New York: Familie Schmidt startet beim Marathon

Sportler aus Remscheid : Familie Schmidt läuft in New York

Am Sonntag ist es so weit: Harro Schmidt, Nichte Venna und Neffe Julius werden sich in die Traube der mehr als 50.000 Läufer beim Marathon in New York einreihen.

31 Jahre nach seinem ersten Marathon in New York City kehrt Harro Schmidt zurück, um ein eigentlich einmaliges Ereignis zu wiederholen. Diesmal nimmt der Betreiber des Bürobedarf-Fachhandels an der Alleestraße einen Teil seiner Familie mit auf die 42 Kilometer durch die Häuserschluchten.

Nichte Venna (21 Jahre) und Neffe Julius (23 Jahre) werden sich am 4. November in Staten Island mit ihrem Onkel in die Traube der mehr als 50.000 Läufer einreihen, die in vier Wellen in den Asphaltdschungel geschickt werden. Nirgendwo sonst gibt es mehr Teilnehmer und Zuschauer. Bis zu zwei Millionen Menschen werden erfahrungsgemäß die Straßenränder in den fünf Stadtbezirken von NYC säumen.

Harro Schmidt verspricht seinen Patenkindern Beeindruckendes: „Du läufst gegen eine Wand von Menschen. Jeder wird angefeuert. Jeder.“ Und zwar ganz persönlich, je nachdem, welcher Schriftzug auf der Brust prangt. Die drei Schmidts laufen in schwarzen, eigens gefertigten Shirts mit dem Aufdruck „Uncle“ (Onkel), „Nephew“ (Neffe) und „Niece“ (Nichte), darunter das berühmte „Radiant Baby“-Motiv des New Yorker Künstlers Keith Haring, den Harro Schmidt schätzen lernte, als er 1986 als Reisekaufmann ein Jahr in NYC lebte.

Die unverwechselbaren drei streben mit unterschiedlichen Ansprüchen und Tempi dem Ziel im Central Park entgegen. Während der Onkel seit Jahrzehnten ein begeisterter Langstreckler ist, der auch mehrere Ultras (63 km) beim Röntgenlauf in den Beinen hat, steht die jüngere Verwandtschaft sportlich weniger im Saft. Das wurmte Harro Schmidt. Er setzte vor einem Jahr Anreize und lockte mit der Übernahme der Teilnahmekosten. Das wirkte. Venna erklärt das kurz und bündig so: „Julius raucht und ich mache keinen Sport. Damit war die Sache klar: Wir starten.“ Es wird kein billiges Vergnügen. „Das Startgeld betrug 1987 für Nicht-Amerikaner 25 Dollar, heute sind es 475 Euro pro Läufer.“ Gebucht wurde das Teilnahmepaket über einen Reiseveranstalter. Sonst hätte das Remscheider Trio nur auf Glück bei der Verlosung von freien Startplätzen hoffen können.

Seit die Idee geboren wurde, verzichtet Julius darauf, sich auf Partys Zigaretten anzustecken und Venna stieg an der Eschbachtalsperre eifrig ins Lauftraining ein. Vor vier Wochen haben die Geschwister erstmals gemeinsam den Halbmarathon in Köln absolviert, der Stadt, in der Julius Sportjournalismus und Venna Sonderpädagogik studiert. Die Generalprobe gelang. Die doppelte Distanz wird fraglos eine härtere Nummer.

Für den 57-Jährigen gilt als Marschroute in New York: „Pflicht wäre 4:30 Stunden, Kür 4:15 und grandios um die vier Stunden.“ Julius, der mit Harro auch in der Marathon-Staffel des Röntgenlaufs unterwegs war, will in unter vier Stunden den Zielstrich passieren. Für Venna zählt nur eins: „Nicht vom Besenwagen eingesammelt zu werden.“ Neun Tage weilt die Remscheider Reisegruppe, unterstützt von Helga und Martina Schmidt, in New York. Ihr Sightseeing haben sie vor den 4. November gelegt. „Denn ob unsere Muskeln danach noch mitspielen, weiß ich nicht“, sagt Venna.

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