1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Andrea Schwenke: "Politiker sollten für ihre Stadt kämpfen"

Andrea Schwenke : "Politiker sollten für ihre Stadt kämpfen"

Die scheidende Managerin sieht das Allee-Center auf einem guten Weg. Eine florierende Alleestraße würde allen helfen.

Frau Schwenke, in welchem Zustand übergeben Sie nach anderthalb Jahren Ihrem Nachfolder das Allee-Center?

Andrea Schwenke: Ich hoffe doch, in keinem schlechteren als ich es übernommen habe. Man arbeitet immer an diversen Projekten. Ich hätte mir gewünscht, ich wäre schon ein Stückchen weiter, weil wir ja eine Erneuerung bzw. Revitalisierung innerhalb der Ladenstraße planen. Ich konnte es zumindest auf den Weg bringen und die Designkonzepte sind ausgearbeitet. Die Vorbereitungen für eine Umsetzung sind somit getroffen.

Was hat Sie am meisten überrascht bei Ihrer Arbeit hier in Remscheid?

Schwenke Auch wenn es nicht so positiv klingt: Am meisten hat mich tatsächlich überrascht, wie die Einstellung der Politik zur eigenen Stadt ist. Das fand ich teilweise schon enttäuschend.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Schwenke Ich hätte mir einfach gewünscht, dass die Stadtverwaltung und die Politiker an etlichen Stellen mehr für ihre eigene Stadt kämpfen.

Wo fehlte Ihnen die Unterstützung?

Schwenk: Es sind ja mehrere Themen. Wir haben viel über die städtischen Brunnen diskutiert. Ich verstehe, dass die Stadt wenig Geld hat. Aber das Schlimmste, was man machen kann, ist die eigene Innenstadt abzuschreiben und die defekten Brunnen nicht zu reparieren. Das ist für mich einfach das falsche Signal für eine Innenstadt, wo eigentlich das Leben florieren sollte, und die Leute gerne hingehen. Oder auch die Problematik mit Vandalismus im öffentlichen Durchgang. Da wurden wir im Stich gelassen und gesagt: Das ist jetzt euer Problem im Center, obwohl es in der Nacht ein städtischer Durchgang ist. Aber auch der Umgang mit dem verkaufsoffenen Sonntag zu Weihnachten im vergangenen Jahr war mir nicht verständlich. Dass man der eigenen Innenstadt den verkaufsoffenen Sonntag in der Weihnachtszeit verweigert und damit ein Signal an seine Einwohner gibt, macht euer Weihnachtsshopping in anderen Städten - das ist für mich der falsche Weg.

Stimmt der Branchenmix im Center noch?

Schwenke Grundsätzlich ja. Wir sind ein eher kleineres Center. Die Nahversorgung ist für uns ein wichtiger Faktor. Das Wichtigste ist angesiedelt. Das ergänzen wir mit Unterhaltungselektronik, Mode, ein bisschen Sport, Hartwaren. Für die weiteren Nischen bräuchte man mehr Platz, um sich anders aufzustellen. Den haben wir nicht.

Welche Geschäfte würden Sie denn hier noch gerne sehen wollen?

Schwenke Zum Beispiel Kindermode, die wir nur anteilig haben. Wir sind ein starker Familienstandort. Auch Herrenmode wäre toll, wenn das ein bisschen mehr ausgebaut werden könnte. Wichtig ist es jedoch, dass wenn die Besucher kommen, sie von allem etwas finden. Das erfüllen wir.

Inwiefern leidet das Allee-Center unter dem schlechten Zustand der Alleestraße?

Schwenke Es gibt immer einen Zusammenhang. Wir sind ein Center in der Innenstadt und würden es extrem begrüßen, wenn die Alleestraße florieren würde. Wir verstehen uns als Teil der Alleestraße. Wir sind ein sehr großer Teil. Aber was wir nicht wollen, ist, dass wir der einzige Teil sind. Es wäre toll, wenn es an der unteren Alleestraße noch einen Anker gäbe, wie es früher war. Dann könnten die Leute hoch und runter an guten Geschäften entlang flanieren, und wir als Gesamtes agieren. Dann wäre eine andere Akzeptanz der eigenen Innenstadt vorhanden, von der wir auch profitieren würden. Wir wollen hier nicht das Alleinstellungsmerkmal sein. Das ist nicht unser Ziel.

Wie beurteilen Sie die Kaufkraft der Remscheider? Braucht man nicht auch viele Geschäfte für Menschen mit kleinem Einkommen?

Schwenke Das ist schon so. In Remscheid braucht man auch Geschäfte für Menschen mit kleinem Einkommen. Aber nichtsdestotrotz, die Remscheider kaufen. Sie brauchen Dinge zum Leben und für den Wohlstand. Wir können hier im Center nicht sagen, die Remscheider haben kein Geld. Von der Durchschnittsausgabe pro Einkommen ist die Summe zwar kleiner. Aber dafür kommen die Leute öfter. Wir haben 90 Prozent Stammkunden. Es wird in Etappen eingekauft. Wenn wir uns das insgesamt anschauen, dann sind wir sehr zufrieden. Das Center läuft sehr gut.

Mit Real haben sie einen Mieter, der mal dringend renovieren müsste, oder?

Schwenke: Durchaus. Real ist in die Jahre gekommen. Das kann man nicht anders sagen. Aber auch da laufen Gespräche mit Real. In den nächsten Jahren läuft der Mietvertrag aus. Wenn es zu einer Verlängerung kommt, dann ist die Investition in eine Erneuerung ein wichtiges Thema.

Die Remscheider wünschen sich, dass das Allee-Center sich zum Rathausplatz hin mehr nach außen öffnet und es mehr Gastronomie an diesem Platz gibt. Kann das Center in diese Richtung etwas machen?

Schwenke Da können wir etwas machen. Aber wir sind an Mietvertragspflichten gebunden. Momentan sind alle Flächen vermietet. Bevor sich da eine Änderung ergeben könnte, sprechen wir zuerst partnerschaftlich mit unseren Mietern. Anders geht das nicht.

Auf was sollte ihr Nachfolger besonders achten?

Schwenke Das Center weiter voranzubringen. Wir haben hier den Charme der 80er Jahre. Das oberste Ziel ist es, dass es sich drinnen modernisiert, damit wir unseren Besuchern zeigen können, wie schön der Standort auch 30 Jahre nach der Eröffnung sein kann und bleibt. Das Allee-Center ist das zweite Zuhause für die Remscheider. Außerdem wünsche ich ihm, dass er es schafft, eine solche Zusammenarbeit mit der Stadt zu pflegen, die gute Entscheidungen für die Innenstadt bringt. Dass man an einem Strang zieht und nicht gegeneinander arbeitet.

Haben Sie Pläne für das, was Sie nach dem Mutterschaftsurlaub machen?

Schwenke Moment. Wir machen das alles Schritt für Schritt. Ich gestehe ganz ehrlich: Ich freue mich so sehr auf mein Kind, dass ich derzeit nicht darüber nachdenke, wann ich denn endlich wiederkommen kann. Ich mache den Job als Center Managerin nun seit 14 Jahren, habe davor studiert und mein Abitur gemacht. Ich war immer auf Achse. Ich genieße es, dass ich jetzt auch mal raus bin und mein privates Glück finden kann.

Christian Peiseler führte das Gespräch

(RP)