Verhandlung, die nun erneut aufs Tapet kamen. Auch der Verteidiger des Angeklagten erinnerte sich an einen denkwürdigen Auftritt, sein Mandant habe am ganzen Körper gezittert. „Ich war erschüttert“, so der Anwalt. Als Prozessbeobachter fragt man sich, wie es sein konnte, dass ein JVA-Insasse in einem derartigen Zustand vor Gericht erscheint. Ein psychiatrischer Gutachter war offenbar nicht hinzugezogen worden, das Amtsgericht verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten ohne Bewährung. Gegen dieses Urteil hatte der 29-Jährige Berufung eingelegt. Dazu hatte er wieder einen Brief aus der JVA geschrieben. Diesmal ans Gericht und mit den Worten: „Drei Monate für eine Tat, die das erste Mal begangen wurde – das halte ich für unverhältnismäßig.“

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Von der Berufungsrichterin musste er sich nun vorhalten lassen, dass er mit Blick auf das Strafregister kein unbeschriebenes Blatt sei. Diverse Vorstrafen, die ihn bereits in die JVA gebracht hatten. Verhängt offenbar in Österreich, was den Verteidiger des Angeklagten sagen ließ: „Die Österreicher scheinen keinen Spaß zu verstehen. Da gab es ein Jahr und acht Monate für etwas, das hier mit sechs Monaten abgeurteilt worden wäre.“ Aus seiner Sicht passe der Brief, mit dem alles begonnen hatte, nicht zu einer „gesunden Seele“. Erst jemandem ins Knie schießen wollen und dann ein herzlicher Abschied mit Kuss an die Ex-Freundin und Grüße an deren Eltern? Die Berufungsrichterin sah das anders – und schlussendlich auch der Angeklagte. Mittlerweile im offenen Vollzug, mit neuer Freundin und augenscheinlich drogenfrei, nahm er seine Berufung zurück. Das ging ganz einfach – ohne lange Briefe.