Notarzt rettete Max das Leben

24-Jähriger wegen Kindesmisshandlung vor Gericht: Ein Notarzt rettete Max aus Remscheid das Leben

Ein 24-Jähriger steht derzeit wegen Kindesmisshandlung vor Gericht. Dass der vierjährige Junge noch lebt, hat er wohl auch der Entscheidung des Notarztes zu verdanken, der ihn ins Klinikum Solingen hatte bringen lassen.

Dass es an diesem Verhandlungstag noch etwas Gutes zu hören geben würde, war kaum noch zu erwarten. Und dann, nachdem mehrere Zeugen über den Tag berichtet hatten, an dem der vierjährige Max mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden war, sprach eine Ärztin aus der Kinderintensivstation über die Zeit, die der Junge in der Klinik verbracht hatte.

Nur langsam habe er dort laufen gelernt, nachdem er anfangs zwei Wochen im künstlichen Koma gelegen habe und halbseitig gelähmt gewesen sei. Als er aus dem Tiefschlaf aufgewacht sei, habe er nicht mehr sprechen können. Zuvor hatte man in der Nacht nach der Not-OP um sein Leben gebangt.

"Als er dann in die Reha abgeholt wurde, wollte er unbedingt laufen", erzählte die Ärztin, die gestern vor Gericht als Zeugin geladen war, von berührenden Momenten des Abschieds. Max habe da auch schon wieder einige Worte sprechen können.

Er sei ein fröhlicher, kleiner Kerl gewesen, um den sich alle auf der Station ganz besonders bemüht hätten. Man habe ihm Bälle zugeworfen, mit ihm herumgealbert und die Frau vom Kiosk habe ihm jedes Mal, wenn er zu ihr gelaufen sei, ein Eis spendiert. Mit einem solch glücklichen Verlauf hatte wohl kaum noch jemand gerechnet. Auch nicht die Zuhörer im Gerichtssaal, vor denen zuvor unerträgliches Leid ausgebreitet worden war.

Denn die Monate vor dem Tag, an dem der Junge mit schweren Hirnblutungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, müssen die Hölle gewesen sein. Die Rettungssanitäter, der Neurochirurg, die Kinderärztin von der Intensivstation: Sie alle sagten gestern übereinstimmend im Zeugenstand aus, dass der damals Dreijährige über lange Zeit misshandelt worden sein muss.

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Der Körper des Kindes sei mit älteren und neuen Hämatomen übersät gewesen. Dazu war von Lendenwirbelfrakturen die Rede und von einem verheilten Beckenbruch. Eine Computertomographie, die noch vor der Operation gemacht wurde, hatte ältere Blutergüsse unter der Schädeldecke gezeigt. Die habe man während der Operation öffnen müssen, um den Hirndruck nicht weiter ansteigen zu lassen.

Dass er noch lebt, hat der Junge wohl auch der Entscheidung des Notarztes zu verdanken, der ihn im September des vergangenen Jahres nach einem Notruf nicht in die Remscheider Kinderklinik, sondern in das Klinikum Solingen hatte bringen lassen. Dort war man - ausgestattet mit Schockraum und Neurochirurgie - in der Lage, schnell zu reagieren.

Wie ernst es damals gewesen sein muss, ließen auch die Details deutlich werden, die gestern aus den Krankenakten heraus öffentlich wurden. Schon die Rettungssanitäter hatten bei dem bewusstlos am Boden liegenden Kind eine Körpertemperatur von nur 33,7 Grad gemessen. Kurz vor der Operation seien es dann nur noch 29,4 Grad gewesen. "Das war mit dem normalen Thermometer nicht mehr messbar, weil die Anzeige nicht so tief reicht", erinnerte sich die Kinderärztin an dramatische Stunden.

Während im Gerichtssaal auf Bilder geschaut wurde, die nach der Einlieferung ihres Kindes im Krankenhaus gemacht wurden, saß die Mutter von den eigenen Armen geschützt und in Tränen aufgelöst auf der Anklagebank. Sie hat sich wegen unterlassener Hilfeleistung zu verantworten, weil sie die vermeintlichen Misshandlungen ihres Sohnes durch ihren Lebensgefährten nicht verhindert haben soll.

Der wiederum wurde zwischenzeitlich zu mehr Ernsthaftigkeit ermahnt: "Ihr Grinsen ist nur schwer auszuhalten", wandte sich der Vorsitzende Richter mit deutlichen Worten an den Angeklagten. Der 24-Jährige hatte beim Prozessauftakt bestritten, den Sohn seiner damaligen Freundin misshandelt zu haben.

(RP)