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Damensymposium der Volksbank im Bergischen Land : Ganz nah dran an den Weiten des Universums

Beim Damensymposium der Volksbank im Bergischen Land sprach Laura Winterling über ihre Arbeit als Astronauten-Trainerin.

Menschen mit außergewöhnlichen Zielen im Leben werden häufig als Träumer oder gar als Verrückte abgestempelt. Auch Laura Winterling ereilte dieses Schicksal: Früh packte sie die Neugierde für die Weiten des Universums. „Wie oft nur, wurde mir gesagt, dass ich das nicht schaffen würde“, äußerte sie im ruhigen Ton, ballte dann die Hand zu einer Faust und zog in siegreicher Geste den angewinkelten Arm an ihrem Körper zurück. „Nehmt das.“

Beim Damensymposium der Volksbank im Bergischen Land entführte die 38-Jährige die Gäste von der Klosterkirche zur internationalen Weltraumstation ISS. Was sie als Trainerin tut, und was es bedeutet, mit Herzblut seine Träume zu verfolgen, erzählte sie in einem inspirierenden Vortrag.

Winterling studierte Physik und bewarb sich als Trainee bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Auch wenn sie selbst noch nicht in einer Rakete gen All steigen konnte, sie ist tagtäglich nah dran. Als Astronauten-Trainerin bereitete sie über zwölf Jahre lang all diejenigen vor, die für eine Weltraummission auserwählt wurden, zuletzt auch „Astro-Alex“, Geophysiker Dr. Alexander Gerst. In Porz müssen europäische Astronauten drei Jahre lang die Schulbank drücken, sämtliche Abläufe bis zur Verzweiflung wiederholen, bis alle Handgriffe so automatisiert sind, dass sie im Schlaf ausgeübt werden könnten. „Das ist anstrengend – sehr sogar“, bemerkte Winterling. „Das ist so, als würde man den ganzen Tag Ikea Pax-Schränke aufbauen – nur, dass bei uns am Ende keine Schrauben übrigbleiben dürfen.“

In der dreijährigen Vorbereitungszeit gehöre das Leben der Astronauten der ESA, beschrieb Winterling. „Sie vernachlässigen alles um sich herum, Familie und Freunde, um sich nur auf diese eine Reise und ihren Aufenthalt auf der ISS vorzubereiten.“ Die Raumstation beschrieb die 38-Jährige als ein etwa 100 mal 80 Meter großes Ferienhaus (so groß wie ein Fußballfeld), an dem auch immer mal wieder etwas gemacht werden müsse, um es instand zu halten. In der Zeit ihres Aufenthaltes hätte jeder der Astronauten zudem die Aufgabe, 160 Experimente durchzuführen.

Eindrücke des Trainingslagers vermittelte Winterling über mitgebrachte Fotos, etwa einer nachgebauten Raumstation in einem riesigen Schwimmbecken unter Wasser, was die Schwerelosigkeit simuliere. Videomitschnitte direkt von der Raumstation gaben einen Einblick, wie eng und außergewöhnlich das Leben auf der ISS sein muss.

„Was glauben Sie, was die Astronauten da oben am meisten vermissen?“, fragte Winterling. Vom Lieblingsessen bis zur Familie war alles dabei. Tatsächlich aber, erzählte die Rednerin, vermissen es Astronauten, in der Schwerelosigkeit den Kopf beim Schlafen auf einem Kissen abzulegen. „Sie glauben nicht, welches Gefühl der Geborgenheit das ist, den Kopf einfach in ein Kissen zu versenken.“ Die Astronauten schlafen auf der ISS schwebend in einem Schlafsack.

Am Ende ihres eindrucksvollen Vortrags gab Winterling den Anwesenden einen Rat mit, während auf der Leinwand Astronauten auf dem Mond immer wieder stolperten: „Wer etwas Neues versucht, kann hinfallen. Seien sie mutig.“

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