Remscheid Prozess mit intimen Details

Remscheid · Ein 51-Jähriger steht vor Gericht. Ihm wird eine Vergewaltigung vorgeworfen.

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts sitzt ein 51-Jähriger, der seine Lebensgefährtin vergewaltigt haben soll. In deren Wohnung in Remscheid soll sich Folgendes zugetragen haben: Die Frau habe keinen Sex gewollt, der Mann soll sie unter Verabreichung von Schlafmitteln und trotz Gegenwehr dazu gezwungen haben. Passiert sein soll all das laut Anklage vor mittlerweile sieben Jahren.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Er will sich neben seine damalige Lebensgefährtin ins Bett gelegt haben, um zu kuscheln. Das sei anfangs einvernehmlich gewesen und erst beim Geschlechtsverkehr habe ihm seine Freundin gesagt, dass ihr die sexuelle Vereinigung starke Schmerzen bereiten würde und er aufhören solle. Das will der Angeklagte auch getan haben, wobei er einräumt, danach aus Frust einen lauten Ton angeschlagen zu haben. Dann sei er gegangen - und das, ohne der Frau Schlafmittel verabreicht zu haben und auch ohne einen zweiten Übergriff, den es am gleichen Abend gegeben haben soll.

Gestern nun war die Frau in den Zeugenstand geladen worden. Zuweilen gerät eine solche Vernehmung, bei der intimste Details ausgebreitet werden, zur Zumutung für die Betroffenen. Hier jedoch war es der Sensibilität eines einfühlsamen Richters zu verdanken, dass es dazu nicht kommen sollte. Die Lebensgefährtin sprach über den sexuellen Missbrauch, der ihr in der Kindheit widerfahren sei - und auch darüber, dies verdrängt zu haben. Sie habe darüber mit niemandem gesprochen - offenbar auch nicht mit ihrem Lebensgefährten. Dass sie sich in die Beziehung gedrängt gefühlt und alles nur gemacht habe, weil ihr Freund das so gewollt habe. Eingeständnisse, die wohl auch der Angeklagte zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit gehört haben dürfte.

Was dieser für Diskussionen um seine unbefriedigten sexuellen Bedürfnisse gehalten haben dürfte, wurde von seiner Lebensgefährtin offenbar als massives Drängen und Kontrollbedürfnis wahrgenommen. "Er war sehr besitzergreifend und dominant", sagte die Frau. Er habe alles bestimmen wollen und sie habe nicht Nein sagen können.

Auch vor dem vermeintlichen Übergriff habe sie ihm gesagt, dass er einfach nur gehen solle, weil es ihr nicht gut gehe. Dass es danach weiterhin Kontakt zu dem Mann gegeben haben soll, bestritt sie nicht. Allerdings will sie auch diesen nicht gewollt haben. Er habe von Liebe gesprochen und sie heiraten wollen - aus Sicht der Zeugin nur, damit sie nicht gegen ihn aussagen könne. Der Prozess wird fortgesetzt.

(magu)
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