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Pirnas Oberbürgermeister: "Wir sind Gewinner der Einheit"

Städtepartnerschaft Remscheid-Pirna : „Wir sind Gewinner der Einheit“

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke sieht die Partnerschaft mit Remscheid auf einem guten Weg. Nur durch Gespräche und Besuche ließen sich Vorurteile abbauen.

Die Partnerschaft zwischen Pirna und Remscheid ist genauso alt wie die Deutsche Einheit. Seit 30 Jahren gibt es mehr oder weniger enge Beziehungen zwischen den Menschen in der Sächsischen Schweiz und den Leuten aus dem Bergischen Land. Kaum war die Mauer gefallen, reiste eine erste Gruppe Remscheider „nach drüben“. Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke sagt heute: „Wir zählen zu den Gewinnern der Einheit“.

In Pirna gibt es keine zentrale Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit wie im Teo Otto Theater, sondern kleine Veranstaltungen. Zum kollektiven Gedächtnis der Bürger von Pirna gehört die Durchfahrt der Züge, die am 29. September 1989 die Flüchtlinge aus der ungarischen Botschaft nach Westdeutschland brachten. Hanke (Jahrgang 1953) hat die Szenen deutlich vor Augen, wie die Volkspolizei aufmarschierte, um zu verhindern, dass es in Pirna zu Sympathiekundgebungen für die Fahrt in die neue Freiheit kommt. Gut fünf Wochen später war die DDR-Diktatur zerfallen.

Gut 30 Jahre später fahren jedes Jahr Busse aus Remscheid Richtung Osten, um die Partnerstadt zu besuchen und das Umland kennenzulernen. Thea Jüttner, Remscheids Frau der ersten Stunde bei der Partnerschaftspflege, schreibt stets neue Namen auf ihre Liste. Der Austausch beschränkt sich nicht auf die 112 Mitglieder des Partnerschaftsvereins. Pirna ist für viele eine Reise wert. Einige fahren immer wieder hin. Die Zeit der Besserwessis, die den Ossis zeigen wollten, wie Demokratie geht, ist vorbei. Laut Jüttner habe es die in der Anfangszeit hier und da gegeben. Zunächst habe man die Menschen mit Materialien und administrativem Fachwissen geholfen. Spätestens seit 2002, als die Hilfe beim Systemwechsel nicht mehr nötig war, stand das touristische Interesse im Vordergrund. Bei den Treffen zwischen Remscheidern und Bürgern von Pirna habe es keine typischen Ost-West-Spannungen gegeben. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt Jüttner.

Geringschätzung der Lebensleistung, Undankbarkeit für die Hilfen – für Hanke haben sich diese verkrusteten Haltungen zwischen Ost und West in Pirna nicht durchgesetzt. „Durch die Praxis des Gesprächs haben wir Vorurteile abgebaut“, sagt Hanke. Das sei ein großer Gewinn, den die Partnerschaft bringe. Zugleich habe die Verwaltung viel lernen dürfen. Auch aus den Fehlern der Städte in Westdeutschland. Einer hohe Verschuldung haben die neuen Aufsichtsbehörden von Anfang an einen Riegel vorgeschoben. Hanke erinnerte daran, dass auch Pirna Solidaritätszuschlag zahlt. Wie alle anderen Städte auch.

Die AfD hat im Stadtrat von Pirna genauso viele Sitze wie die Freien Wähler, der Partei von Hanke, und die CDU. Ist die Stärke der AfD in der knapp 40.000 Einwohner zählenden Stadt nicht ein Zeichen dafür, dass sich dort viele Menschen abgehängt fühlen? Hanke gibt den Pragmatiker, der sich auf eine politische Analyse nicht einlassen will. „Wir diskutieren nicht politisch, sondern müssen Sachfragen lösen“, sagt Hanke. Es sei richtig, dass die Ungleichheit bei der Rente und den Löhnen viele Menschen weiter schmerze. Mit Blick in die Zukunft meint Hanke: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wer Pirna noch nicht besucht hat, weiß als Remscheider in der Regel, dass Pirna Partnerstadt ist. Schüleraustausch, Kulturkooperationen, Besuch beim Tag der Vereine — Anlässe zum Kennenlernen gibt es einige über das Jahr. Thea Jüttner wünscht sich, dass Remscheid in Pirna bekannter werde. Der dortige Partnerschaftsverein zählt nur zwölf Mitglieder.