1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Notfallseelsorge in Remscheid besteht seit 25 Jahren

Remscheider Notfallseelsorge feiert Jubiläum : Erste Hilfe für die Seele seit 25 Jahren

Rund 30 Notfallseelsorger aus Remscheid unterstützen seit 25 Jahren Rettungskräfte und Polizei, wenn Menschen seelischen Beistand benötigen – etwa bei der Übermittlung eines Todesfalls oder bei schweren Unfällen.

„Ich erinnere mich gut an einen Einsatz vor vielen Jahren. Ein Ehepaar war allein zu Hause, der Mann ging in das Untergeschoss und wollte sich etwas zu trinken holen. Als er nicht wieder kam, ging die Frau gucken und fand ihren Mann tot auf dem Boden. Die Rettungskräfte haben mich angefordert und ich traf auf eine Frau, die fürchterlich geschrien hat“, erzählt Jürgen Behr. „Später wurde sie ruhiger und hat mich sehr feste gedrückt, als Zeichen der Dankbarkeit.“ Der katholische Pfarrer ist einer von heute rund 30 Notfallseelsorgern in Remscheid.

Es war 1996, als die Feuerwehr an den evangelischen Pfarrer Ulrich Geiler herantrat: Man habe festgestellt, dass bei Einsätzen oft Situationen entstünden, in denen Menschen in ihrer größten Not allein gelassen werden müssten und ob es vielleicht ein Unterstützungsangebot geben könnte. 25 Jahre ist das jetzt her, damals wurde der Grundstein der Notfallseelsorge in Remscheid gelegt.

„Für uns bedeutet der Einsatz der Notfallhelfer immer eine enorme Erleichterung“, sagt Guido Eul-Jordan, Leiter der Remscheider Feuerwehr. „Man muss sich vorstellen, da wird ein Rettungswagen angefordert, um eine Person in ihrer Wohnung zu retten. Das klappt nicht immer, manchmal stirbt der Patient. Dann kommt noch die Polizei, weil auf dem Totenschein ,Todesursache unklar’ angekreuzt wurde. Und mittendrin steht der Partner, muss den plötzlichen Verlust realisieren und erlebt, dass auch noch ermittelt wird. So ein Mensch braucht doch in so einem Moment seelischen Beistand.“

  • Die Impfaktion am Hauptbahnhof wurde abgesagt.
    Orkan „Ignatz“ : Duisburger Feuerwehr fährt 55 Einsätze - Impfaktion abgesagt
  • Hat zur Sicherheit manche Wege im
    Forstverwalter sperrt Nebenstrecken : Starke Sturmfolgen im Bürgerbusch
  • Die Carl-Wilhelm-Straße wurde gesperrt, weil Bäume
    Unwetter Ignatz : Sturm trifft vor allem Forstwald und Hüls

Pfarrer Ulrich Geiler vom evangelischen Kirchenkreis Lennep hat die Notfallseelsorge aufgebaut. Er hat die katholische und die Freie Kirche mit ins Boot geholt, kümmert sich um Organisation, schreibt Dienstpläne, fährt selbst zu Einsätzen, aber kümmert sich auch um die Betreuung seiner Kollegen im Team, das aus Pastoren und Ehrenamtlern besteht.

„Wenn jemand zum Beispiel Polizisten bei der Überbringung einer Todesnachricht eines engen Angehörigen begleitet, kann es sein, dass dieser danach selbst Unterstützung oder ein Gespräch benötigt“, weiß Geiler. Genauso kümmern sich die Notfallseelsorger aber auch um Rettungskräfte nach belastenden Einsätzen.

„Damals beim Loveparade-Unglück waren viele Kräfte von uns in Duisburg, sie haben teilweise Menschen mit bloßen Händen versucht wiederzubeleben, sie haben die Todesschreie gehört, es war schrecklich“, erinnert sich Eul-Jordan. „Als sie zurückkehrten in die Wache, waren die Notfallseelsorger schon vor Ort. Das war unglaublich wichtig und hilfreich.“

Insgesamt 1682-mal wurden die Notfallseelsorger in den vergangenen 25 Jahren angefordert, meistens zu häuslichen Einsätzen, aber auch zu schweren Unfällen, bei Katastrophen, wie unlängst der Flut (drei Notfallseelsorger unterstützen im Ahrtal) oder bei Ankündigung eines Suizids. Gerade in letzteren Fällen seien die Einsatzkräfte besonders dankbar für die Unterstützung, fügt Eul-Jordan an. „Die sensible psychologische Gesprächsführung, die nötig ist, um einen Menschen von einem solchen Schritt abzubringen, beherrschen die Pastoren natürlich wesentlich besser als wir von der Feuerwehr.“

Notfallseelsorge – das bedeutet, genau dann da zu sein, wenn das Leben eines anderen von einem Moment auf den anderen zusammenbricht, ihn genau an diesem Punkt nicht alleine zu lassen. „Wir sorgen dafür, dass der Mensch in seiner Ohnmacht nicht ganz ohnmächtig wird, nicht verstummt“, definiert es Jürgen Behr, „wenn jemand nicht mehr spricht, ist das eine wirkliche Herausforderung.“ Bestenfalls bleibt der Seelsorger so lange bei dem Betroffenen, bis Verwandte oder Freunde vor Ort sind, sich kümmern können. Sofern es welche gibt.

„Es ist schlimm zu beobachten, dass im Laufe der Jahre die Menschen zunehmend vereinsamt sind“, schildert Ulrich Geiler seine Erfahrungen: „Es gibt immer mehr Menschen, die ganz alleine sind, und das bedeutet, dass, wenn wir irgendwann gehen müssen, niemand da ist, der sich weiter sorgen kann.“