Prozess: Vier Männer sollen in Remscheid 26-Jährigen überfallen haben

Fortsetzung des Totschlag-Prozesses gegen vier Angeklagte : Aufregung auf der Richterbank

Fortsetzung im Totschlag-Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht.

Im Prozess gegen vier Angeklagte, die in der Nacht zum 28.April vor dem ADAC-Gebäude auf einen 26-Jährigen eingeschlagen und getreten haben sollen, wurde am mittlerweile dritten Verhandlungstag ein Video gezeigt, das ein Anwohner mit dem Handy gefilmt hatte. Die Aufnahme zeigt eine Rangelei, eindeutig zu identifizieren ist darauf keiner der Angeklagten. Allerdings war dem Zeugen ein Messer aufgefallen.

Das Messer soll dem Opfer selbst gehört haben – der junge Mann hatte es in Notwehr aus der Tasche gezogen, weil er sich von der Gruppe bedroht fühlte. Nachdem er mit einem Teleskop-Schlagstock geschlagen worden war, soll ihm das Messer aus der Hand gefallen sein. Einer der Angeklagten hatte es aufgehoben, um es dem Opfer in den Rücken zu rammen. Der junge Mann wurde lebensgefährlich verletzt.

Einer der Beamten hatte bereits ausgesagt, mit jedem Angeklagten zuvor mehrfach zu tun gehabt zu haben. Einer der Beschuldigten war zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt, sein älterer Bruder sagte nun im Zeugenstand aus. Demnach sei der jüngere in der Hierarchie der Gruppe ganz unten gewesen und als „halbes Hemd“ gehänselt worden. Er habe es „cool“ gefunden, mit der Polizei zu tun zu haben und sich dadurch aufgewertet gefühlt. Dem Siebzehnjährigen wirft die Anklage in diesem Prozess auch weitere Straftaten vor: Unter anderem einen Angriff mit dem Schraubenzieher am Allee-Center . Er soll fünfmal auf sein Opfer eingestochen haben.

Die Mutter der beiden Brüder musste vom Vorsitzenden Richter zwischenzeitlich zur Ruhe ermahnt werden: Sie hatte aus dem Saal gerufen, dass die Familie mit Drohungen gezwungen worden sei, nicht gegen die Mitangeklagten des Sohnes auszusagen. Das dessen Bruder im Zeugenstand einräumte, im Vorfeld die ihm von der Verteidigerin ausgehändigte Ermittlungsakte gelesen zu haben, sorgt gleichermaßen für Aufregung auf der Richterbank.

Bei der Messerstecherei vor dem ADAC-Gebäude hatte allerdings nicht der 17-Jährige, sondern ein anderer der vier Angeklagten mit dem Messer zugestochen. Das Opfer war zuvor in Panik auf die Straße gelaufen, um eine Autofahrerin um Hilfe zu bitten. Die 24-Jährige sagte aus, die Situation verkannt zu haben. „Er lag plötzlich auf der Haube“, erinnert sich die Zeugin an einen Schockmoment.

Auch eine Busfahrerin hatte die Lage falsch eingeschätzt. Sie war mit Schritttempo unterwegs, als das Opfer vor den Bus gesprungen sei und mit den Händen an die Türe geschlagen habe. Sie sei weitergefahren. Erst an der Businsel am Hauptbahnhof habe sie das Gespräch eines Pärchens mitgehört, in dem über die Tat gesprochen worden war.