Onkel Fisch: Die Entzauberung der Populisten

Kabarett in Remscheid : Die Entzauberung der Populisten

Das furiose Kabarett-Duo Onkel Fisch, bestehend aus Adrian Engels und Markus Riedinger, brachte sein Publikum in der Lenneper Klosterkirche mit einem regelrechten Dauerfeuer aus Gags zum Lachen.

Passend zur EU-Wahl war das Kölner Kabarett-Duo „Onkel Fisch“ mit seinem Programm „Populisten haften für ihre Kinder“ in der Klosterkirche zu Gast. Und die Künstler waren gut gelaunt und energiegeladen, wie man sie eben aus dem Radio und von den Kleinkunstbühnen der Republik kennt.

Gut 100 Comedy-Kabarett-Freunde wollten sich das bisweilen etwas hektische Gewusel von Markus Riedinger und Adrian Engels nicht entgehen lassen. Etwa, wenn sie sich gleich zu Beginn in die TV-Köche Tim Mälzer und Christian Rach verwandelten. Passend zum Thema, denn Populisten „kochen doch alle ihr gleiches braunes Süppchen“. Das war insgesamt durchaus witzig, auch wenn der Rach von Engels eigentlich viel mehr an einen Louis de Funès auf Speed erinnerte.

Apropos „braunes Süppchen“: Das heiße zum einen auf Italienisch Salvini, und dort ließ man ja ohnehin nichts Lebendiges mehr aus dem Mittelmeer an Land. So bissig, so tragisch, so wahr. Und auch in Großbritannien könne man als Demokrat kulinarisch nichts mehr erwarten. „Wenn man da bei der Theresa May einen Brexit bestellt, dann wäre der nicht ‚well done‘, sondern englisch: „Und das heißt blutig, blutig blutig!“, rief das kulinarische Koch-Duo ins Publikum.

Dabei hätten die beiden zunächst versucht, sich dem beängstigenden Thema des Populismus’ ein wenig humorvoll zu nähern. Denn schließlich seien die ja nun einmal da. „Und was macht man denn dann mit denen? Schließlich ist demnächst ja auch Europa-Wahl.“

Als Ideen wurden da etwa sowohl „mit ihnen kämpfen“ und „mit ihnen reden“ in den Raum geworfen. Wenn man es jedoch auch noch mit dem „orangefarbenen Anti-Viagra“, also „McDonald Trump“, zu tun habe, würde das alles schwierig. „Wobei, der bringt ja schon auch das Blut in Wallung – und das an Stellen, von denen du gar nicht wusstest, dass du da Stellen hast.“

Fraglich sei zudem auch, was denn der gemeine Populist eigentlich wolle. „Das muss man ja mal definieren.“ Klar sei – Populisten wollten irgendwas mit früher. Aber welches früher sei das? „1933? Nein! Weimarer Republik? Nein! Mittelalter? Nein! Wann auch immer dieses früher aber war – da war alles einfacher!“

Onkel Fisch waren wie ein furioser Herbststurm, eine Naturgewalt im schwarzen Anzug, die ihrer guten Sache – der Entzauberung der Populisten – mit der Energie eines frisch ans Netz gegangenen Atomkraftwerks nachgingen. Mehr als deutlich wurde bei der Frequenz und wilden Unbekümmertheit der Gags, die praktisch im Sekundentakt ins Publikum gedroschen wurden, dass das Duo sein Handwerk unter anderem auch beim Jugendsender 1Live perfektioniert hatte.

Höher, schneller, weiter, lautete das Motto. Das war bisweilen schon ein wenig anstrengend, einfach weil man doch beim Kabarett nur selten im Doppel eine derartig hohe Wortfrequenz vorgesetzt bekam.

Schön war allerdings die Timingsicherheit, die im weiteren Verlauf des Abends dann tatsächlich auch den typischen Louis-de-Funès-Move „Nein! – Doch!! – Oh!!!“ im Gepäck hatte.

Es blieb nicht international, auch die Populisten in Deutschland bekamen ihr Fett weg – die Rechtsextremen in der AfD. Wenn etwa Jörg Meuthen und Alexander Gauland „wie die zwei alten Säcke in der Muppet Show“ die Startschwierigkeiten der Großen Koalition mit hämischem Gelächter aus der Loge kommentierten.

Aber auch Angela Merkel wurde von den beiden Fischen durch den Kakao gezogen. Etwa dann, wenn sie die eher unangenehmen Dinge, mit Hilfe eines alten Kinderreims – „wer den nicht kennt, sollte mal Eltern fragen!“ – ganz einfach aussaß. Und wer hätte es gedacht – des Internet-Populisten-Haters liebstes Hilfsmittel, der Hashtag natürlich, hatte auch einen Merkel-Bezug. „Und zwar nicht nur beim Hashtag merkelmussweg. Denn was heißt Hashtag auf Deutsch? Genau, Rautentaste.“ Diese komische Entzauberung der Populisten machte Spaß – war auf Dauer aber ein wenig anstrengend.

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