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Politiker in Remscheid müssen auf Haustürwahlkampf verzichten

Politiker in Remscheid sind sich einig : Haustürwahlkampf fällt aus

SPD-Fraktionschef Sven Wolf ist sich sicher: Einen klassischen Straßenwahlkampf mit Flyern, Kugelschreibern, Luftballons und vielen Gesprächen mit Bürgern kann es in Zeiten von Corona und Abstandsgebot kaum geben.

Die Parteien müssten diesmal noch andere Wege finden, um ihre Kandidaten und ihre Themen zum Wähler zu transportieren. „Wie erreichen wir die Leute?“, diese Frage wird derzeit in seiner Partei intensiv diskutiert. Die SPD hofft einerseits darauf, dass die Tageszeitungen oder das Lokalradio wieder ausführlich berichten, setzt aber auch auf digitale Kanäle und Social Media.

Thema sind bei den Besprechungen (viel lief zuletzt über Video- oder Telefonkonferenzen) aber auch die formalen Vorgaben des Wahlrechts. Wahlvorschläge müssen fristgerecht bei der Stadt eingereicht, Kandidaten zuvor in den Ortsvereinen benannt und gewählt werden. Durch Corona hängen die Parteien im Zeitplan hinterher. Gefunden werden muss zudem ein Ort, an dem die verbindlich vorgeschriebene Vollversammlung stattfinden kann. Eingeladen werden müssen dazu alle Mitglieder. Doch wo in der Stadt ist der Saal, wo man diese theoretisch mögliche dreistellige Personenzahl gemäß der gelten Abstands-Regeln unterbringen könnte?

Diese Sorge betrifft die nicht so Mitglieder-starke Linke weniger, dafür sieht Fraktionschef Fritz Beinersdorf die kleinen Parteien in der aktuellen Situation anders „benachteiligt“. Die schmale Parteikasse gebe Anzeigenkampagnen in Tageszeitungen oder Anzeigenblättern nicht her. Ein wichtiger Pfeiler des Wahlkampagne sei zuletzt die „Ochsentour“ des Haustürwahlkampfs gewesen, bei dem sich die Wahlkreis-Kandidaten persönlich den Bürgern vorstellen. Eine Methode, die in diesem Jahr für Probleme sorgen dürfte. Ein Unbekannter mit Mundschutz, der an der Haustür klingelt? Eine für viele Bürger beunruhigende Vorstellung. „Das fällt also so gut wie flach“, sagt Beinersdorf.

Gesucht werden nun kreative Ideen, wie man mit seinen Botschaften trotz Abstandsgebot beim Wähler ankommt. Wichtiger werden könnte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit mit einem eigenen OB-Kandidaten vor dem ersten Wahlgang öffentlich präsent zu sein. Beinersdorf hat erklärt, dass er nach seiner Kandidatur von 2014 (mit 6,0 Prozent auf Platz drei) erneut dafür bereit stünde – wenn seine Partei es denn will. Auch das muss noch geklärt werden.