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Remscheid: 24-Jährige erleidet Martyrium

Remscheider vor Gericht : 24-Jährige erleidet Martyrium

Zwei Angeklagte müssen sich vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten – wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Das Opfer ist schwer gezeichnet und kann nicht mehr sprechen. Ein Psychiater hat die Frau vor wenigen Tagen von seiner Praxis aus in die Psychiatrie eingewiesen. Wohin genau? Das soll vor Gericht nicht veröffentlicht werden – zu groß ist die Angst der Frau vor den beiden Angeklagten, die sich nun am Wuppertaler Landgericht wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu verantworten haben. Auf der Anklagebank: zwei in Remscheid lebende Syrer – ein Mann (27) und eine Frau (48). Täter und Opfer sollen sich aus einem Deutschkurs kennen.

Es ist nicht die erste Einweisung des Opfers in die Psychiatrie und sollte die Beweiserhebung das bestätigen, was der Staatsanwalt in seiner Anklage verlesen hat, so hatte die 24-jährige Frau ein Martyrium zu erleiden. Um Geld von ihr zu erpressen, soll der Angeklagte ihr in seiner Wohnung ein Messer an die Kehle gehalten haben. Er wolle 10.000 Euro von ihr – als die Frau nach dem Grund gefragt habe, soll er ihr mit dem Messer in die Hand geschnitten haben.

Nach mehreren Schlägen mit der Faust ins Gesicht soll das Opfer versucht haben, aus der Wohnung zu fliehen. Der Mann soll sie daraufhin an den Haaren auf den Boden gezogen, sie getreten und mit einem Gürtel geschlagen haben. Erst als die Frau lautstark um Hilfe geschrien habe, soll der Angeklagte von ihr abgelassen haben.

Im Mai 2020 soll es erneut eine Begegnung auf der Freiheitstraße gegeben haben. Der 27-Jährige soll der jungen Frau ein Messer in den Rücken gedrückt und ihr damit gedroht haben, sie abzustechen, wenn sie nicht mit in seine Wohnung komme. Dort soll er sie getreten und mit einem Kleiderbügel geschlagen haben, um sie dazu zu bringen, die im März erfolgte Strafanzeige gegen ihn zurückzunehmen.

Laut Anklage soll er versucht haben, das Oberteil der Frau mit einem Feuerzeug anzuzünden – er habe sie verbrennen wollen. Dazu soll er damit gedroht haben, die Tochter des Opfers zu entführen, um die Frau unter Druck zu setzen.

Weitere Details zur Tat wurden vor Gericht aus dem Attest eines Psychiaters vorgelesen: Dem Arzt hatte die Frau davon berichtet, auch zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden zu sein. Sie habe sich ausziehen müssen und der Angeklagte habe damit gedroht, Nacktaufnahmen an ihren Ex-Mann zu schicken, wenn sie den Sex mit ihm verweigere. 

Die mitangeklagte Frau soll bei den Taten dabei gewesen sein und diese nicht verhindert haben, die Staatsanwaltschaft wirft ihr aus diesem Grund Beihilfe vor. Die Angeklagten haben die Aussage verweigert. Das Opfer selbst ist derzeit nicht vernehmungsfähig und nach Angaben der Nebenklageanwältin schwer traumatisiert, was die weitere Beweisaufnahme möglicherweise verzögert. Der Prozess vor dem Landgericht soll im Februar fortgesetzt werden.