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Prozess wegen versuchten Mordes in Remscheid

Prozess wegen versuchten Mordes in Remscheid : Opfer im Zeugenstand

Vor dem Landgericht Wuppertal wird zurzeit gegen einen offenbar psychisch kranken Mann verhandelt, der 26-mal auf einen Kollegen eingestochen haben soll.

Der Beschuldigte lief unruhig hinter der Anklagebank hin und her. Es ging ihm nicht gut an diesem zweiten Verhandlungstag im Prozess vor dem Landgericht Wuppertal gegen ihn, in dem er sich wegen versuchten Mordes zu verantworten hat.

Immer wieder unterbricht der Vorsitzende die Verhandlung. Wegen einer psychischen Erkrankung gilt der Slowake als schuldunfähig, ihm droht die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Ein paar Meter von ihm entfernt, im Zeugenstand: Sein Kollege aus der Baukolonne, der im September 2020 zum Opfer wurde. Insgesamt 26-mal soll der Beschuldigte auf den 38-Jährigen Tschechen eingestochen haben. Anfangs in der Küche der gemeinsamen Unterkunft in Bergisch Born, später vor dem Haus auf der Straße. Dorthin war der Schwerverletzte geflohen – nun sollte er sich nochmals im Zeugenstand daran erinnern, was ihm damals widerfahren war.

Er sei auf dem Heimweg von der Arbeit noch in einen Supermarkt gegangen, um Lebensmittel einzukaufen. Als er damit begonnen habe, die Einkäufe im Kühlschrank zu verstauen, sei der Beschuldigte von hinten auf ihn zugekommen. Noch im Aufstehen habe der Mann auf ihn eingestochen, den ersten Schmerz habe er in den Rippen gespürt. Erst später habe er realisiert, dass der Angreifer mit einem Messer auf ihn losgegangen sei.

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„Das wollte ich ihm mit dem Rucksack aus der Hand schlagen“, erinnert sich der Tscheche nun vor Gericht. Gelungen sei ihm das damals nicht. Zwei weitere Stiche seien gefolgt, bevor er auf die Straße habe fliehen können. In der Unterkunft sei zur Tatzeit niemand gewesen und er habe gehofft, dass ihm draußen jemand zu Hilfe eilen würden.

Das taten dann auch Zeugen, die mit ihrem Auto auf der Bornefelder Straße anhielten, nachdem sie das blutende Opfer dort hatten auf der Straße liegen sehen. Sie riefen sofort den Notruf – kurz darauf versuchten die herbeigeeilten Beamten vergeblich, den Beschuldigten dazu zu bringen, das Messer wegzulegen. Der Slowake sah sich den bewaffneten Beamten gegenüber und verstand anfangs angeblich nicht, was man von ihm wollte. Zuvor soll er über seinem schwerverletzten Kollegen gestanden und wie von Sinnen auf ihn eingestochen haben.

Ausgesagt hat nun auch der Bauleiter der Kolonne, der den Beschuldigten schon länger kennt. Der Angeklagte sei in einer schwierigen Lebensphase gewesen. Ihm selbst und auch den Kollegen sei aufgefallen, dass er vor der Tat „wirres Zeug“ erzählt und sogar davon gesprochen habe, dass er von der Mafia verfolgt werde.