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Interview Anna Winkels : „Wir sind ein angenehmer Kessel Buntes“

Anna Winkels ist Kulturmanagerin in der Klosterkirche. Im Interview erklärt sie, warum sie so gerne in Lennep arbeitet.

Frau Winkels, ihre wievielte Spielzeit ist die abgelaufene gewesen?

Winkels Ich bin im sechsten Jahr in der Klosterkirche, die erste war ja eine „geerbte“ Spielzeit meiner Vorgängerin, also ist die abgelaufene meine fünfte Saison gewesen.

Wie haben Sie die sechs Jahre erlebt?

Winkels Mir hat es von Anfang an große Freude bereitet, in diesem schönen Haus und dem angenehmen Umfeld tätig sein zu können – und das tut es noch immer. Man hat hier viele Freiheiten, wir sind ein angenehmer Kessel Buntes, ein Nahversorger in Sachen Kultur. Und das macht mir viel Spaß. Ich komme ja ursprünglich aus dem Kabarett, daher ist es auch von dieser Warte aus betrachtet sehr schön für mich. Wir haben nicht nur unterschiedliche Veranstaltungen, sondern auch ein entsprechend unterschiedliches Publikum. Und wir haben das große Glück, auch wenn wir keine Großstadt sind, sehr viele namhafte Künstler zu Gast zu haben.

Wie lautet Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison?

Winkels Sie war nicht nur von den Besucherzahlen her, sondern auch von der Ausgewogenheit des Programms betrachtet sehr erfolgreich. Wir haben sehr viel Zuspruch bekommen – und hatten noch nicht einmal einen Durchhänger, was sonst ja doch mal vorkommt.

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Was waren für Sie die Highlights im Programm?

Winkels Die „Bläckk Fööss“ sind nicht nur wegen meiner persönlichen Verwurzelung in Köln immer wieder ein Highlight. Sondern auch, weil diese Musik einfach direkt mitreißt und ans Herz geht. Wir haben die Kölner Urgesteine für 2020 noch einmal gebucht. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war das Programm von Philip Simon, den ich ohnehin sehr schätze. Sein Ansatz mit der Absurdität der Welt umzugehen, war bewegend. Da ich selber kein besonderes Faible für die Zauberei habe, war ich sehr überrascht davon, wie gut mir der Abend mit Marc Weide gefallen hat.

Und bei welchem Auftritt war das Publikum besonders zufrieden?

Winkels Natürlich bei den „Blääck Fööss“, aber wir hatten viele grandiose Abende. Viele Zugaben gab es etwa beim Auftritt von „One Of These“, der Pink-Floyd-Coverband.

Auf welche Veranstaltungen freuen Sie sich in der nächsten Spielzeit besonders?

Winkels Gespannt bin ich auf den gemeinsamen Auftritt von René Steinberg mit Doc Esser. Der startet ja gerade beim WDR durch und hat sein erstes Buch geschrieben, „Kittel, Keime, Katastrophen“. Jetzt machen sie ihr erstes Duo-Programm. Comedy-Lesung mit Musik – das wird bestimmt interessant. Sehr schön finde ich auch die Gastspiele der „alten Barden“. Also von Künstlern, die schon in den 1980er-Jahren deutschsprachige Texte gesungen haben. Wir werden Klaus Lage und Ulla Meinecke hier haben.

„Springmaus“ und „Simon & Garfunkel“ werden wohl so lange laufen, wie es die Künstler gibt, oder?

Winkels Klar, die engagieren wir gerne. Im Grunde ginge es auch gar nicht anders. Das Stammpublikum möchte „seine“ Künstler natürlich jedes Jahr haben. „Simon & Garfunkel Revival Band“ werden die Spielzeit traditionell einläuten.

Sie sind mit Veronika Weber gemeinsam Kulturmanagerin – wie laufen die Planungen zu zweit ab?

Winkels Das funktioniert wunderbar. Ich bin sehr froh über den Austausch. Wir müssen uns ja in der Klosterkirche nicht nur ums Programm, sondern eigentlich um alles kümmern. Und da ist es ganz gut, wenn man nicht alleine ist, und dann gegebenenfalls in irgendwelchen Verwaltungsarbeiten steckenbleibt. Wir kannten uns ja vorher schon, und ich bin sehr froh, wenn Veronika nach der Elternzeit im Oktober wieder da ist. Wir besprechen uns auch jetzt – sie ist ja in Elternzeit und nicht auf dem Mars.

Gibt es auch mal Reibereien – gerade in Sachen Programm?

Winkels Das wäre gar nicht verkehrt, denn ein bisschen Reibung kann durchaus fruchtbar sein. Ich glaube nicht, dass wir uns streiten würden. Ich glaube aber, dass wir unsere Meinung verteidigen würden, wenn wir die mal nicht teilen.

Für wie wichtig halten Sie Kabarett in Zeiten des wachsenden Populismus?

Winkels Ich halte es für wichtig, wenn das Denken in neue Bahnen gelenkt wird. Man braucht ab und zu ja mal einen Anstoß, damit es vielleicht mal in eine andere Richtung geht. Wenn Kabarett das leisten kann und nicht nur ein Publikum erreicht, das sowieso schon der gleichen Meinung ist, dann ist das ein Gewinn und Gold wert. Aber auch für die Menschen, die schon der Meinung sind, ist in Zeiten von Populismus eine Bestätigung, dass sie nicht alleine sind, wichtig. Viele Kabarettisten haben diesen moralischen Anspruch. Es ist wichtig, aber die Frage ist: Wen erreicht man? Im Publikum der Klosterkirche sitzen bestimmt kaum AfD-Wähler im politischen Kabarett.

Gibt es im Kabarett neue Trends?

Winkels Sicher wollen auch Künstler gefallen, daher gibt es gerade im Comedy-Bereich eine breite Masse, die manchmal auf die Pointe setzt, als auf Inhalte, für die sie brennen. Es gibt wieder mehr Musik, vielleicht auch, weil die Künstler merken, dass Poesie auch politisch sein kann. Mit der Zauberei kommt auch ein bisschen die leichte Muse wieder.

Was ist das Besondere an der Klosterkirche?

Winkels Unsere sehr persönliche Atmosphäre, glaube ich. Auch weil wir kein ganz kleines Haus sind. Publikum und Künstler können sich wohlfühlen. Zudem ist es die Aura, die dieses Gemäuer hat.

Abschließend dürfen Sie sich einen Künstler für die Klosterkirche wünschen, tot oder lebendig.

Winkels Hanns Dieter Hüsch, den ich kennenlernen durfte und sehr geschätzt habe. Ihn würde ich gerne noch einmal sehen können. Ansonsten würde ich mich auch über Konstantin Wecker freuen.