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Remscheid: Niedrigere Produktionskosten durch weniger Abfall

Remscheid : Niedrigere Produktionskosten durch weniger Abfall

Eigentlich ist Viktor Wozke gelernter Industriemechaniker mit einem Schwerpunkt in der Metallverarbeitung, doch derzeit arbeitet der Maschinenbaustudent schwerpunktmäßig mit Schaumstoffen. Noch bis Ende des Jahres absolviert der 27-Jährige aus Lüdenscheid ein Praktikum bei der Firma WVZ ("Wir verpacken Zukunft"), die auf den Versand hochwertiger Güter in Schaumstoffverpackungen spezialisiert ist. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit zum Thema "Produktions- und Qualitätsmanagementmethoden" unterstützt er den Betrieb bei der Reduzierung des Materialverbrauches und der Optimierung der Fertigungszeiten.

Die Reduzierung von Abfällen kann nicht zuletzt für ein kleines Unternehmen wie die WVZ Produktionsgesellschaft ein wichtige betriebswirtschaftliche Größe sein. "Dadurch können wir die Stückkosten in der Herstellung um fünf bis zehn Prozent senken", sagt WVZ-Geschäftsführer Jürgen Rothermel. Für ihn ist es deshalb wichtig, dass Wozke den "wissenschaftlichen Blick von außen" in die Firma bringt. Zudem habe der angehende Maschinenbau-Ingenieur, der an der Georg-Agricola-Hochschule in Bochum studiert, die Empathie, "sich in die Verhältnisse einzubringen".

Der 27-Jährige hatte sich bei rund 30 Firmen in der Region für ein Praktikum beworben. Für ihn ist gerade die "Übersichtlichkeit des Betriebes" in der Kronprinzenstraße ein wichtiger Faktor: Anders als in einem großen Unternehmen habe er bei WVZ die Möglichkeit, Änderungsvorschläge direkt in die Tat umzusetzen. So hat Wozke etwa eine Veränderung an einer CNC-Schneidemaschine erarbeitet, die verhindern soll, dass kleine Zuschnitte von Schaumstoff zu früh aus dem Block geworfen werden. Dafür entwickelte er ein Blech, das er von einem benachbarten Unternehmen herstellen und anschließend selbst an die Schneidemaschine montieren will. Zudem zeichnet der 27-Jährige einige Schneidprogramme um, die dafür sorgen sollen, dass bei der Herstellung der Verpackungen weniger Material verbraucht wird.

Allerdings wäre die Bewerbung bei WVZ beinahe gescheitert. Geschäftsführer Rothermel hatte die E-Mail von Wozke bereits gelöscht, als er sich dachte: "Nicht zu antworten gehört sich nicht!" Also las er die Bewerbung noch einmal genauer, rief den Studenten gleich an und fragte, ob er wirklich in einem so kleinen Betrieb arbeiten wolle.

Wozke wollte - und lobt nun vor allem die "familiäre Atmosphäre" im Betrieb. In einem Unternehmen wie WVZ könne man noch recht "einfach Veränderungen umsetzen", sagt er. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass man "auf die Personen vor Ort eingeht" und deutlich macht, warum die eine oder andere Veränderung am Produktionsprozess Sinn macht und im Interesse der Firma sein kann. "Man muss den Leuten das Thema näher bringen", erklärt er. Als gelernter Industriemechaniker verfügt Wozke außerdem über den beruflichen Hintergrund, um einschätzen zu können, wo Veränderungen möglich sind - und wo nicht. Für ihn selbst sei das Praktikum deshalb auch eine gute Gelegenheit, sein "Bastler-Gen" zu verwirklichen.

Geschäftsführer Rothermel ist von der Mitarbeit des Studenten auf jeden Fall so angetan, dass er sich vorstellen kann, dass Wozke auch nach Ende des Praktikums projektbezogen für das Unternehmen tätig werden könnte. Der 27-Jährige selbst lässt sich die Entscheidung noch offen, ob er nach Abschluss seiner Bachelorarbeit ins Berufsleben wechselt oder möglicherweise noch ein Magisterstudium anschließt.

(RP)