Weihnachtsmarkt in Lüttringhausen Klein, gemütlich und plötzlich prall gefüllt

Lüttringhausen · Der Lüttringhauser Weihnachtsmarkt feierte am Samstag mit verändertem Konzept und an neuem Standort ein grandioses Comeback. Es fehlten zwar einige Vereine und Angebote, gemütlich war es aber trotzdem.

Fotos: Ideeller Weihnachtsmarkt in Lüttringhausen 2022
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Ideeller Weihnachtsmarkt in Lüttringhausen 2022

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Foto: Cristina Segovia-Buendía

Der ideelle Weihnachtsmarkt des Lüttringhauser Heimatbundes am ersten Adventssonntag zog über viele Jahrzehnte Tausende Besucher ins Dorf, um entlang der Gertenbachstraße an den Buden und Ständen von Vereinen und Organisationen für den guten Zweck nach selbstgebastelten, -gekochten und -gebackenen zu stöbern und zu genießen. Zuletzt allerdings zeichnete sich seitens der Vereine eine rückläufige Bereitschaft ab, am Markt teilzunehmen. Zu hohe Standgebühren und zu wenig Personal auf der einen Seite, zu hohe Kosten für Straßensperrung und Organisation auf der anderen Seite, machten aus dem einst erfolgreichen Markt des größten Bürgervereins der Stadt für die Besucher einen eher enttäuschenden Ausflug, erinnern sich Lüttringhauser und Organisatoren. Für den Heimatbund selbst wurde der Markt zudem immer mehr zu einer finanziellen Belastung.

Nach Corona stand daher nun für den erst im Sommer neu gewählten Vorstand die Frage im Raum: Was tun, mit der lieb gewonnenen Traditionsveranstaltung? Sascha von Gerishem, Mitglied im Heimatbund, erklärte sich bereit, den Neustart zu organisieren und stellte fast alles auf den Kopf: Kleiner, komprimierter, aber nicht weniger gemütlich sollte der Markt sein. Statt auf mehreren hundert Metern entlang der Gertenbachstraße, sollte sich der Weihnachtsmarkt diesmal auf dem Ludwig-Steil-Platz konzentrieren. Und statt am ersten Adventssonntag sollte er am Samstag davor stattfinden. Die Vorfreude bei einigen war groß, die Skepsis bei anderen umso größer.

Von Gerishem selbst bereitete der Druck zuletzt schlaflose Nächte, wie er gesteht. Am Samstag selbst aber konnte er nur noch vor Freude strahlen: „Wir sind sehr glücklich und sehr zufrieden, wie der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr angenommen wird.“ Zur Eröffnung am Nachmittag, sei es noch ruhig gewesen, erinnert sich Vereinsvorsitzender Bernhard Hoppe. „Ich stand mit dem Oberbürgermeister auf einem kleinen Podest, um den Markt zu eröffnen und nur eine Handvoll Besucher waren hier“, berichtet er. „Doch dann öffnete sich von jetzt auf gleich wie eine Schleuse und die Leute kamen in Scharen.“

Auch am Abend zeigte sich der Platz rund um die evangelische Stadtkirche im Dorf prall gefüllt: Vor den Verkaufsbuden der Vereine und Organisationen reihten sich die Besucher in langen Schlangen, um sich mit Getränken und Speisen einzudecken oder das ein oder andere hübsch gebastelte Präsent zu erwerben. „Der Zuspruch ist ganz gut“, erzählt Kerstin Schneider, die mit ihrem Mann und der Schwägerin einen hübschen Stand mit allerlei weihnachtlichen Accessoires und Leckereien für den Verein „Hilfe für Krebskranke“ des St. Petrus Krankenhauses in Wuppertal betreibt. Seit vielen Jahren sei sie Stammgast in Lüttringhausen gewesen. „Wir kommen bestimmt schon seit 30 Jahren auf diesen Weihnachtsmarkt.“ Die Neuerungen sagten ihr erstmal zu. „Beim Kassensturz werden wir dann sehen, ob es sich auch gelohnt hat.“

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Foto: Jürgen Moll

Davon konnte Markus Klemmert, der seinerseits mit seinen Kollegen vom lockeren Zusammenschluss „Grenzenlose Herzensbiker“, Kuchen, Punsch und Präsente gegen Spende für das Kinderhospiz Witten verkaufte, bereits am Abend ausgehen. „Für uns ist es das erste Mal, aber es läuft sehr gut. Wir sind sehr zufrieden und sind auch fast schon ausverkauft.“ Erst vor zwei Wochen hatte der Lüttringhauser mit seinen Biker-Freunden aus ganz NRW mit der Organisation begonnen. Den Markt kennt er noch aus seiner Kindheit. Die Neuerungen kamen bei ihm gut an: „Die Umgebung ist sehr schön, das Ambiente sehr nett. Es ist wichtig, dass es weitergemacht wird“, urteilte Klemmert.

Besucher waren gespaltener Meinung. „Es ist schön, dass es wieder stattfindet und es scheint auch sehr gemütlich. Aber ich vermisse viele weitere Stände und vor allem hätte ich heute gerne Reibekuchen gegessen“, äußerte Besucherin Petra (51). Die traditionelle Kartoffelspeise, die sonst immer der Lüttringhauser Männerchor an seinem Stand anbot, gab es diesmal aufgrund fehlender Ehrenamtler nicht. Ehemann Dirk (61) fand es auf dem Ludwig-Steil-Platz dagegen deutlich angenehmer, als auf der Gertenbachstraße. „Hier wird man nicht von den Leuten weitergeschoben.“

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