Rätselraten, woher die Remscheider Pauluskirche ihren Namen hat

Gotteshäuser in Remscheid : Diese Kirche ist ein Zuhause

Die Pauluskirche wurde als Filialkirche der Stadkirche eingeweiht. Woher ihr heutiger Name stammt, ist nicht bekannt.

Eigentlich ist in der heutigen Informationsgesellschaft alles irgendwo hinterlegt, an irgendeiner Stelle nachzulesen oder zumindest zu erfragen. Da ist es doch eigentlich ganz schön, wenn manche Dinge ein Geheimnis bleiben. Wie der Grund dafür, warum die Evangelische Pauluskirche am Hasten ihren Namen bekommen hat. „Sie wurde 1928 umbenannt, aber warum gerade in Pauluskirche, das ist nicht überliefert“, sagen die beiden Pfarrer Annette Cersovsky und Siegfried Landau. Dass die Umbenennung ein klanglicher Vorteil war, ist indes unbestritten. Wurde die 1853 eingeweihte Kirche an der Büchelstraße doch bis dahin als Filialkirche bezeichnet. „Der Grund dafür war, dass die Baugenehmigung daran gekoppelt war, dass die Kirche zur Stadtkirchengemeinde gehörig blieb“, sagt Landau. Erst 1871 wurde dann am Hasten eine eigene Kirchengemeinde gegründet.

Ermöglicht wurde der Bau der Pauluskirche durch ein sehr modernes Prinzip: Crowdfunding. „Ja, das Presbyterium der Stadtkirche hatte nach einigem Hin und Her dem Wunsch der Hastener nach einer eigenen Kirche nachgegeben. Aber nur, wenn sie dafür auch selbst bezahlen würden“, sagt Landau. Cersovsky ergänzt: „Eduard Krenzer, Lehrer an der Hastener Schule, besuchte die Familien am Ort und verkaufte ihnen Sitzplätze in der Kirche, die noch zu bauen war.“ Schon bald hätte er so die dafür nötigen 10.000 Taler beisammengehabt. Die Namensschilder, die an den Sitzbänken angebracht wurden, gibt es heute nur noch vereinzelt auf der Empore an der Brüstung. „Irgendwann wurden die Sitzbänke ausgetauscht, da sind dann auch die Namensschilder entfernt“, sagt Landau.

Annette Cersovsky ist seit zwölf Jahren Pfarrerin in Hasten, ihr Kollege Siegfried Landau bereits seit 23 Jahren. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die Architektur der Pauluskirche wird als Rundbogen-Klassizismus bezeichnet. „Das Ganze ist etwas rückwärtsgewandt gestaltet, das romantische Ideal wurde sehr schön umgesetzt, finde ich“, sagt Landau. Der Remscheider ist seit 23 Jahren Pfarrer in Hasten. Seine Kollegin, die ursprünglich aus Wuppertal kommt, ist seit zwölf Jahren Pfarrerin in der Pauluskirche. Auch wenn die Kirche für Remscheid stilistisch besonders ist, sieht sie doch nicht mehr so aus, wie zu ihrer Bauzeit. „So wurde die mächtige Altarwand, eine sogenannte Bergische Trias bestehend aus Orgel, Kanzel und Altar, erst 1867 eingebaut“, sagt Landau.

Die Evangelische Pauluskirche wurde 1853 als „Filialkirche“ der Stadtkirche eingeweiht. Erst 1928 bekam sie aus unbekannten Gründen ihren heutigen Namen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Auch die Fenster, heute wundervoll bunt und detailreich anzusehen, wurden erst ab 1905 eingebaut.“ Ursprünglich waren sie farblos und ohne Ornamente. Die acht großen Fenster zeigen verschiedene Bilder und Szenen aus der Bibel. Etwa die Kindersegnung, die Kreuzigung, die Auferstehung oder der barmherzige Samariter sind dort zu sehen.

Für die beiden Pfarrer ist die Pauluskirche mehr als nur ihr Arbeitsplatz. „Die Kirche ist mein Zentrum, ein Kraftort, an den ich auch einfach so einmal gehe“, sagt Annette Cersovsky. Gemeinde können nur funktionieren, wenn man sie auch als Zuhause empfinde. „Wir brauchen diese besonderen Orte, an denen eben nicht alles immer möglich ist“, ergänzt Landau. Er sei kein Freund der Multifunktionskirchen. „Mir fällt da auch eine schöne Anekdote dazu ein“, sagt der Pfarrer.

So habe der Künstler Anatol Herzfeld, ein Meisterschüler von Joseph Beuys, einmal eine Ausstellung in der Pauluskirche machen wollen. Als er zum Ortstermin kam, habe er erst einige Zeit nichts gesagt, ehe er dann ehrfurchtsvoll die Natursteinmauern berührt habe. „An so einem Ort muss man Demut zeigen, hat er gesagt. Das hat mir deutlich gezeigt, dass die Kirche eine besondere Ausstrahlung und Würde hat“, sagt Landau.

Schön sei, dass in den vergangenen Jahren auch wieder der Kirchplatz ins Zentrum von Veranstaltungen gerückt sei. „Es bietet sich an und es ist vor allem ein schöner Platz“, sagt Annette Cersovsky. Aber auch sonst sei das Gemeindeleben sehr aktiv. „Wir haben ein Programm für alle Generationen – praktisch von der Krabbelgruppe bis zu hochbetagten Senioren“, sagt Landau. Er habe vor zwei Jahren die Männerarbeit intensiviert. „Da habe ich einfach mal alle Männer in der Gemeinde eingeladen. Daraus sind viele Gruppen und Kreise entstanden.“

Und auch die Jugendarbeit sei sehr rege, sagt Annette Cersovsky. „Wir bieten den Jugendlichen direkt nach der Konfirmation an, sich zu ehrenamtlichen Helfern ausbilden zu lassen. Das wird auch wirklich gut angenommen.“