Remscheid: Raum und Zeit in einem Gemälde

Remscheid: Raum und Zeit in einem Gemälde

In der "Ins Blaue Art Gallery" in Honsberg hängen bis zum 4. März 35 Bilder der Wuppertaler Künstlerin Doris Faassen. Die Kunstwerke sind im Laufe von fast zehn Jahren entstanden. Am Sonntag wird die Ausstellung eröffnet.

REMSCHEID Draußen ist es matschig und kalt - drinnen regiert Nacktheit. In der "Ins Blaue Art Gallery" hängen noch bis Sonntag, 4. März, 35 Bilder mit stets dem gleichen unverhüllten Frauenmodell. Die Wuppertaler Künstlerin Doris Faassen (51) hat die Dame in unterschiedlichen Stellungen und Umgebungen auf die Leinwand gebannt. Stets im Hinblick auf denselben Zweck: die (foto)realistische Komponente des Gemäldes.

Daneben taucht im selben Bild - oft in direkter Nachbarschaft - der expressive Bestandteil des Kunstwerks auf: skizzierte, zuweilen verwischte Umrisse oder Schatten der Figur. "Dieser Gegensatz zwischen expressiv und realistisch schafft Raum", sagt die Künstlerin. Das Bild werde dadurch dreidimensional. Hierfür eigne sich ein weiblicher Körper besonders. Seine Menschlichkeit verleihe einem Bild räumliche Dimensionen. Mit einem Ziegelstein hätte sie es nicht so verdeutlichen können. Besonders gut zu sehen in den beiden Bildern "Unter der Akt-Lampe".

Gegen den lüsternen Blick des Sexisten verwahrt sie sich ausdrücklich. "Die Bilder sind im Laufe von fast zehn Jahren entstanden", sagt sie. Zu jener Zeit sei Sexismus kein Thema gewesen. Nacktheit zu malen sei beste Tradition in der Malerei. Meistens gehört für die Künstlerin zu ihren Kompositionen auch ein Stück Obst dazu - ein Granatapfel, eine Orange oder eben auch eine Mandarine. Sie fungiert als Namensgeberin der Ausstellung: "Geburt einer Mandarine". Leider sei das entsprechende Gemälde schon verkauft, sagt Faassen. Sie verdeutlicht die Symbolik anhand des Bildes "Granatapfel Schwangerschaft einer Fläche". Der kryptische Titel gibt bereits den Hinweis. Der Schatten einer hockenden Nackten erscheint wie die erste hingeworfene Skizze des späteren Bildentwurfs. Auf dem Boden liegen zwei Granatäpfel, der eine reifer als der andere. So, wie die Frucht allmählich reift, entwickelt sich der zweidimensionale Schatten zum realistischen, dreidimensionalen Abbild der Frau. Damit holt sich die Künstlerin zugleich die vierte Dimension ins Bild: die Zeit. Reifen erfordert Zeit. Und auch das anschließende Vergehen.

Ganz deutlich wahrnehmbar im Bild: "Selbstbildnis mit Modell und Teddybär meiner Mutter". Drei Generationen von Jugend bis Alter in einem Bild. Die Symbolik Faassens - Raum und Zeit - ist nicht immer mit dem ersten Blick zu erkennen. Sie erfordert auch den zweiten, prüfenden Augenschein. Katja Wickert ist stolz darauf, die Ausstellung in ihre "Ins Blaue Art Gallery" bekommen zu haben: "Es ist ein Projekt im Rahmen der Vernetzung Bergischer Künstler." Eröffnung ist am Sonntag, 18. Februar, 16 Uhr, in der Siemensstraße 21. Die Öffnungszeiten: sonntags, dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. An den Sonntagen ist Doris Faassen anwesend. Zur Eröffnung liest Soraya Sala.

(RP)