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Prozess nach Überfall in Remscheid: Hammer-Attacke im Rausch

Prozess nach Überfall in Remscheid : Hammer-Attacke im Rausch

Der Angeklagte kann sich nach viel Alkohol und einigen Amphetaminen an nichts erinnern. Vor dem Urteil wird es ein psychiatrisches Gutachten geben.

Gedächtnisverlust beim Angeklagten und Unsicherheit des Opfers bei der Identifikation eines möglichen Täters – schlechte Voraussetzungen für ein klares Urteil? Nicht unbedingt, denn die sonstigen Erkenntnisse scheinen klar.

Unbestritten ist die gleichzeitige Anwesenheit der Männer am
28. September in einem Wohnblock der Rosenhügeler Straße in Remscheid. Ein kurz nach 22 Uhr von der Arbeit zurückkehrender Filialleiter eines Supermarkts wurde im Hausflur von einer dunklen Gestalt mit schwarzer Corona-Maske angegriffen. Der Ruf nach „Handy“ war das einzige aus dem vermutlich Polnischen, was der 46-Jährige heraushören konnte, bevor er mit einem Cuttermesser und durch Schläge mit einem Plastikhammer auf den Kopf verletzt wurde.

Er wehrte sich, was ihm einen Handbruch und weitere Schrammen einbrachte. Dabei wurde ihm die Gürteltasche mit Papieren und den Schlüsseln des Geschäfts entrissen. Der Angeklagte, ein seit November 2019 in Remscheid wohnender, 32-jähriger Pole, kann sich an nichts erinnern: Zum Alkohol kamen Amphetamine. Seit 11 Uhr – gerade entlassen aus der Stiftung Tannenhof wegen ähnlichem Missbrauch – habe er getrunken. Hier zwei Bier, dort Kräuterlikör, dann habe er Wodka gekauft und mit Kollegen angestoßen, auch im Wohnblock, der zum Tatort wurde.

Ein Schleier habe sich dann über den Abend gelegt, jede Erinnerung daran sei weg und auch vom nächsten Tag wisse er nur Bruchstücke. Ein Plastikhammer und ein Messer? Davon wisse er nichts. Gehören würden die ihm nicht, kommentierte er die Fotos der Ermittler. Die Erinnerungslücken füllten Zeugen und Videoaufzeichnungen. Am Abend sei der Beschuldigte im Supermarkt aufgetaucht, mit glasigem Blick über der Corona-Maske, und habe ein Datenerfassungsgerät entwenden wollen, das wie ein Handy aussieht. Er sei des Ladens verwiesen worden, habe aber noch unschlüssig vor dem Geschäft gewartet.

Die alarmierten Polizisten fanden den Mann im dunklen Innenhof des Wohnblocks, in einer Böschung kniend. Eingekreist habe er Dinge ins Gebüsch geworfen, die der Polizeihund später aufspürte: ein Schlüsselbund, passend zum Markt, Zigaretten, ein Messer und einen Schraubenzieher. In der Windjacke fand sich ein Kunststoffbeil, auf der Hose fremde Blutflecken und an der Hand Verletzungen. In den beiden Wochen vorher hatten sie ihn nach Schlägereien unter Alkohol schon zweimal in der Stiftung Tannenhof abgeliefert. Beim nächsten Termin wird die psychiatrische Gutachterin vor dem Urteil die Schuldfähigkeit des Mannes bewerten.