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Remscheid: 22-Jährige zieht Berufung zurück

Attacke in Remscheid : 22-Jährige zieht Berufung zurück

Die junge Frau musste sich wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung verantworten.

Das Handy ständig in der Hand und alles wird sofort eingetippt? WhatsApp als Beweismittel? Erleben kann man so etwas vor allem dort, wo Jugendkammern verhandeln. So wie jetzt am Wuppertaler Landgericht, vor dem sich eine 22-Jährige wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung zu verantworten hatte. Wo sich die Angeklagte wann im Schatten des Löwen-Festivals 2018 durch die Innenstadt bewegt hat, ist detailreich in WhatsApp-Chats mit Freundinnen nachzulesen.

Um 22.10 Uhr war man an der Kirche verabredet und eine Stunde später bei Zoo & Co: Die Berufungskammer hangelte sich anhand von Chats durch das Ende eines Festival-Abends, der irgendwann an der Bushaltestelle am Rathaus eskaliert sein soll. Dort soll die 22-Jährige unvermittelt einen Streit mit einem ihr nur flüchtig Bekannten vom Zaun gebrochen und ihn als „Schwuchtel“ beleidigt haben. Sie selbst erinnerte sich nun anders – sie habe „schwuler Hund“ gesagt. Danach allerdings scheint es bei der Angeklagten ziemliche Erinnerungslücken zu geben. Die Staatsanwaltschaft warf der jungen Frau dazu noch vor, kurz darauf an den Tatort des Streits zurückgekehrt zu sein, um eine Freundin des zuvor Beleidigten ins Gesicht zu schlagen. Die hatte daraufhin die Polizei zum Tatort am Rathaus gerufen und die Angeklagte angezeigt. Danach hatte sie sich um Mitternacht mit Schwindel, Kopfschmerzen und Ohrenschmerzen in der Notaufnahme des Sana-Klinikums behandeln lassen.

Beleidigung? Ja, die räumte die 22-Jährige ein. Aber dann auch noch eine Ohrfeige mit derart gravierenden Folgen? Nein, daran könne sie sich beim besten Willen nicht erinnern. Sie wisse auch nicht, warum man ihr so etwas anhängen wolle. Sie habe jedenfalls nicht zugeschlagen – und deshalb wolle sie auch die Berufung nicht zurücknehmen. Erstinstanzlich war die Sache vom Amtsgericht bereits abgeurteilt worden: 500 Euro Geldstrafe, zu zahlen an die Bewährungshilfe. Dazu noch ein Anti-Aggressions-Training und regelmäßige Drogentests: Aus Sicht des Berufungsrichters war das eine eher milde Strafe für die angeklagten Straftatbestände der Beleidigung und Körperverletzung. Das sah die Angeklagte anders und ließ ihren Verteidiger sagen: „Sie will das hier auskämpfen.“

Der Prozessverlauf gestaltete sich dann allerdings ungünstig, nachdem die Zeugin auch noch erzählte, dass sie nicht nur geschlagen, sondern auch noch bedroht worden sein soll. Die 22-Jährige habe ihr gesagt, sie „abstechen“ zu wollen. Und nicht nur das: Deren Freundin soll ebenfalls zugeschlagen und ihr mit dem Tode gedroht haben. Gegen diese Freundin, die der Angeklagten beim Amtsgericht ein Alibi für die Tatzeit der angeblichen Schläge gegeben hatte, laufe dazu auch noch ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage. Am Ende schien die Beweislage inmitten von WhatsApp und Zeugenaussagen auch für die Angeklagte selbst zu erdrückend geworden zu sein: Nach dreistündiger Verhandlung nahm sie die Berufung zurück.